Mit dem Abkommen „Open Skies“ hat sich Israels Regierung für die Liberalisierung des Flugverkehrs entschieden. Die meisten finden das gut, bis auf El Al, Arkia und Israir, die sich dadurch in ihrer Existenz bedroht fühlen. Nachrichten aus Tel Aviv von Gisela Dachs
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Wer je dem El-Al-Hauptquartier in Tel Aviv einen Besuch abgestattet hat, weiß, wovon die Rede ist. Es fühlt sich an wie eine Reise in eine eigene kleine Welt. Einmal den Sicherheitsmann an der Tür passiert, trifft man auf viele unbesetzte Schalter, einige sichtbare (und vermutlich viele gerade unsichtbare Angestellte), dafür aber nur auf wenige Kunden und trotzdem immer lange Wartezeiten. Man kann dort zwar Buchungsänderungen vornehmen und vielleicht auch Gruppenreisen buchen, aber neue Tickets für den Privatgebrauch lassen sich nicht so einfach bestellen. Das lasse sich viel besser im Internet oder per Telefon machen, wird einem gesagt.
In einer Ecke ist ein Theke, die – im Kontrast zur etwas verstaubten und nüchternen Restein-richtung – mit künstlichen Blumen und einem Aquarium dekoriert ist. Bei einem meiner jüngsten Besuche, die alle darauf abzielten, mir ein Bonusticket ausstellen zu lassen, kam eine Frau mit hochgestapelten blonden Haaren aus ihrer Deckung hinter dieser Theke hervor. Sie stellte sich mit gebeugtem Kopf neben die Angestellte, die mich beriet, und gab ihr und mir ungefragt Ratschläge über den geplanten Verlauf meiner Reise. Bis ich ging. Am Ende regelten wir – die Angestellte und ich – alles weitere direkt und ohne Einmischung übers Telefon. Mehr Konkurrenz kann da sicherlich nicht schaden.
Aber natürlich wünscht sich niemand ein Ende der nationalen Fluggesellschaft. Denn über die Notwendigkeit (allein schon aus Sicherheitsgründen) braucht man genauso wenig zu streiten wie über deren Einzigartigkeit. Nur bei El Al ertönt schließlich nach der Landung in Tel Aviv der hebräische Song Wie gut es ist, wieder zu Hause zu sein; nur bei El Al wird fast immer noch geklatscht, wenn die Maschine erfolgreich auf der Landebahn aufgesetzt hat. (Obwohl sich ja eigentlich alle sowieso sicher sind, dass man über die besten Piloten verfügt.) Wo sonst gibt es unaufgefordert koscheres Essen für alle und dazu die jüngsten israelischen Nachrichten auf dem Bildschirm. Und wer hat schon so heroische Geschichten zu erzählen wie zum Beispiel vom Transport von vier mesopotamischen Damhirschen aus dem Zoo von Teheran nach Tel Aviv!
Flug der mesopotamischen Damhirsche
Was mich zu einer anderen Geschichte bringt, der ich erst vor Kurzem auf die Spur gekommen bin. Direkt unterhalb der Universität Haifa laufen die Nachkommen dieser Tiere heute in dem Naturschutzgebiet Chai Bar Karmel frei herum. Sie sind nicht besonders scheu, lassen Schulkinder und Pfadfindergruppen sogar nah heran. In den alten Kulturen Mesopotamiens war der mesopotamische Damhirsch als Opfertier bekannt, später geriet er in Vergessenheit, bis diese Gattung dann im 19. Jahrhundert im Iran wiederentdeckt wurde.
Von ihrer wundersamen Reise nach Israel erzählt ein Film im kleinen Vortragssaal des Naturschutzbundes. Der ist zwar nicht so lang wie der diesjährige Oscar-Preisträger Argo, der von der abenteuerlichen Flucht amerikanischer Diplomaten aus Teheran während der islamischen Revolution erzählt, aber nicht weniger spannend. Damals, als beide Länder noch diplomatische Beziehungen unterhielten, hatte der Schah – kurz vor seinem Sturz – dem israelischen Botschafter in Teheran einige Exemplare dieser seltenen Tierart als Geschenk versprochen. Doch zu einer geregelten Übergabe kam es nicht mehr, da die Revolution ausbrach. Weil der israelische Diplomat aber die Gelegenheit nicht verstreichen lassen wollte, sammelte er kurz vor seiner eigenen Flucht ein paar Tiere im Zoo ein, der sich wie so vieles in Auflösung befand.
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Der Streit ging übrigens nach einem Tag wieder zu Ende, nachdem sich die Regierung bereiterklärt hat, 97,5 Prozent statt bisher 80 Prozent der Sicherheitskosten der EL Al zu übernehmen.
Mittlerweile ist die El Al in Tel Aviv umgezogen, in kleinere, wunderbar renovierte Räume, was dringend notwendig war. Verändert aber hat sich auch das Klima, die Angestellten sind hier viel freundlicher, lächeln mehr und lassen einen nicht mehr so lange warten. Vielleicht gibt es ja doch eine Zukunft für alle im „offenen Himmel“.






















