Nicht ohne mein AliExpress

Superhelden, Prinzessinnen und Piraten – wenn das Purim-Kostüm aus China heuer ausbleibt.

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© flash 90

Keine andere Online-Shopping-Plattform ist in Israel so beliebt wie AliExpress.com der chinesischen Alibaba Group. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2019 des PEW-Forschungszentrums haben Israelis eine überdurchschnittlich positive Einstellung zur Volksrepublik, und das haben die Chinesen laut Wirtschaftsmagazin Kalkalist AliExpress zu verdanken. Alibaba-Gründer Jack Ma lobte Israel bei seinem Besuch im Oktober 2018 und sagte: „In Israel ist Innovation überall so natürlich wie Wasser und Lebensmittel.“ Trotz der geringen Bevölkerungszahl hat Alibaba Israel unter die zehn kaufkräftigsten Märkte von AliExpress gelistet, und israelische Käufer belegten beim diesjährigen Onlineabverkauf den vierten Platz in der Liste, vor Ländern wie Frankreich.

Die große Auswahl und die kleinen Preise locken vor allem viele Eltern, die sich den Weg in die überfüllten Kaufhäuser und Spielwarengeschäfte ersparen möchten.

Die große Auswahl und die kleinen Preise locken vor allem viele Eltern, die sich den Weg in die überfüllten Kaufhäuser und Spielwarengeschäfte ersparen möchten. Doch mit dem Ausbruch des Coronavirus wächst die Panik vor Bestellungen aus dem Fernen Osten. Obwohl es keine Beweise dafür gibt, dass das Virus per Post importiert werden kann, will man auf Nummer sicher gehen. Wer trotzdem online bestellt, muss mit langen Wartezeiten rechnen.
Das Risiko, dass die Purim-Kostüme nicht rechtzeitig ankommen, wollen viele Eltern nicht in Kauf nehmen und wenden sich wieder den Kostümgeschäften in Israel zu. Die Einkaufszentren verzeichneten aufgrund der verspäteten Lieferungen aus China einen spürbaren Umsatzanstieg und begrüßten die entstandene Situation. Im dreistöckigen Einkaufszentrum My Baby im drusischen Dorf Yarka im Norden Israels suchen viele nach Alternativen zu den billigen Preisen aus dem Internet. Mehrköpfige Familien haben sich an den bequemen Service per Post gewöhnt, aber wenn es um den Preis geht, nehmen sie auch eine fast zweistündige Autofahrt in Richtung Yarka auf sich: „Ich habe drei Kinder unter zehn Jahren, jedes Jahr wollen sie neue Kostüme, in Yarka gibt es eine große Auswahl, aber den Stress hätte ich mir lieber mit einer Onlinebestellung erspart“, erzählt Sapir, die extra aus Rischon LeZion nach Yarka gekommen ist. Für ein Kostüm, das ihre Kinder nur einmal anziehen werden, sollen die Ausgaben gering gehalten werden, und wenn der Preis stimmt, werden auch die Gedanken zu Nachhaltigkeit und Arbeitsverhältnissen in China gerne ignoriert.
Während sich das Coronavirus weiterhin auf der ganzen Welt verbreitet, sagen viele Experten, dass es zu früh ist, um die wirtschaftlichen Folgen des Virusausbruchs genau zu bestimmen. Schätzungen gehen jedoch von zig Milliarden Dollar aus, und eine der am stärksten von Panik betroffenen Branchen ist die Online-Shopping-Branche.
Nachdem bekannt wurde, dass eine Gruppe südkoreanischer Touristen nach ihrer Rundreise in Israel an dem Virus erkrankten, wurden 200 Israelis, die meisten davon Schüler und deren Lehrer, aufgefordert, sich in die Selbstquarantäne zu begeben, nachdem sie mit der Gruppe in Kontakt gekommen waren. Während ihres Aufenthalts in Israel hatte sie offenbar gleichzeitig mit den israelischen Schulgruppen eine Reihe von Sehenswürdigkeiten besucht. Diese Kinder und ihre Lehrer sind nun für die nächsten zwei Wochen in ihren Häusern eingesperrt. Für sie fällt Purim dieses Jahr, ob mit oder ohne Kostüm, ins Wasser.

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