366 junge Männer und Frauen mit Matura meldeten sich mit Herbstbeginn zur einjährig-freiwilligen (EF) Ausbildung beim Österreichischen Bundesheer und unterzogen sich den körperlichen und psychologischen Eignungstests, berichtete stolz Verteidigungsministerin Klaudia Tanner. Diese Ausbildung ersetzt damit den Grundwehrdienst und bietet laut Tanner „neue Wege, die Karriere im Heer zu starten“. Denn am Ende können sich die Absolventen entscheiden: Wollen sie Reserveoffiziere werden oder die Laufbahn des Berufsoffiziers einschlagen. Generalstabschef Rudolf Striedinger sprach dabei von einer „Trendwende nach oben“.
Die Einrichtung des Einjährig-Freiwilligen stammt eigentlich aus Preußen. Ab 1843 konnte dort der Einjährig-Freiwillige mit Abitur seinen Wehrdienst deutlich verkürzen: Er diente somit nur ein Jahr statt der sonst üblichen drei bei der Marine, der reitenden Kavallerie oder der Artillerie, in allen übrigen Truppengattungen zwei Jahre. Es war freilich nur jungen Männern aus besseren Häusern möglich, sie mussten sich nämlich auf eigene Kosten ausrüsten und versorgen.
Etwa 25.000 jüdische Offiziere dienten in der Armee,
hielten die Versorgung am Laufen oder kämpften auf den
unterschiedlichsten Schlachtfeldern.
Nach Ableistung des Dienstjahres und zweier Militärübungen wurden die Einjährig- Freiwilligen üblicherweise zu Offizieren der Reserve befördert. Das galt allerdings in Preußen nicht für Juden; diese ließ man nicht zur Offiziersprüfung zu. Zwischen 1885 und 1914 gelang jedenfalls keinem einzigen jüdischen Anwärter der Aufstieg zum Reserveoffizier, so die Recherchen der Militärhistoriker.
In der österreichischen kaiserlichen Armee sah das deutlich anders aus. Allein die Zahlen aus dem Ersten Weltkrieg zeigen diese deutlich. Etwa 25.000 jüdische Offiziere dienten in der Armee, hielten die Versorgung am Laufen oder kämpften auf den unterschiedlichsten Schlachtfeldern für Habsburg, schreibt der amerikanische Arzt und Schriftsteller Peter C. Appelbaum in seinem Buch Habsburg Sons. Jews in the Austro-Hungarian Army 1788–1918.
Die große Zahl von aktiven und aktivierten Reserveoffizieren hatte einen Grund. 1868 hatten die österreichische und die bayerische Armee das Konzept des Einjährig- Freiwilligen von Berlin übernommen, und es funktionierte ähnlich wie in Preußen. Während der verpflichtende Wehrdienst in der k.u.k.-Armee vor 1914 für einfache Soldaten drei Jahre betrug, konnten Söhne der gebildeten Stände mit dem Einjährig-Freiwilligen-Jahr in kurzer Zeit Leutnant der Reserve werden. Das galt für Studenten oder zumindest Maturanten – und in Österreich-Ungarn auch für Juden. Damit bot sich diese Ausbildung den emanzipierten Juden als Eintrittsmöglichkeit in die Mehrheitsgesellschaft an. (Ab Beginn des Ersten Weltkriegs wurden dann die Kriterien etwas verwässert: Nun genügte bereits die Ausübung eines bürgerlichen Berufs oder die Zugehörigkeit zu einer höheren Schicht.)
Die Zahlen waren jedenfalls beeindruckend: Mit 2.000 jüdischen Reserveoffizieren stellten sie beinahe ein Fünftel (17–18 Prozent), also deutlich mehr als der Anteil der Juden in der Gesamtbevölkerung betrug (um 1900 rund 4,7 Prozent inklusive Galizien). Konversion war für die Ausbildung und das Offizierspatent nicht notwendig. „Ich will, dass alle meine Soldaten gläubig sind“, so ein Zitat des Kaisers. „Welche Religion ist mir egal.“ Eine Reihe von jüdischen Offizieren kletterte bereits in den Jahrzehnten bis zum Krieg bis in höchste Funktionen im Generalstab. Ganz besonders viele Juden fanden sich im Ärztekorps – in Friedenszeiten und später auch an den Fronten. Das sollte ihnen freilich während der NS-Herrschaft nicht helfen: Sie wurden genauso verhaftet, deportiert und ermordet wie ihre zivilen Verwandten.

























