Von Wien über New York nach Tel Aviv

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Chaya Schulman-Barzilai ist in Wien aufgewachsen, lebt und arbeitet in Israel und wirkt am Design der neuen Tel Aviv Metro mit. Von Marta S. Halpert   

Flanierende israelische Soldatinnen und Offiziere der Marine mischen sich unter die einheimischen und internationalen Touristen. Alle genießen die milde Wintersonne in Sarona, der neuesten Attraktion Tel Avivs: Die deutschen Siedlerhäuschen, vor 150 Jahren von christlichen Templern gegründet, wurden aufwendig restauriert und beherbergen jetzt schicke Geschäfte, Kunstgalerien und trendige Cafés. Wo heute Wolford und Adidas ihre Produkte anbieten, war früher die erste Mossad-Zentrale und später eine Flugzeugfabrik.

„Wir wussten von Anfang an, dass wir unsere Zukunft in Israel aufbauen wollen.“

Etwas flotter als die Freizeitspaziergänger läuft Chaya Schulman-Barzilai durch die Grünanlagen. Die Architektin widmet ihre kurze Mittagspause der aus Wien angereisten Familie. Die älteste Tochter von Oberkantor Shmuel Barzilai und der Künstlerin Dvora Barzilai arbeitet in der Nähe an einem der Großprojekte der Stadt: Sie gehört zu jenem Architektenteam, das für das Design der Tel Aviv Metro, der light rail, verantwortlich ist. Nach langem Tauziehen und zahlreichen Problemen ist es jetzt soweit und Tel Aviv bekommt eine U-Bahn, vorerst zwei Linien: eine rote und eine grüne. Die rote Linie soll von Petach Tikwa über Bnei Brak, Ramat Gan, Tel Aviv und Jaffa bis Bat Yam im Südwesten der Großstadt führen. Auch der Flughafen Ben Gurion wird nach der Fertigstellung der roten Linie 2017 angebunden sein.

„Ich musste hier schon konsequent netzwerken und immer wieder nachstoßen. Diese Erfahrung habe ich in Israel bei der Jobsuche gleich am Anfang gemacht“, erzählt Chaya, die in Israel geboren und in Wien aufgewachsen ist und nach sieben Jahren in den USA mit ihrem amerikanischen Mann wieder auf „Alija“ ging. Doch bis zur Rückkehr an den Geburtsort absolvierte Chaya vielfältige und umfangreiche akademische Studien. „Nach der Matura 2003 an der ZPC-Schule in Wien habe ich ein Jahr jüdisches Recht in Israel studiert“, erzählt die Mutter des vierjährigen Yoni, die täglich von Raanana nach Tel Aviv pendelt.

Kompletter Neubeginn. Am renommierten Stern College für Mädchen an der Yeshiva University in New York machte Chaya ihren Bachelor of Arts. „Mein Hauptfach war Kunst, das Nebenfach Innenarchitektur als gemeinsames Programm mit dem Fashion Institute of New York (FIT). Von 2007 bis 2010 studierte ich an der Spitzer School of Architecture (SSA) am City College in New York. Dort habe ich auch meinen Magistertitel in Architektur (MArch) erworben.“

Bereits im zweiten Jahr ihres USA-Aufenthaltes lernte Chaya ihren Mann kennen, den Rechtsanwalt Chaim Schulman. „Wir wussten von Anfang an, dass wir unsere Zukunft in Israel aufbauen wollen. Nach sieben Jahren war es soweit: Für mich war es eine Heimkehr, aber für Chaim ein kompletter Neubeginn“, lacht Chaya, „ich wusste zwar auch nicht, was mich erwartet, aber für unser Einleben waren meine Sprachkenntnisse eine große Hilfe.“ Ihren aufregenden und verantwortungsvollen Posten bei der Tel Aviv Metro hat sie bereits nach einem kurzen Ausflug in die Hightechbranche gefunden. Wien und ihre vielen Freunde vermisst sie, aber wichtiger sind ihr „die neuen Erlebnisse, die ich bei den gemeinsamen Besuchen in Wien mit meinem Mann und Sohn machen kann“. ◗

Bild: © Reinhard Engel

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