Kämpfer für Menschenrechte

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Kämpfer für Menschenrechte. Pollak © Andreas Pessenlehner

Alexander Pollak ist die Stimme von SOS Mitmensch. Eine sehr gewandte Stimme. Pollak formuliert präzise, argumentiert perfekt und bringt seine Anliegen stets auf den Punkt. Worum es ihm geht? Menschen und Rechte.

Von Alexia Weiss

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Politik war schon zu Hause ein wichtiges Thema, erzählt Alexander Pollak. „Wir haben immer Nachrichten geschaut – die ZiB um 19.30 Uhr war ein Pflichttermin.“ Seine Eltern politisch zu verorten, das will er nicht. „Aber es wurde über österreichische Politik diskutiert, über Nahostpolitik. Mich hat die Waldheimzeit geprägt, da war ich auch auf vielen Demos.“

Vieles hat er im Schomer mitbekommen. „Zum einen das Thema Nahost. Der Schomer hat ja eine zionistische Orientierung, aber doch immer auch einen kritischen Blick auf Israel geworfen. Das hat mich geprägt. Und zum anderen gab es da eine sehr intensive Auseinandersetzung mit Antisemitismus.“ Pollak ist 1973 in Wien geboren und auch hier aufgewachsen. Als er ein Teenager war, begann Österreich sich langsam von der Rolle als erstes Opfer Hitler-Deutschlands zur verabschieden.

Nach der Schule hatte er dennoch „keine so klare Orientierung, in welche Richtung es gehen soll“. Und wie so viele habe er Wirtschaft studiert. „Ich habe es bald nicht mehr gemocht, aber ich war rasch unterwegs. Also habe ich es fertiggemacht.“ Parallel dazu hat er sich auf der Uni Wien nach einem Studium umgesehen, das ihn wirklich interessiert. Gelandet ist er bei der angewandten Sprachwissenschaft. Seine Dissertation hat er hier zum Thema Das Bild der Wehrmacht in den österreichischen Medien nach 1945 verfasst.

Diskussion über die NS-Vergangenheit

Die Rolle der Wehrmacht zu diskutieren, „das war wichtig“, resümiert er. „Die rigide Trennung zwischen böser SS und braven Soldaten wurde aufgebrochen, ohne dass dabei eine kollektive Schuldzuweisung der Wehrmacht vorgenommen wurde. Das war ein Meilenstein in der Diskussion über die NS-Vergangenheit.“ Letztere war auch während seiner Zivildienstzeit im Dokumenta­tionsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) ständiges Thema, ebenso wie in einigen seiner Buchbeiträge.

Als Sprecher von SOS Mitmensch dreht sich sein beruflicher Alltag heute um das Thema Menschenrechte. Seit 2011 hat er diese Funktion inne – zuvor war er fünf Jahre lang Leiter von Anti-Diskriminierungsprojekten bei der EU-Grundrechteagentur in Wien. Asyl ist ein Thema, das ihn seit Langem beschäftigt. Hier hat er vor einiger Zeit auch die Initiative jasyl.at gestartet. „Das war, als die Diskussion um eine dritte Asylstelle in Österreich aufgekommen ist.“

„Eigentlich finde ich wichtiger, wie ich handle,als was ich bin.

Mit SOS Mitmensch ist er erstmals beim Lichtermeer in Kontakt gekommen. Da war er natürlich dabei, als 19-Jähriger. „Das war schon ein sehr positives Gefühl von Gemeinschaft, von Solidarität gegen – wie es damals hieß – Fremdenfeindlichkeit.“ Warum der Begriff heute aus seiner Sicht nicht mehr funktioniert? „Er ist problematisch – er suggeriert, dass es um Feindlichkeit gegenüber Fremden geht. Aber ein Großteil der Leute, die davon betroffen sind, sind keine Fremden. Sie leben hier.“ Was ihnen zur Last gelegt werde, sei übrigens nicht immer so klar. „Es kursieren immer noch Ideologien, die Menschen unterschiedliche Wertigkeiten zuschreiben – diese Ideologien führen ins Verderben.“

SOS Mitmensch ist eine politische Kampagnenorganisation, „die sich dafür einsetzt, dass es ein gleichberechtigtes Leben in Österreich gibt. Dass Menschen, die Schutz suchen, auch Schutz bekommen. Dass es, so weit als möglich, auch soziale Gerechtigkeit gibt. Im Zentrum steht für mich der Begriff der Gleichberechtigung, weil alle Menschen Respekt und gleiche Rechte verdienen.“

Kein „Fan von starren Identitätskonzepten“

Die Mühen der Ebene sind bekannte: Man arbeitet mit knappen Ressourcen wie alle NGOs. „Wir finanzieren uns ausschließlich durch private Spenden.“ Das bringe aber auch Unabhängigkeit mit sich. „Wir sind nicht auf irgendwelche politischen Gefälligkeiten angewiesen.“ Warum er gerne für SOS Mitmensch tätig ist? „Weil ich alle Themen, mit denen wir uns beschäftigen, sehr wichtig und spannend finde. Das sind Themen, die unseren Alltag prägen – wie wir miteinander umgehen, welche Chancen wir haben und anderen geben.“

Er könne nicht genau sagen, wieviel seine jüdische Sozialisation zu dem beigetragen hat, was aus ihm geworden ist, meint Pollak. Er sei säkular aufgewachsen, die Religion habe nie eine große Rolle gespielt. Insgesamt sei er kein „Fan von starren Identitätskonzepten. Denn: „Eigentlich finde ich wichtiger, wie ich handle, als was ich bin. Ich bin Mensch, ich habe Werte, die mir wichtig sind – Diskriminierungsfreiheit, Solidarität, Respekt.“

Zur Person

Alexander Pollak, geb. 1973 in Wien, hier Schule, Studium der Wirtschaftswissenschaften, Doktorat in Sprachwissenschaft. Mitbegründer der Demokratie- und Menschenrechtsinitiativen fensterpolitik.at und jasyl.at sowie langjähriges Mitglied des politischen Radiojournals Radio Stimme (radiostimme.at), das auf freien Radios ausgestrahlt wird. Buchautor (Die Wehrmachtslegende in Österreich, 2002) sowie Co-Autor (zuletzt The Dicursive Construction of History, 2008; In einer Wehrmachtsausstellung, 2004; Wie Geschichte gemacht wird, 2003). Fünf Jahre Leiter von Antidiskriminierungsprojekten bei der EU-Grundrechteagentur in Wien. Seit 2011 ist Alexander Pollak Sprecher von SOS Mitmensch.

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