PARIS/NEW YORK
FRED STEIN bis 24. Jän. 2026
Leica Galerie Salzburg
Gaisbergstraße 12, 5020 Salzburg
Di.– Fr., 14– 18 Uhr, Sa. 10– 14 Uhr
freier Eintritt
leica-galerie-salzburg.com
Wer glaubt, in Salzburg tue sich abseits der Festspiele wenig, der irrt. Unter anderem trägt die Leica Galerie zum Kulturleben der übrigen Monate immer wieder Interessantes bei.
Aktuell ist es das Werk des deutsch-amerikanischen Fotografen Fred Stein (1909–1967). In der Branche gilt er als „einer der großen Pioniere der Street Photography und Porträtkunst“. Dass ihn die Leica Galerie ausstellt, ist natürlich kein Zufall. Denn die unauffällige Kleinbild-Sucherkamera war oft sein Arbeitsgerät, und mit ihm schuf er seine sozialkritischen Menschenbilder von New Yorks Straßen.
Fred Stein wurde als Sohn des Rabbiners Leopold Stein und von Eva Wollheim 1909 in Dresden geboren. Als sein Vater 1915 verstarb, bestritt seine Mutter als Religionslehrerin den Familienunterhalt für den Buben und seine Schwester. Schon im Alter von 16 Jahren schloss er sich den örtlichen Sozialisten an und begann nach dem Abitur in Leipzig Jus zu studieren, das er 1933 abschloss. Als die Nationalsozialisten gerade die Macht ergriffen hatten, wurde er schon dabei gesehen, wie er als Fahrradfahrer antifaschistische Flugblätter verteilte.

Im selben Jahr heiratete er Liselotte Salzburg, Tochter eines jüdischen Arztes. Als sie von Recherchen der NS-Behörden gegen sie erfuhren, flohen die beiden – unter dem Vorwand einer Hochzeitsreise – nach Paris. Dort begann Stein mit der Leica, die ihm seine Frau als Hochzeitsgeschenk gekauft hatte, zu fotografieren, Straßenszenen, aber auch Abstraktes. Und er besuchte einen professionellen Fotografiekurs. Unter den deutschen Emigranten hatten die Steins unter anderem Kontakt mit Willy Brandt, der auch gelegentlich bei ihnen wohnte.
1939 wurde Stein in ein Lager für feindliche Ausländer in der Nähe von Paris deportiert, es gelang ihm allerdings zu entkommen. Nach der Eroberung großer Teile Frankreichs durch die Wehrmacht 1940 tauchte das Paar unter und flüchtete schließlich via Marseille weiter in die USA, mit der „S. S. Winnipeg“, einem der letzten Schiffe auf dieser Route. Dort nahm Stein wieder die Fotografie auf, diesmal auch mit einer Mittelformat-Rolleiflex-Kamera. Er wurde mit seinen Schwarzweißfotos bald bekannt, machte neben Reportagen zwischen Fifth Avenue und Harlem vor allem Porträts, von Künstlern, Forschern und Politikern. Sein Foto von Albert Einstein ist weltbekannt.
Als sozial denkender Fotograf fand er auch bald den Weg zur linksgerichteten Photo League in New York. Stein arbeitete selten auf Auftrag, er überlegte sich selbst Reportagen und bot diese erst fertig Magazinen oder Zeitungen an. Meist arbeitete er schnell und in natürlichem Licht, und er bestand darauf, seine Negative nicht zu beschneiden oder zu bearbeiten. Er publizierte mehrere Bücher, hatte zahlreiche Ausstellungen, und auch heute findet man seine Bilder in einer Reihe großer Museen, etwa in der National Portrait Gallery von Washington und im Jüdischen Museum Berlin. Stein starb 1967 in New York, er war erst 58 Jahre alt.

























