Tanzen unter dem Regenbogen

Im Juni startet in Israel nicht nur die Saison der allseits beliebten Wassermelone, sondern auch der Pride-Monat, der für Liebe und Toleranz gegenüber der LGBT-Community steht.

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Regenbogen für LGBT. Die Pride Parade in Tel Aviv ist die größte im Nahen Osten und die zweitgrößte der Welt.

Von Iris Lanchiano

Wer im Jahr 2017 noch immer nicht weiß, dass die LGBT-Community (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) die besten Partys schmeißt, sollte sich die Pride-Woche für das nächste Jahr 2018 ganz groß im Kalender eintragen. Zum 19. Mal feierte Tel Aviv die größte Pride Parade im Nahen Osten und die zweitgrößte der Welt.

Entlang der Strandpromenade, in den Schaufenstern der Einkaufsstraßen und vor dem Rathaus – überall hingen bereits seit Anfang Juni die Regenbogenfahnen. Ein Vorbote dafür, dass der Pride-Monat begonnen hat. Highlight ist die Pride Parade selbst, die etwa 200.000 Menschen nach Tel Aviv gelockt hatte, darunter 30.000 Menschen aus dem Ausland.

Die Parade machte sich nicht nur auf den Weg durch das Herz der Stadt Tel Aviv, sondern auch in die Herzen der Menschen.

Die Parade begann Freitagmittag im Park Meir. Dort wurden die Besucher nicht nur mit einer Bühnenshow empfangen, sondern mit zahlreichen Informationen an den Ständen der LGBT-Organisationen. Eine Gruppe von Jugendlichen machte sich an einem der Stände gegen Homophobie stark. Der 17-jährige Vova erzählte mir, dass er von Russland ohne Eltern nach Israel gezogen ist. „In meiner Heimatstadt wird es nicht sozial akzeptiert, wenn man homosexuell ist. Hier fühle ich mich frei. Ich wollte keine Last mehr für meine Familie sein, und deswegen bin ich nach Israel gekommen.”

Das Motto der Parade in diesem Jahr ist „Let it be! – Bisexual Visibility”. Nach der offiziellen Eröffnung im Meir-Park wurde entlang der Straßen Bograshov, Hayarkon und Frishman weitergetanzt. Die Abschlussparty fand im Süden der Stadt im Charles-Clore-Park statt, wo sich Tanzwütige bis in die Abendstunden austoben konnten.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen begleiteten auch dieses Jahr die Pride-Events. Der Schock über das Attentat bei der Pride Parade in Jerusalem 2015 sitzt noch tief. Die 16-jährige Shira Banki starb bei einer Messerattacke durch die Hand eines ultra-orthodoxen Mannes, als sie in Solidarität mit ihren LGBT-Freunden bei der Parade mit marschierte. Bereits 2009 war es zu einem Attentat auf das Gay-Center der Israeli LGBT Association im Zentrum von Tel Aviv gekommen, das zwei junge Todesopfer forderte. Dieses Jahr wurde ein Mann aus Bnei Brak im Vorfeld festgenommen, der einen geplanten Terrorakt bei der diesjährigen Pride Parade auf Facebook angekündigt hatte. Das Polizeiaufgebot war groß, die sonst so grimmig dreinschauenden Beamten ließen sich aber von der guten Laune und der einzigartigen Atmosphäre anstecken. Die vielen bunten und schrägen Kostüme haben auch ihren Teil dazu beigetragen. Die Parade machte sich nicht nur auf den Weg durch das Herz der Stadt Tel Aviv, sondern auch in die Herzen der Menschen.

Mein persönliches Highlight des Pride-Monats war die erste LGBT-Hochzeit, die ich besuchte. Die Liebesgeschichte zwischen dem Deutschen Michi und dem Israeli Yoad ist ein Beispiel dafür, dass die Liebe über alle Grenzen hinaus geht. Dank digitaler Medien wurde der Berliner auf den Israeli aufmerksam und hat für seine Liebe seine Heimatstadt verlassen. Gleichgeschlechtliche Eheschließung ist in Israel zwar noch nicht legal, doch das hielt die beiden nicht davon ab, ihre Traumhochzeit in Caesarea zu zelebrieren. Ohne Rabbiner, mit einer alternativen Zeremonie und unter einer Chuppa gaben sich die beiden das Ja-Wort und traten mit voller Kraft auf das Glas. Mazel Tov!

 

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