Gisella Nisanov kam in Dagestan zur Welt, stammt also selbst aus dem Kaukasus. Im Alter von zehn Jahren wanderte sie mit ihrer Familie aus der damaligen Sowjetunion nach Israel aus, zwei Jahre später landete sie schließlich in Wien. Hier stieg sie in die zweite Klasse Hauptschule ein und absolvierte anschließend eine Handelsschule. Ihr berufliches Herz schlug aber für etwas anderes: die Inneneinrichtung. „Als meine Tochter klein war, begann ich, Möbelmessen zu besuchen und mich mehr und mehr mit Möbeln und Stoffen zu beschäftigen und erkannte, in diese Richtung soll es gehen.“ Der Weg an eine Uni war nicht erreichbar – aber Nisanov absolvierte am Wifi einen Kurs zu Inneneinrichtung. „So konnte ich mich dann auch beruflich meinem Hobby widmen.“

Seit über 15 Jahren ist sie nun schon als Interior Designerin tätig. „Meistens gestalte ich Wohnungen, stelle also Vorhänge, Tapeten, Farben, Möbel und diverse Wohnaccessoires, die nach Maß gefertigt werden, zusammen.“ Gerne hat sie nun auch die Neugestaltung der Räume der kaukasischen Gemeinde übernommen. Diese befinden sich in der Novaragasse in der Leopoldstadt. Als die zuvor nebenan untergebrachten Bezirks- Grünen auszogen, ergab sich die Möglichkeit, sich zu vergrößern – eine gute Fügung, da die Synagoge aus allen Nähten platzte und vor allem für Frauen viel zu wenig Platz war. So beschloss man, aus der bisherigen Synagoge ein kleines Gemeindezentrum zu machen und den Betraum in der neu dazugenommenen Fläche unterzubringen.
„Die Leute sollen kommen und sich hier wohl fühlen.“
Gisella Nisanov
Gelungene Mischung. Begonnen haben die Planungen dafür noch unter dem früheren Präsidenten der Gemeinde, Igor Jagudaev, erzählt Nisanov. Mit ihm hat sie auch die gesamte Renovierung betreut und die Einrichtung samt der Möbel ausgesucht. Das Synagogenmobiliar wurde in Israel bestellt und dort aus dunkelbraunem Nussholz gefertigt. Der neue Präsident Michael Elyav bat um ein modernes Ambiente. So kreierte Nisanov das, was sie als „modern mit traditionellem Touch“ bezeichnet. Dafür kombinierte sie die dunklen Möbel mit viel Blau und Gold an Wänden und in Vorhängen, allerdings keinem glänzenden Gold, sondern einem Gold-Taupe-Mix, der ein bisschen auf Vintage gemacht wurde. „Mir war wichtig, dass es auch gemütlich wirkt. Die Leute sollen kommen und sich hier wohlfühlen.“

Zwei Küchen, eine milchige und eine fleischige, laden ein, hier auch private Feste wie Geburtstage zu feiern. Im Hof hinter der Synagoge ist zudem eine Sukka untergebracht. Blau drückt für Nisanov nicht nur Tradition, sondern auch „das Himmlische“. Sie selbst war als Kind in Dagestan in keiner Synagoge, kann sich aber erinnern, dass ihre Mutter, was Chagim anbelangt, immer alles streng eingehalten hat. Die lebendigsten Kindheitserinnerungen hat sie an den Stadttempel, erzählt sie, vielleicht sei ihr auch deshalb das Blau wichtig.
Liest man sich durch Beschreibungen historischer Bethäuser im Kaukasus, zeigt sich aber: Auch dort war die Farbe omnipräsent. Nisanov spielte zusätzlich auch dezent mit Ornamenten: An den Wänden finden sich immer wieder Romben. Die Mechitza aus Holz ist mit Früchten und Ranken verziert, darunter auch Granatäpfel. Sie scheint den Geschmack der kaukasischen Gemeinde am Ende gut getroffen zu haben. „Bis jetzt waren alle begeistert, auch die Jungen, die es eben moderner haben wollten.“ Modern ist hier auch der Zugang zum Thema Sicherheit. In allen Räumlichkeiten gibt es Screens, die die Kameraaufnahmen vom Eingangsbereich zeigen.
























