
Infokasten
Bezirksmuseum Josefstadt
Mi., 18–20 Uhr, So., 10–12 Uhr und nach Vereinbarung
Museumsleitung: Maria Ettl; Stellvertretung: Susanne Piffl-Pavelec
+43/(0)1/403 64 15
bm1080@bezirksmuseum.at
bezirksmuseum.at/de/museum/josefstadt
WINA: Was macht das Bezirksmuseum Josefstadt im Speziellen aus?
Maria Ettl: Man darf die Wiener Bezirksmuseen nicht vergleichen. Jedes ist so verschieden wie die Bezirke selbst. Sie sind in den unterschiedlichsten Räumlichkeiten untergebracht. Wir im Bezirksmuseum Josefstadt verfügen zum Glück über großzügige Räume für Sonderausstellungen. Im ersten Stock kann ein Veranstaltungssaal mit Klavier und sehr guter Akustik von Kulturschaffenden gegen eine Spende genutzt werden. Diese Spenden ermöglichen uns größere Sonderausstellungen und Publikationen.
Es gibt in jedem Bezirk ein Bezirksmuseum. Wie würden Sie in Ihren Worten die Geschichte der Wiener Bezirksmuseen zusammenfassen?
Begonnen hat es bereits in der Zwischenkriegszeit mit der Gründung von Heimatmuseen in einzelnen Bezirken. Das älteste heute noch bestehende Museum ist das Meidlinger Bezirksmuseum. Die ersten Museumsleiter:innen – aber auch viele Sammler:innen – kamen aus der Lehrerschaft. Vor etwas über 60 Jahren wurde, parallel zur Umbenennung von Heimat- in Bezirksmuseen, der Verein „Arbeitsgemeinschaft (ARGE) der Wiener Bezirksmuseen“ als Dachorganisation gegründet. Seit dem Amtsantritt von Veronika Kaup-Hasler als Stadträtin für Kunst und Kultur wurde im Wien Museum eine Stabsstelle zur Unterstützung der ARGE der Wiener Bezirksmuseen und der Bezirksmuseen geschaffen. Jedes Bezirksmuseum erstellt einen Jahrestätigkeitsbericht mit Abrechnung.
Wo genau befindet sich nun das Bezirksmuseum Josefstadt?
Unser Bezirksmuseum befindet sich im ehemaligen Gemeindehaus der Vorstadt Josefstadt in der Schmidgasse 18, Ecke Langegasse. Im Jahr 1912 übersiedelte die Verwaltung des Bezirkes in das am Schlesingerplatz neu gebaute Amtshaus, in dem sich noch heute die Bezirksvorstehung befindet. Das Gebäude in der Schmidgasse wurde zeitweise als Schule und für Wohnungen genutzt. Ab 1934 befand sich hier die Hauptbücherei der Städtischen Büchereien, die im Jahr 1969 in das neu errichtete „Haus des Buches“ in der Skodagasse übersiedelte und sich heute auf dem Urban-Lorenz-Platz befindet.

Das Haus selbst wurde 1844 von Baumeister August Engelbrecht als palaisartiger Bau mit einem halbrunden Stiegenhaus, dorischen Doppelsäulen und repräsentativen Räumen erbaut.
Ja, das Haus, in dem sich unser Museum befindet, ist wirklich sehr schön. Es wurde Anfang der 1990er-Jahre generalsaniert.
Das Museum selbst wurde 1938 vomHeimatforscher Ludwig Berka gegründet. 1943 folgte die Gründung des Vereins zur Erhaltung und Förderung des Josefstädter Heimatmuseums. Wie weit sind Sie der NS-Gründungsgeschichte Ihres Museums bislang nachgegangen?
Die Erforschung der Anfänge des Museums und seiner Geschichte in der NS-Zeit ist leider noch nicht erfolgt. Es ist aber ein lang gehegter Wunsch, der hoffentlich bald erfüllt werden kann. Was wir wissen, ist, dass der Grundstock des Museums 1938 in ein Depot in der Strozzigasse 13 kam. 1945 wurde der Bestand bei einem Bombenangriff fast vollständig zerstört.
Erst 1954 kam es dann ja zur Neugründung des Museums, wie wir es heute kennen. Der Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte wieder im Amtshaus am Schlesingerplatz. Durch Aufrufe an die Bevölkerung und Reklame in Kinos konnte erneut gesammelt werden, sodass unsere Sammlung heute einen beachtlichen Umfang aufweist. 1962 übersiedelte das Museum in das Haus der Jugend in die Zeltgasse. 1963 wurden die Räumlichkeiten im Amtshaus vom Stefan-Zweig-Archiv übernommen – der Dichter wohnte im Bezirk in der Kochgasse 8. Von 1965 bis 2014 wurde das Kaffeehaus „Alte Backstube“ in der Lange Gasse als Zweigstelle geführt. 1981 übersiedelte das Bezirksmuseum in die noch gänzlich unsanierte Schmidgasse 18. Es gibt Fotos, auf denen man sieht, dass zu diesem Zeitpunkt noch manche Fenster vernagelt waren, so desolat war der damalige Zustand. Gemeinderat Ludwig Sackmauer, der spätere Leiter des Bezirksmuseums und langjährige Präsident der ARGE Bezirksmuseen, setzte sich für eine Generalsanierung ein, die von 1987 bis 1992 erfolgte. 1993 konnte das Museum die neu adaptierten Räume auf zwei Ebenen beziehen. Im Erdgeschoß befinden sich neben einem Büroraum ein kleiner Archiv- und Bibliotheksraum und zwei großzügige Sonderausstellungsräume, die Dauerausstellung und ein Festsaal befinden sich im ersten Stock. Im zweiten Stock sind die Räumlichkeiten der Volkshochschule Josefstadt.
Was jedoch vor über 30 Jahren nicht bedacht wurde, ist, dass dieses historische Gebäude nicht barrierefrei zu betreten ist. Es gibt dazu eine Machbarkeitsstudie, und es ist ein großer Wunsch, unser Museum bald barrierefrei anzubieten.
Interessant ist zu erwähnen, dass es im Gebäude immer ein Gasthaus gegeben hat. Diese Tatsache war Ausgangspunkt für eine unserer bestbesuchten Ausstellungen im Jahr 2019 über die Gasthäuser, Beisln und Cafés in der Josefstadt: Schwarzer Bock, Blauer Hecht: Die Josefstädter Gaststätten von ihren Anfängen bis in die 1960er-Jahre.
„Ich sehe das Bezirksmuseum
als zentralen Kommunikationsort
in der Josefstadt.“
Maria Ettl
Sie sind mit über 30 Jahren hier am Museum eine der erfahrensten Wiener Bezirksmuseumsleiter:innen. Was ist so reizvoll an dieser durchwegs ehrenamtlichen Arbeit, dass Sie so lange dabei geblieben sind?
Ich führte mit einem Freund eine kleine Galerie auf dem Spittelberg. Dieser Freund hat im Bezirksmuseum Neubau ausgestellt, und so lernte ich die damalige Museumsleiterin Elfriede Faber kennen, die nach dem Tod von Museumsleiter Sackmauer 1993 die Leitung des Bezirksmuseums Josefstadt übernahm und mich kurz nach unserer ersten Begegnung abwarb. Wir waren beide berufstätig und konnten diese Aufgabe nur nebenberuflich erfüllen. Wobei ich sagen muss, dass sich die Anforderungen in diesen 30 Jahren massiv erhöht haben. Für eine Leihgabe aus einem anderen Museum muss heute ein halbes Jahr früher angefragt werden, früher hat man einfach bei den Kolleg:innen gefragt, ob man ein Objekt ausleihen darf. Natürlich ist die Professionalisierung wichtig, aber es war sicher früher einfacher. Wobei es große Unterschiede zwischen den Bezirksmuseen gibt: Wie diese Schwerpunkte setzen, hängt nicht zuletzt mit den vorhandenen oder nicht vorhandenen Räumlichkeiten zusammen. Manche realisieren Ausstellungen, andere widmen sich vermehrt der Aufarbeitung und Erforschung von Archivbeständen oder haben einen regen Veranstaltungsbetrieb.
Wer kann in dem von Ihnen geleiteten Museum arbeiten?
Alle, die Lust und Zeit dazu hat. Bei uns liegt ein wesentlicher Teil in der Aufsichtsarbeit für die Ausstellungen und zahlreichen Veranstaltungen. Dafür sind immer wieder mindestens zwei ehrenamtliche Mitarbeiter:innen vor Ort nötig.
Ist es schwer, ehrenamtliche Mitarbeiter:innen zu finden?
Zum Teil schon. Für Menschen, die berufstätig sind, Kinder oder Eltern betreuen, ist es schwierig, zusätzlich ehrenamtlich tätig zu sein. Vor allem Pensionist:innen sind in dieser Hinsicht meist flexibler. Wieder andere tigern sich in ein Thema hinein, arbeiten selbstständig, etwa für eine Ausstellung oder Publikation. Wirklich wichtig ist, dass ich mich darauf verlassen kann, dass jeder Öffnungstag und jede Veranstaltung betreut wird.
Wo liegen die Schwerpunkte der Sammlungen?
Schwerpunkte liegen auf Theater, Musik und Literatur sowie der Dokumentation der Geschichte und Gegenwart der Josefstadt.
Wer kommt ins Bezirksmuseum?
Nicht nur Bezirksbewohner:innen. Vor allem im Winter kommen vermehrt private Gruppen, die alle Bezirksmuseen besuchen und dies mit einem Bezirksspaziergang und einem Besuch der örtlichen Gastronomie verbinden. Ich frage gerne Besucher:innen, warum sie zu uns kommen, und das ist häufig ihre Antwort. Wichtig sind Sonderausstellungen als Anreiz zu mehrfachem Besuch des Museums.
Wie intensiv ist Ihre Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte des Bezirks?
Tatsächlich arbeiten wir hier, etwa zur Visualisierung der ehemaligen Synagoge, noch nicht allzu lange. 1998 gab es das von Dr. Faber mitinitiierte umfangreiche Projekt Neudeggergasse 12: Die Synagoge in der Josefstadt – Die verlorene Nachbarschaft zum zerstörten Josefstädter Tempel und dessen jüdischen Architekten Max Fleischer. Elfriede Faber und ich haben damals am alten jüdischen Teil des Zentralfriedhofes Grabdenkmäler von Max Fleischer für die Ausstellung und Publikation gesucht. Wir haben die Signaturen damals noch mit Löschpapier festgehalten, aus heutiger Sicht unglaublich. Da ist seither doch sehr viel passiert.
Organisiert wurde das Projekt damals vom Verein „Betrifft Neudeggergasse“. Dabei wurde gemeinsam mit uns und anderen Partner:innen zum ersten Mal systematisch daran gearbeitet, ehemalige jüdische Bewohner:innen der Josefstadt beziehungsweise deren Nachkommen weltweit ausfindig zu machen, zu kontaktieren und in einer Datenbank, die bis heute ehrenamtlich weitergeführt wird, zu erfassen. Die daraus entstandene Namenstafel und Kurzbiografien befinden sich in unserer Dauerausstellung. Darüber hinaus produzierte die österreichische Filmregisseurin Käthe Kratz eine insgesamt 15 Stunden umfassende Videodokumentation mit Erzählungen von überlebenden Wiener Jüdinnen und Juden, unter anderen von Anne Kelemen, Lore Segal und Lucie Benedikt.
Neuerlicher Anlass, sich mit der jüdischen Geschichte zu befassen, war dann tatsächlich erst zehn Jahre später der Jahresschwerpunkt 2018 Räume des Glaubens. Damals haben wir dazu eine große Ausstellung und ebenfalls einen Katalog realisiert, in dem es auch um jüdische sakrale Bauten in der Josefstadt ging. Dafür wurde im Detail über die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der jüdischen Gemeinde im Bezirk geforscht.
Ein anderer Verein, mit dem wir bereits seit 2007 intensiv zusammenarbeiten, ist „Steine der Erinnerung“. 2008 wurde hier beispielsweise vor dem Tor zum Landesgericht für Strafsachen Wien ein Stein der Erinnerung eingeweiht. An die ehemalige Synagoge in der Neudeggergasse 12 und an die vom NS-Regime verfolgten einstigen jüdischen Mitarbeiter:innen des Theaters in der Josefstadt erinnern heute ebenfalls Gedenksteine, die man zudem vor vielen Privathäusern der Josefstadt finden kann. Ein Teil des Archivs ist schließlich biografischen Sammlungen zu jüdischen Persönlichkeiten der Josefstadt gewidmet, darunter Stefan Zweig, Max Reinhardt oder Edmund Eysler, von dem sich ein Teil des Nachlasses im Bezirksmuseum befindet. Aber auch zahlreiche Veranstaltungen widmen sich jüdischen Themen.
Ein besonderer Erfolg war zuletzt die Ausstellung „Ich wollte Wien liebhaben, habe mich aber nicht getraut“. Das Leben der Schriftstellerin Lore Segal, die fast ein Jahr lang hier zu sehen war.
Ja, das war sehr berührend, vor allem, da Lore Segal die Eröffnung der Ausstellung noch erleben konnte. Sie kam zwar nicht mehr nach Wien, aber war von New York aus zugeschaltet. Sie starb im Oktober 2024. Die Ausstellung war bis Ende Jänner 2025 zu sehen. Initiiert und kuratiert wurde die Ausstellung von Karin Hanta, die selbst in New York lebt und mit Lore Segal intensiven Kontakt pflegte. Die erweiterte Ausstellung wurde am 22. Jänner 2026 am Leo Baeck Institute in New York mit dem Titel „And That’s True Too: The Life and Work of Lore Segal” eröffnet.
Ein besonderes Augenmerk liegt schließlich auf der Sichtbarmachung Ihrer so wichtigen Arbeit.
Das stimmt. Meine Vorgängerin, Elfriede Faber, war es, die hier Pionierarbeit geleistet hat und 2007 den „Tag der Wiener Bezirksmuseen“ ins Leben gerufen hat, der 2026 auf den 8. März und damit auf den Internationalen Frauentag fallen wird. Der Tag der Wiener Bezirksmuseen ist ein erfolgreiches Angebot, das viele anspricht und zum Besuch von mehreren Museen an diesem Tag anregt.
Ebenfalls mit dabei sind wir jährlich bei der „Langen Nacht der Museen“. Das ist zwar sehr anstrengend, bringt aber viel Aufmerksamkeit, da wir im Booklet vertreten sind. Und 2025 haben wir eine weitere Initiative gestartet und waren als ARGE bei der Buchmesse Wien vertreten. Mit unseren Publikationen konnten wir dort auf uns aufmerksam machen und neue Besucher:innen ansprechen.
Das heißt zusammenfassend, dass man gerne mit Ideen kommen kann?
Ja, sehr gerne.





















