Die Wiener Küche steckt voller köstlicher Rätsel, die jüdische sowieso. Wir lösen sie an dieser Stelle: Ob Kochirrtum, Kaschrut oder Kulinargeschichte: Leserinnen und Leser fragen, WINA antwortet:
Liebe WINA-Expert:invor Kurzem hatte ich meinen 60. Geburtstag. Zur Feier des Tages wurde mir von Freunden aus Israel eine Flasche Tubi 60 geschickt. Auf der beiliegenden Karte wünschte man mir sehr geheimnisvoll „viel Spaß“ und das Eintreten des „magischen Tubi-Effekts“. Und jetzt traue ich mich nicht so recht, das Zeug in der Flasche zu verkosten. Könnt ihr mir sagen, was es damit auf sich hat?
Jaron per Mail
יום הולדת שמח
Yom huledet sameach!
Herzlichen Glückwunsch nachträglich – auch zu Ihrem Freundeskreis. Der hat mit Tubi 60 nämlich nicht nur ein numerisch passendes Geschenk zu Ihrem 60er gewählt, sondern auch ein wirklich köstliches. Und Sie müssen wirklich keine Angst haben, den Inhalt der Flasche zu kosten.
Um die – angeblich 60 – Zutaten des Kräuterlikörs machen seine Erfinder, die Brüder Hilal und Yanai Tubi aus Haifa, zwar seit 2012 ein wohlgehütetes Geheimnis. Doch neben den gut herauszuschmeckenden Zitrusfrüchten, Ingwer, Minze und Safran enthält der trüb-gelbliche Drink nur noch ein paar ungefährliche Blumen- und Baumextrakte. Hartnäckig hielten sich Gerüchte, dass sich in dem Getränk auch Auszüge des afrikanischen Khat-Strauches befinden, in dem das Ampheta-min Cathin enthalten ist. Doch Getränke oder Pillen mit Khat-Zusätzen sind seit 2012 illegal in Israel. Und Tubi ist vom Gesundheitsministerium zertifiziert, alle Inhaltsstoffe entsprechen den israelischen, amerikanischen und europäischen Richtlinien.
Das einzig Bedenkliche sind die satten 40 Prozent Alkohol, die man ob des sauer-bitteren, aber gar nicht alkoholischen Geschmacks gern vergisst. Weshalb man ziemlich schnell einen kleinen Schwips bekommt. Manche sagen, sie fühlen sich nach einem Tubi-Shot „happy und high“. Ob dies die Folge des Likör-Genusses ist oder eine Art selbsterfüllende Prophezeiung aufgrund des Marketings? Können wir Ihnen nicht sagen. So oder so macht die Sage vom „Tubi-Effekt“ seit Jahren die Runde. Wir selbst haben ihn noch nicht erlebt. Wohl aber können wir aus eigener Erfahrung berichten, dass Tubi keinen Hangover nach sich zieht. Und das alles könnte man durchaus als magisch bezeichnen.
Die Erfinder haben dafür jahrelang an der Rezeptur getüftelt. Zusammen mit Wissenschaftlern, Botanikern und Lebensmittelexperten entwickelten die Brüder eine wirklich hochwertige Spirituose, bei der nicht der Profit, sondern der Geschmack im Vordergrund steht. In Israel, vor allem im Nachtleben von Tel Aviv, wurde Tubi schnell zum Kultgetränk. Menschen standen in Schlangen vor Geschäften und warteten auf neue Lieferungen. Man kooperierte mit Stars der Graffiti-Szene, die die Flaschen designten. Fotos, Videos und Geschichten über wilde Tubi-Nächte überschwemmten die Social-Media-Kanäle. Die Nachfrage wuchs so schnell, dass die die Brüder 2015 gar eine größere Destillerie bauen mussten. Seit ein paar Jahren bekommt man den Drink auch in ausgewählten (Online)-Shops bei uns. Und natürlich in so mancher Bar.
Tubi lässt sich pur genießen – als eiskalter Shot. Oder in Mixgetränken wie Tubi Libre mit Coca-Cola auf Eis oder Red Tubi Tonic mit Cranberry-Saft und Tonic Water. Mehr Inspirationen auf tubi60.com/tubi-60-cocktails/. Sie trinken nicht gern? Dann können Sie Tubi auch als Sorbet genießen (siehe Rezeptbox). Wichtig nur in jedem Fall: Vorher die Flasche kräftig schütteln, damit sich die Komponenten gut vermischen. Ad me’ah ve’esrim!
Tubi-Zitronen-Minz-Sorbet
Zutaten:
200 ml Wasser
150 g Zucker
150 ml frischer Zitronensaft
Abrieb einer Bio-Zitrone
40 ml Tubi 60
eine Handvoll frische Minzblätter
Zubereitung:
Zitronenabrieb, die fein gehackte Minze und den Tubi 60 unterrühren. Die Mischung in eine flache Form füllen und für zirka vier Stunden ins Gefrierfach stellen, dabei alle 30 Minuten mit einer Gabel kräftig durchrühren (oder direkt in die Eismaschine geben). Als Zugabe im Sorbet sorgt Tubi dafür, dass das Eis nicht zu fest friert und cremig bleibt.

Wenn auch Sie kulinarisch-kulturelle Fragen haben,
schicken Sie sie bitte an:
office@jmv-wien.at, Betreff „Frag WINA“.























