Nicolas Gold: Da begann ich mich in Wien zu verlieben

NICOLAS GOLD wurde 1985 in Rosario, Argentinien, geboren. Im Rahmen von NAALE, einem Programm für jüdische Jugendliche, zog er als Sechzehnjähriger nach Israel. Nach Abschluss des Architektur-Bachelors an der Universität von Tel Aviv erlangte er 2018 seinen Master an der Angewandten in Wien. Nach einigen Jahren Arbeit als Grafikdesigner im Bereich des 3D-Modeling gründete er 2016 mit Markus Schaffer das Designstudio SHEYN.

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© Ronnie Niedermeyer

Aufgewachsen bin ich in der jüdischen Gemeinde von Rosario, Argentinien. Ich besuchte die jüdische Schule, übte israelischen Volkstanz, aß zu Pessach kein Chamez und träumte von der Alija. 2002 war es dann soweit: In Argentinien herrschte eine Wirtschaftskrise, und viele jüdische Familien nahmen dies als Anlass, in das Heilige Land zu ziehen. Da ich mich schon seit meiner Kindheit für Architektur und Design interessierte, begann ich 2005 an der Universität von Tel Aviv mein Architekturstudium. Nebenbei arbeitete ich abends als Grafikdesigner. Eines Tages erfuhr ich von Zaha Hadids Masterclass für Architektur an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Ich war noch nie in Wien gewesen und wusste auch nicht viel über diese Stadt. Da ich aber schon andere europäische Städte kannte, dachte ich mir: Was wird in Wien denn schon anders sein? Die Überraschung war vorprogrammiert. In Tel Aviv hatte ich ein sehr spontanes Leben geführt: Kurzfristig die Wohnung zu wechseln oder um zwei Uhr früh etwas aus dem Supermarkt zu holen, gehörte bei mir zur Norm. In Wien musste ich vier Monate im Voraus den Mietvertrag unterschreiben und um 18.50 Uhr noch rasch zum Billa rennen, um mein Abendessen sicherzustellen. Es dauerte seine Zeit, bis ich diesen Kulturschock überwinden konnte. Und obwohl ich mir sagte, dass ich nach Abschluss meines Masters wieder zurück nach Tel Aviv ziehen würde, begann ich während dieses dreijährigen Studiums langsam, mich in Wien zu verlieben. Die Gemütlichkeit, das Gefühl von Sicherheit und Stabilität – das waren Dinge, die ich unterbewusst immer gesucht hatte. In dieser Zeit lernte ich auch Markus kennen, der heute sowohl mein Geschäftspartner wie auch mein Lebenspartner ist. Gemeinsam gründeten wir das Designstudio SHEYN. Bekannterweise handelt es sich dabei um das jiddische Wort für „schön“ – bei uns steht es für Ästhetik und die Suche nach ansprechenden Formen. Zudem betont die Wahl eines jiddischen Namens den Schnittpunkt zwischen unseren beiden Sprachen, Hebräisch und Deutsch.

TIPP: „Gottfried & Söhne“ heißt der von Elisabeth Gottfried geführte Store im Jüdischen Museum Wien. Hier findet man Arbeiten von israelischen und jüdischen Designern – auch meine Schmuckkollektion ist vertreten.

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