La Wirtshaus

Mathilde Mazaud und Karoline Schuster haben ein altes Vorstadtbeisl sanft modernisiert – mit vegetarischem Schwerpunkt und französischem Touch.

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© Reinhard Engel

WINA TIPP
POMALI
Märzstraße 87, 1150 Wien
Mo–Fr., 17–23 Uhr
office@pomali-wien.at
+43/(0)660/551 06 52
pomali-wien.at

Warteliste wäre möglich, liest man auf der Website, selbst für ein frühes Abendessen. Die erste fixe Reservierung gäbe es in zwei Wochen. Echt? Ein renoviertes ehemaliges Eckwirtshaus draußen auf der Märzstraße unweit vom Meiselmarkt gibt sich so exklusiv?

Es klappt dann doch mit der Reservierung, zu Mittag kommt der elektronisch versprochene Rückruf, dass jemand abgesagt hat und ein 17-Uhr-Tisch frei geworden ist.

Mathilde Mazaud und Karoline Schuster („Mathi und Karo“) spielen kein gefinkeltes Gastro-Spiel von „hard to get“. Ihr kürzlich eröffnetes Lokal Pomali (im Urwienerisch-Böhmischen so etwas wie langsam, bedächtig, gemütlich) hat einfach eingeschlagen und wird von den Leuten im Grätzl und von Bobos aus ganz Wien erfreulich dicht nachgefragt. Eine Mischung aus guten Zeitungskritiken und positiver Mundpropaganda bringt Jungfamilien mit Kinderwagen, Seniorinnenrunden und genießende Paare in das behutsam modernisierte Lokal.

Variationsreiche Mahlzeiten: Die kleine, feine Speisekarte orientiert sich an aktuellen Marktgemüsen und wechselt laufend. © Reinhard Engel

Die beiden Köchinnen haben sich im Brösl in der Leopoldstadt kennengelernt und dort zusammengearbeitet. Doch bald kam der Wunsch nach Selbstständigkeit auf, und als sie auf willhaben erfuhren, dass die Betreiber des Gasthauses Jagetsberger, die hier ein heruntergekommenes Lokal erstmals hergerichtet hatten, aufhören wollten, wagten sie den Sprung. Mazaud, geboren in Lyon, hatte in Paris eine Gastronomielehre absolviert und dann in mehreren europäischen Ländern gearbeitet, ehe es sie nach Wien verschlug. Schuster ist Wienerin und kam erst über den Umweg Jus-Studium zu ihrer Berufung, dem Kochen. Die französische Gewerbeberechtigung konnten die Jungunternehmerinnen mit einigem bürokratischen Aufwand in eine österreichische wandeln.

Doch was bieten sie an? Die kleine Speisekarte orientiert sich an aktuellen Marktgemüsen und wechselt laufend entsprechend deren Veränderungen. Die durchwegs vegetarischen Vorspeisen beginnen etwa – im Sinn der Französin Mazaud – mit einer kreativen Variante auf das typische OEuf Mayo, kernweich mit Senfsauce und Spinatblättern (€ 7), oder mit zweierlei Karotten auf Mohnbutter (€ 8,50), begleitet von köstlichem selbst gebackenem Sauerteig-Erdäpfelbrot (€ 3).

Die Hauptspeisen sind bis auf die Lachsforelle auf Beurre Blanc mit Sauerampfer (€ 20,50) ebenfalls vegetarisch, etwa Käsespätzle, bei denen Kraut die Schwere gekonnt mildert (€ 14), oder Belugalinsen mit geschmortem Lauch (€ 14).

Zu trinken gibt es Trumer Bier und diverse alkoholfreie hausgemachte aufgespritzte Sirups, dazu eine Reihe von österreichischen (Bio-)Weinen, vor allem von Winzerinnen. Auch im Lokal bedienen neben den beiden Chefinnen zwei Frauen.

Ob sich die Warteliste und die U-Bahn- Anreise in den wilden 15. Bezirk ausgezahlt haben? Das haben sie. Im Zweifelsfall halt mehrmals probieren, La Wirtshaus kann was.

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