Schimon Panzer: Vertrautheit und Geborgenheit machten mich zum Wiener

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SCHIMON PANZER wurde in Israel geboren und ist in Wien aufgewachsen. Nach der Ausbildung zum Facharzt und der Habilitation für innere Medizin verbrachte er einige Jahre in Deutschland und den USA. Panzer leitet seit acht Jahren die Schwimmsektion des Sportklubs Hakoah. © Ronnie Niedermeyer

Als ich acht Jahre alt war, entschlossen sich meine Eltern, ihre Existenz in Israel aufzugeben und nach Österreich zu übersiedeln. Da mein Vater aus Wien war – 1938 gelang ihm eine spektakuläre Flucht nach Palästina –, lag es auf der Hand, nach Wien zu gehen, zumal drei seiner Brüder, die die Schoah überlebt hatten, wieder hier lebten. Für mich war es furchtbar, die gewohnte Umgebung und meine Freunde verlassen zu müssen. Mein bester Freund beschimpfte mich als Nazi, als er erfuhr, dass ich nach Wien gehe. Ich kannte die Bedeutung dieses Wortes nicht, spürte nur, dass es etwas Schreckliches war. Die Stadt und die Menschen hier blieben mir lange fremd. In der Schule war ich wiederholt antisemitischen Angriffen ausgesetzt. Nur mit den Chawerim bei Hashomer Hatzair verstand ich mich sofort. Diese Beziehungen und die Werte des Schomer beeinflussen mein Leben noch heute. Darüber hinaus fand ich hier die Liebe meines Lebens, eine Wienerin, und ich hatte eine neue Zugehörigkeit gefunden. Nach dem Studium der Medizin ging ich nach Deutschland, und dort bildeten sich intensive Freundschaften, die im wissenschaftlichen Austausch noch heute bestehen. Nach der Rückkehr nach Wien etablierte ich auf dem Gebiet der Immunologie ein diagnostisch-klinisches und Forschungslabor, das in Österreich einzigartig und weltweit anerkannt sowie richtungsweisend war. Trotz dieses Erfolges nahm ich die Einladung zu einer Professur in den USA an. Das war im Wahljahr Waldheims, und nichts – so dachte ich damals – könnte mich je wieder dazu bewegen, nach Wien zurückzukehren. In den USA fühlte ich mich „angekommen“. Neue Freundschaften ließen mich ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu den USA entwickeln. Nach drei wunderbaren Jahren wollten wir unserem in den USA geborenen Sohn die europäische Lebensweise und die hier lebende Familie meiner Frau nicht vorenthalten. Zurück in Wien wurde ich in meinem alten Freundeskreis so aufgenommen, als wäre ich niemals fort gewesen; die Familie meiner Frau nahm den „verlorenen Sohn“ sehr herzlich auf. Ich fühlte mich wieder zu Hause. Zwei Kinder im Haus stärkten Vertrautheit und Geborgenheit. Ich fühle mich nicht an Länder gebunden, vielmehr an Menschen, die ich liebe. Gefragt, welchem Land oder welcher Nation ich mich zugehörig fühle, so hätte ich bis vor etwa 35 Jahren Israel oder auch die USA gesagt. Danach bin ich langsam zu einem Wiener geworden.

Tipp: „Mens sana in corpore sano“ – geistig und körperlich fit zu sein, gehört zusammen. Das Freibad des SC Hakoah mag im Winter zwar geschlossen sein, doch die große Auswahl an modernen Geräten lässt keine Ausreden zu, im Winter faul zu werden.

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