WINA: Frau Kratz, seit wann gibt es den Jewish Link Wine Guide?
Elizabeth Kratz: Diesen Pessach haben wir die sechste jährliche Ausgabe herausgebracht. Und soweit ich weiß, gibt es weder in den USA noch in Israel ein anderes unabhängiges Magazin, das sich koscherem Wein widmet.

Foto: Elisabeth Kratz

Wie kam es überhaupt zu diesem koscheren Wein-Führer?
Dahinter steht die Regionalzeitung The Jewish Link in Northern New Jersey, nahe Manhattan. Als im Jahr 2020 in Manhattan die Jewish Week, die auch einen Wine Guide herausgegeben hat, die Printpublikation einstellte und sich auf eine Online-Edition beschränkte, haben wir zweifach reagiert: Wir haben den Jewish Link nach Manhattan ausgeweitet und den Wein-Führer unter unserem Verlagsdach neu publiziert. Ich bin neben meiner Arbeit als Chefredakteurin des Jewish Link seit der Gründung auch dessen Chefredakteurin.

Wie haben Sie eigentlich das Thema Wein gefunden?
Meinen ersten Artikel über Wein habe ich in Deutschland geschrieben, über einen Prinzen zur Lippe in Nordrhein Westfalen. In Washington, wo ich als Journalistin gearbeitet habe, haben sich einige meiner Freunde für koscheren Wein interessiert und auch zu Hause Blindverkostungen organisiert. Zwei von ihnen schreiben heute für mein Magazin.

Jewish Link Wine Guide:
jlinkwineguide.com
Jewish Link: jewishlink.news
Bestellungen von gedruckten Magazinen über:
ekratz@jewishlink.news

Und konnten Sie sich auch einschlägig fortbilden? Das habe ich gemacht. Während des Lockdowns habe ich den Wine Spirit Education Trust-Kurs Stufe 2 absolviert; der war für Menschen, die koscher halten, online. Ein Jahr später habe ich auch Stufe 3 abgeschlossen. Das sind Kurse, die sich eher an Menschen in der Weinbranche richten als an Sommeliers, also an Händler oder Autoren. Dabei geht es sowohl um die Weinregionen der Welt als auch um die typischen Eigenheiten der verschiedenen Weine.

Kommen wir zurück zum Wine Guide. Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Alle Artikel und Wein-Vergleiche sind online und frei zugänglich. Wir finanzieren uns mit Anzeigen von Weingütern, Großhändlern und auch von Reisebüros oder Getränkekonzernen. Die Weine, die wir verkosten, bezahlen wir nicht, wir bekommen sie von den Produzenten gratis zugeschickt.

Nach welchen Kategorien bewerten Sie die Weine? Zunächst einmal, ob sie mevushal sind oder nicht, also ob sie abgekocht wurden und daher auch leichter bei Veranstaltungen ausgeschenkt werden können. Dann gruppieren wir sie nach Preiskategorien: bei den Rotweinen über 50 Dollar, 25 bis 50 und unter 25 Dollar, bei den Weißweinen sind die Kategorien über 35 Dollar, 25 bis 35 und unter 25. Dabei besprechen wir Weine aus Israel, den USA und aus europäischen Ländern.

„Der 80-seitige farbige Wine Guide
erscheint als gedrucktes Magazin
jeweils vor Pessach.“

Elizabeth Kratz

 

Ich habe beim Durchlesen Ihrer Listen keinen österreichischen Wein gefunden, obwohl ich gehört habe, dass etwa Hafner in den USA verkauft.
Die Hafner-Weine sind natürlich in unseren Rankings vertreten. Sie heißen nur in den USA anders, werden unter dem Namen De La Rosa 613 angeboten. Ich kenne Julius Hafner persönlich und habe ihn schon mehrmals in Neusiedl am See besucht. Seine Weine gewinnen auch immer wieder einzelne Rankings. Andere koschere Weine aus Österreich habe ich bisher nicht bekommen, vermutlich weil sie hier nicht vermarktet werden. Wir erhalten allerdings immer wieder einige Weine aus Ungarn, vor allem aus der Region Tokaj.

Und wer bewertet die Weine?
Unsere Jury besteht aus qualifizierten Laien. Unter ihnen sind ein Psychologe, ein IT-Profi, ein Hedge- Fund-Manager und ein Direktor eines multinationalen Konzerns. Einige haben ebenfalls Kurse wie ich absolviert, alle sind Weinliebhaber mit einer Kost- Vergangenheit von mehr als 20 Jahren. Die meisten von ihnen reisen auch immer wieder zu internationalen koscheren Weingütern.

Was können unsere Leserinnen und Leser aus der Ferne von Ihrer Publikation mitnehmen?
Der 80-seitige farbige Wine Guide erscheint als gedrucktes Magazin jeweils vor Pessach. Er kostet aktuell für professionelle Kunden wie Händler oder Restaurants 49 USD. Online kann man ihn gratis lesen sowie zurückliegende Nummern, einzelne Artikel und sämtliche Wein-Vergleiche herunterladen.

 


KALIFORNIERIN MIT WIENER VERBINDUNGEN Elizabeth Kratz kommt aus Southern California. Sie studierte Politikwissenschaften und Anthropologie, ihren Master machte sie in Non-Fiction Writing. Seit 25 Jahren arbeitet sie als professionelle Journalistin. 2007 heiratete sie Alexander Kratz, einen Wiener Arzt und Wissenschaftler. Das Paar lebte bis zu seinem frühen Tod 2025 in New York, die drei gemeinsamen Kinder sind inzwischen Teenager. Kratz, die auch in Deutschland studiert und als Journalistin gearbeitet hat, besucht regelmäßig in Wien ihre Schwiegermutter und die Agudah-Gemeinde in der Grünangergasse.

 

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