Von Präsident zu Präsident‏

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Ende März war der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, in Wien zu Gast, um das Maimonides-Zentrum zu besuchen, für das er jüngst substanziell gespendet hatte. Im Gemeindezentrum stellte er sich zudem den Fragen von IKG-Ehrenpräsident Ariel Muzicant und gab dabei Einblicke in sein Leben und seine Motivation, jüdische Gemeinden zu unterstützen. Von Alexia Weiss.

Mit der 1987 von ihm gegründeten Ronald S. Lauder Foundation finanziert er aktuell Bildungseinrichtungen in 17 Ländern, vorrangig in Osteuropa. Auch die Wiener jüdische Gemeinde hat ihm einiges zu verdanken: Hier ermöglichte er den Bau des Lauder-Chabad-Campus im Augarten und die Gründung der Lauder Business School, einer Hochschule für Wirtschaft. Wien scheint in seinem Leben andererseits auch als eine Art Katalysator fungiert zu haben, damit aus ihm wurde, was er heute ist: ein Kämpfer für das Judentum, ein Unterstützer jüdischen Lebens weltweit.

Wien als Katalysator: Hier wurde Lauder zum Kämpfer für das Judentum und ein Unterstützer jüdischen Lebens weltweit.

Die Verbindung zu Österreich war für ihn seit jeher eine besondere. Selbst 1944 in New York geboren, stammen seine Vorfahren aus Österreich, allerdings noch aus dem imperialen Österreich der k.u.k. Zeit. Er besuchte Wien erstmals 1959 und genoss dabei vor allem, sich hier Werke von Schiele und Klimt anzusehen. In einem Bildband hatte er erstmals Bilder der beiden gesehen und bereits Anleihen, die er zu seiner Bar Mitzwa erhalten hatte, binnen Monaten wieder verkauft, um dafür seine ersten Kunstwerke von Klimt und Schiele anzukaufen.

Restitution und Realpolitik

Seine beeindruckende Kunstssammlung ist seit 2001 in der Neuen Galerie – Museum for German and Austrian Art in New York zu sehen. Mit Klimt, Schiele, Kokoschka bringt man in der jüngeren Geschichte Österreichs auch das Thema Restitution in Zusammenhang: Hier engagierte sich Lauder massiv. Er war es auch, der 2006 Klimts Porträt Adele Bloch-Bauer I ankaufte, für dessen Herausgabe die Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann zuvor viele Jahre gegen die Republik Österreich gekämpft hatte.

Die 1980er-Jahre brachten Lauder beruflich nach Wien – zunächst 1983 im Dienst des US-Verteidigungsministeriums. 1986 wurde er schließlich vom damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan als US-Botschafter in Österreich ernannt. Hier tobte gerade die Waldheim-Affäre, und ein jüdischer US-Botschafter bot dabei auch ein willkommenes Angriffsziel für die Kronen Zeitung. Waldheim hatte Lauder schon von früher gekannt: Als dieser UNO-Generalsekretär gewesen war und in New York gelebt hatte, war er mit Lauders Eltern befreundet und immer wieder zu Besuch gewesen.

Der Wiener jüdischen Gemeinde zollte Lauder Anerkennung für ihr Engagement und ihre Lebendigkeit.

Die Situation war nicht einfach, doch die ganze Debatte, die Kampagne der Krone gegen ihn, aber auch berührende Zusammentreffen mit Vertretern der Wiener jüdischen Gemeinde und der Blick dafür, was es hier an jüdischem Leben vor der NS-Zeit gegeben hatte, das nun nicht mehr war (wie etwa der Leopoldstädter Tempel in der heutigen Tempelgasse), brachten ihn zu seinen jüdischen Wurzeln zurück. Zuvor hatte er mit seinem Judentum nicht viel am Hut gehabt, wie er in seinem Gespräch mit Muzicant freimütig bekannte. Diese Wiener Jahre sollten das ändern. Eingebrannt hat sich bei ihm auch ein Satz, den er hier aus dem Umfeld des damals groß werdenden Jörg Haider hörte: „Mauthausen war nicht so schlimm.“ Als „real mensch“ bezeichnete Lauder den damaligen österreichischen Kanzler Franz Vranitzky. Lauder hob vor allem dessen große Sensibilität hervor.

Seit 2007 führt Lauder nun den Jüdischen Weltkongress, der zuvor stark an Schlagkraft verloren hatte. In dieser Funktion muss er sich auch mit erstarkendem Antisemitismus in Europa auseinandersetzen. Als eine der Ursachen sieht er, dass Länder wie Frankreich nicht für eine gute Durchmischung der angestammten und zugewanderten Bevölkerung geachtet hätten – anders als etwa Deutschland, das die rund 100.000 jüdischen Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion ganz bewusst auf an die 100 Städte und Orte aufgeteilt habe, um so Integration überhaupt erst zu ermöglichen.

Auf der anderen Seite würden sich viele aus den muslimischen Gemeinden selbst nicht um Integration bemühen, würden oft nicht einmal die Landessprache sprechen. In den USA erhalte nur der die Staatsbürgerschaft, der auch Englisch spreche. Das müssten alle Staaten so handhaben. Dem oft vorgebrachten Argument, nur ein kleiner Prozentsatz der Muslime sei radikal, hielt er entgegen: Bei sechs Millionen Muslimen beispielsweise in Frankreich seien ein Prozent 60.000 Menschen.

Was viele nicht wissen und Muzicant in dem Gespräch unterstrich: Lauder gelang es in den 1990er-Jahren fast, ein Abkommen zwischen Syrien und Israel zu erreichen. Am Ende wurde es doch nicht unterzeichnet. Lauder ist heute überzeugt, wäre dies gelungen, sähe es inzwischen im Nahen Osten gänzlich anders aus.

Der Wiener jüdischen Gemeinde zollte Lauder Anerkennung für ihr Engagement und ihre Lebendigkeit. Eine Zukunft werde es aber nur mit Zuwanderung geben. Als er US-Botschafter war, seien die Grenzen noch offen gewesen, inzwischen habe sich das geändert. Das stelle auch die Sinnhaftigkeit der Lauder Business School etwas in Frage: Die Hochschule bringe jedes Jahr junge Juden aus Osteuropa zum Studium nach Wien – und viele von ihnen würden auch gerne weiter in Österreich leben. Doch nach dem Studienabschluss könnte das Gros von ihnen auf Grund der herrschenden Zuwanderungsbestimmungen nicht bleiben. Statt in ihre Herkunftsländer zurückzugehen, zöge es dann viele von ihnen in die USA. Doch dazu sei die Business School nicht gegründet worden, so Lauders Fazit. ◗

© IKG-Wien 

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