In der Eingangshalle und im Café Vollpension der Musik und Kunst Privatuniversität Wien (MUK) fühlt sich die schwarzgelockte Israelin im eleganten weißen Hosenanzug pudelwohl. „Ich bin so glücklich, dass ich hier unterrichten kann. Sowohl hier als auch an der Kunstuniversität Graz (KUG) kommen die Studierenden aus der ganzen Welt, und die gemeinsame Arbeit macht Riesenspaß“, erzählt Gan-ya Ben-gur Akselrod, die wir 2015 zum ersten Mal im WINA-Magazin porträtiert haben. Da war sie eine von fünf israelischen klassischen Sängerinnen, die gleichzeitig an Wiener Bühnen engagiert waren, von der Wiener Staatsoper bis zum Theater an der Wien.
Seit einigen Jahren unterrichtet die Universitätsprofessorin an zwei Hochschulen, wobei sie sich im spezialisierten Masterstudien-Programm „Performance Practice in Contemporary Music“ (PPCM) der Aufführungspraxis zeitgenössischer Vokalmusik widmet, die sie an eine neue Generation von Musiker:innen weitergibt. Ihr Lehransatz basiert auf der Überzeugung, dass zeitgenössische Musik zeitliche Grenzen überschreitet und in alle Aspekte des Musizierens, der Performance und der persönlichen Entwicklung einfließt. „Ich liebe und singe Mozart und andere Klassiker, aber gleichzeitig bin ich ein großer Fan der zeitgenössischen Musik – und wir bieten an beiden Hochschulen eine profunde Ausbildung in der Aufführungspraxis von Vokalmusik und Musiktheater des 20. und 21. Jahrhunderts. Das heißt, dass wir auf aktuelle Entwicklungen der zeitgenössischen Musik eingehen und diese durch Themenworkshops und interdisziplinäre Projekte ergänzen“, so Gan-Ya. Ihre künstlerische Arbeit basiert auf einer fundierten klassischen Gesangsausbildung und langjähriger Bühnenerfahrung im Opern- und Musiktheaterbereich, und das sowohl im klassischen Repertoire als auch in der zeitgenössischen Vokalmusik.

2013 wurde die Sängerin zur ersten Preisträgerin des internationalen Hilde-Zadek-Gesangswettbewerbs in Wien erkoren. Und hier begann auch ihre Karriere. Bereits in der Saison 2013–2014 gehörte sie zum jungen Ensemble des Theaters an der Wien und der Kammeroper, nachdem sie sich mit sieben anderen Kandidat:innen unter 300 Bewerber:innen aus aller Welt qualifiziert hatte. Danach entschied sie sich für das Angebot eines Zweijahresvertrags am Theater an der Wien, obwohl ihr der damalige Direktor Dominique Meyer gleichzeitig ein Studienstipendium an der Wiener Staatsoper offerierte. „Es fiel mir schwer, aber ich habe mich doch für den aktiven Opernbetrieb entschieden. Auf der Bühne sammelt man die meiste Erfahrung, und hier bot man mir über die Saison verteilt auch wunderbare Hauptrollen an“, erinnert sie sich.
Despina, Micaela und Bubikopf. Etwas skeptisch wollte ich vor zehn Jahren von der Sopranistin wissen, ob sie glaubt, mit diesem Namen, insbesondere mit den zwei Bindestrichen, eine internationale Karriere als Sängerin machen zu können.
Gan- Ya (übersetzt „G-ttes Garten“) war überzeugt davon: „Der Name Ben-gur kommt von meiner Mutter, und Akselrod ist der litauische Name aus Vilnius von der Vaterseite – und ich liebe beide.“ Gan-ya Ben-gur Akselrod, 1987 in Tel Aviv geboren, begann bereits mit sechs Jahren, Violoncello zu spielen; mit acht versuchte sie sich an der Klarinette, erst danach folgte das Klavier. Ihr Musikstudium an der Buchmann-Mehta School of Music und am Brooklyn Conservatory of Music schloss sie mit einem Bachelor in Israel und einem Master in New York ab. Bereits 2010 debütierte die junge Israelin an der Carnegie Hall und war auch an der Opera Moderne in New York zu hören, bevor sie ihr Europa-Debüt 2011 zum renommierten Festival von Aix-en- Provence führte. Bereits ein Jahr später folgte ihr Einstand an der Deutschen Oper Berlin, wo sie voll aus ihrem klassischen und modernen Repertoire schöpfen konnte. Gan-Ya verfügt über ein absolutes Gehör, und das empfindet sie als großes Geschenk für ihre Partien im zeitgenössischen Repertoire: „Ich schaue auf die Noten und kann es sofort singen.“
Nach den zwei Jahren am Theater an der Wien und an der Kammeroper mit schönen und anspruchsvollen Rollen kamen Angebote aus ganz Europa: „Ich gastierte beim Glyndebourne Festival, in zahlreichen deutschen Städten, u. a. an der Staatsoper Stuttgart, an der Komischen Oper Berlin in der Regie von Barrie Kosky, bei den Salzburger Festspielen, in Wien im Musikverein und im Konzerthaus, am Teatro Real in Madrid, in Toulouse, Tel Aviv, New York und sogar in der Türkei und China. Obwohl Wien seit 2013 mein Zuhause ist, bin ich ständig unterwegs.“
Seit 2018 ist die Sopranistin Solistin der weltweiten Tournee The World of Hans Zimmer *. Doch wie kam es dazu? „Da muss ich etwas ausholen. Ich war in Glyndebourne gemeinsam mit einer anderen Sopranistin engagiert. Ich erzählte ihr, dass die Oper von Monaco eine Sängerin für ‚Blonde‘ und ‚Constanze‘ in der Entführung aus dem Serail suche. So fuhren wir beide dorthin, und sie wurde genommen, ich aber nicht. Ein paar Jahre später revanchierte sie sich: Als sie von der Hans-Zimmer- Filmmusik-Show angefragt wurde, empfahl sie mich. Ich bekam das Engagement und bin seit 2018 dabei.“
„Der Name Ben-gur kommt von meiner Mutter,
und Akselrod ist der litauische Name aus
Vilnius von der Vaterseite – und ich liebe beide.“
Gan-Ya Ben-gur Akselrod
Seit den 1980er-Jahren hat Zimmer Musik für über 150 Filme komponiert und etliche Oscars und Grammys gewonnen. Sein Werk ist typisch für die Integration elektronischer Musikklänge in traditionelle Orchesterarrangements. In mehr als 100 Konzerten weltweit, inklusive der Wiener Stadthalle, war Gan-Ya Ben-gur Akselrod als Solistin bei der mitreißenden Hollywood-Show aus der Welt der Filmmusik dabei, die bisher geschätzt 1,5 Mio Menschen gesehen haben. Zimmer steht oft selbst mit auf der Bühne, erzählt sie, um die Liste seiner Blockbuster, beginnend in den Achtzigerjahren, zu zeigen: Titel wie Gladiator, die Fluch der Karibik- Reihe, Der König der Löwen, Interstellar, The Dark Knight – die Batman-Trilogie oder auch Top Gun: Maverick. Nach dem überwältigenden Erfolg von The World of Hans Zimmer – A Symphonic Celebration, weiß Gan-Ya, machen seit 2018 viele Top-Solist:innen gemeinsam mit erstklassigen Symphonieorchestern die Live-Umsetzung seiner Stücke zu einem Hollywood-Erlebnis.
Es wundert nicht, dass die israelische Wienerin ständig auf Achse ist, wenn sie nicht gerade Vorlesungen, Workshops oder Sologesang an zwei Kunstuniversitäten absolviert. Umso größer ist ihre Freude, dass sie seit Dezember 2025 an der Wiener Volksoper alternierend die „Königin der Nacht“ in der neuen Produktion der Mozart’schen Zauberflöte singt.
Alle, die Gan-Ya Ben-gur Akselrod bislang versäumt haben, können sie im Mai und Juni an der Volksoper in dieser Paraderolle hören und genießen.
* Hans Zimmer, geb. 1957 in Frankfurt am Main, ist ein deutscher Filmkomponist, Arrangeur und Musikproduzent. Seine jüdischen Eltern flohen 1939 nach England.
























