Wachstum und Wohlstand durch Technologie

Wachstum und Wohlstand durch Technologie

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Überrascht und glücklich: Joel Mokyr nach der Bekanntgabe des Alfred-Nobel- Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften am 13. Oktober 2025. © Nam Y. Huh / AP / picturedesk.com; Wikipedia/Jonathunder

Als ihn Reporter der New York Times in seinem Wochenendhaus in Michigan erreichten, gab er sich überrascht. Er war ganz von den Verhandlungen zur Befreiung der israelischen Geiseln in Gaza mitgenommen, hatte sogar den Anruf aus Schweden versäumt. Erst laufend eintrudelnde Gratulationsmails zeigten ihm, dass er zu den Gewinnern des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften 2025 gehörte.

Genauer: Joel Mokyr, ein US-Israeli, der als Professor an der Northwestern University in Illinois unterrichtet, erhielt eine Hälfte des Preises, die andere teilten sich die beiden amerikanischen Ökonomen Philippe Aghion und Peter Howitt. Die Klammer für die drei Wissenschaftler ist die Frage nach den entscheidenden Faktoren für Wachstum, und zwar für nachhaltiges Wachstum.

Mokyr ist Wirtschaftshistoriker. Er wurde 1946 in Leiden geboren und stammt aus einer niederländisch-jüdischen Familie von Holocaust-Überlebenden. Sein Vater starb ein Jahr nach seiner Geburt, die Mutter zog mit ihm daraufhin nach Israel. In Jerusalem studierte er Geschichte und Ökonomie an der Hebrew University, nach dem B.A. erwarb er einen Magister und dann das Doktorat in Yale. Dem Themenbereich seiner Dissertation sollte er weitgehend treu bleiben: Industrial Growth and Stagnation in the Low Countries, 1800–1850 (Industrielles Wachstum und Stagnation in den Niederlanden 1800–1850). Und auch seiner Universität blieb er viele Jahre treu: 1974 begann er als junger Wissenschaftler an der Northwestern University in Illinois, und auch heute noch hält er dort die Robert-H.-Strotz-Professur für Wirtschaftsgeschichte.

Wofür wurde er ausgezeichnet? John Hassler, der Vorsitzende der Jury, sagte, dass es während des größeren Teils der menschlichen Geschichte sehr wenig Wachstum gegeben habe. Das sei erst seit den letzten beiden Jahrhunderten anders: „Anhaltendes wirtschaftliches Wachstum, angetrieben von einem kontinuierlichen Strom technologischer Innovationen und Verbesserungen, hat die Stagnation abgelöst“, so Hassler.

Professor Mokyr beschäftigt sich mit jenen historischen Entwicklungen, die diesen Wachstumspfad auslösten und bedingten, ab der industriellen Revolution in England. Entscheidende Rollen spielten Wissenschaftsgläubigkeit, breites gesellschaftlich offenes Denken, laufende, auch inkrementelle Innovationen. Dabei geht es aber nicht bloß um Wirtschaftswachstum in Zahlen, sondern auch stets um die Folgen für die Lebensumstände der Menschen, um Wohlstand und Lebensqualität, den so genannten „economic welfare“.

Gefragt von der New York Times, ob er heute nach wie vor optimistisch sei und an weiteres Wirtschaftswachstum glaube, antwortete er, ja, er glaube „an die menschliche Fähigkeit, die Kräfte der Natur zu beherrschen und einzuhegen, zu eigenem Nutzen“. Auch die letzten beiden Jahrzehnte seien „ein Zeitalter radikaler Innovation“ gewesen, und er erwarte, dass diese Fortschritte weitergehen würden.

Mokyr, der auch in Tel Aviv unterrichtet, ist seit 56 Jahren mit der emeritierten Professorin für Biochemie und Molekularbiologie an der Universität von Illinois in Chicago Margalit, geborene Birnbaum, verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter und einen Hund.

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