Wenn antisemitische Ressentiments zu Leugnung führen

Beim Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 wandten die Terroristen auch massiv sexualisierte Gewalt an. WINA sprach mit Livia Erdösi, einer der Mitherausgeberinnen des Buches Denialism, warum hier kein massiver globaler Aufschrei zu hören war und auch Frauenorganisationen ins Leugnen und Verharmlosen miteinstimmten.

1034
Foto: Daniel Shaked

WINA: Was versteht man unter Denialism?

Denialism bedeutet Leugnung. In der Forschung wurde damit zunächst die Holocaust-Leugnung bezeichnet. Über die Jahrzehnte wurde die Verwendung des Begriffs aber ausgeweitet. Unter Denialism wird heute jede Form von Wissenschaftsleugnung verstanden, die oft mit Verschwörungsmythen und Desinformationskampagnen einhergehen und dafür sorgen, dass Wissen und Fakten nicht mehr anerkannt werden.

 

Im Buch Denialism, das Sie mitherausgegeben haben, geht es um Antisemitismus und sexualisierte Gewalt, vor allem nach dem 7. Oktober 2023. Inzwischen wissen wir von den befreiten Geiseln, dass es nicht nur am 7. Oktober selbst, sondern auch in der Geiselhaft zu sexueller Gewalt kam. Welche Beobachtungen und Belege für den systematischen Einsatz von sexueller Gewalt am 7. Oktober gibt es?

Das Symposium, auf dem das Buch basiert, hat nur ein halbes Jahr nach dem Angriff der Hamas auf Israel stattgefunden. Aber bereits damals gab es genügend Berichte, und diese haben für eine sekundäre Traumatisierung in der israelischen, aber auch jüdischen Gesellschaft weltweit gesorgt. Es ist davon auszugehen, dass das auch ein Ziel der Hamas war.

Es gab sehr viele Videoaufnahmen, die Attentäter mit ihren Handys gemacht haben. Gleichzeitig gab es auch die Berichte von Ersthelfern und Ersthelferinnen, die die Opfer aufgefunden und die Leichen geborgen haben, sowie Zeugen und Zeuginnen der Gewalt. Insofern erstaunt es auch, wie lange zum Beispiel UN-Organisationen gebraucht haben, um diese Gewalt anzuerkennen. Die Beweise und der Bericht der israelischen Krisenzentren über sexualisierte Gewalt lagen ja schon früh vor. Es war aber sehr schwer, Organisationen dazu zu bringen, sich überhaupt einmal mit dem angetanen Leid und sexueller Gewalt als Waffe auseinanderzusetzen. Letztlich erschien aber auch ein UN-Bericht, für den 34 Interviews mit Zeugen und Zeuginnen geführt sowie mehr als 5.000 Fotos und 50 Stunden Videomaterial gesichtet wurden.

 

Auch hier blieb der globale Aufschrei aus. Besonders erstaunlich war das Schweigen von Frauenorganisationen. Wie ist das zu erklären?

Die kurze Antwort wäre: Es gibt sehr viele antisemitische Ressentiments, die hier hereinspielen. Es geht darum, wie Juden und Jüdinnen und Israelis und Israelinnen wahrgenommen werden und wie in der Folge die ihnen angetane Gewalt gedeutet wird. Das ist natürlich eine sehr unbefriedigende Antwort. Aber es fällt eben auf: Bei sexualisierter Gewalt gibt es den Konsens, den Opfern zu glauben, anstatt infrage zu stellen, was diese erzählen. Wenn es aber um Israelinnen und Israelis geht, passt das nicht ins Weltbild, dass auch sie Opfer sein können. Sie müssen auf die eine oder andere Art schuld an der ihnen angetanen Gewalt sein. Es ist also eine Täter- Opfer-Umkehr. Und hier gibt es keinen Unterschied zwischen Frauen- und anderen Organisationen: Jüdinnen beziehungsweise Israelinnen werden in erster Linie nicht als Frauen, sondern als Jüdinnen oder Israelinnen wahrgenommen. Daher werden sie auch nicht so wie andere Frauen in dieser Situation behandelt. Die Erklärung ist also das darunter liegende Weltbild.

 

Man hat also ein Opfer sexueller Gewalt und einen Täter. Aber da dem Opfer hier die Schuld oder Mitschuld an der ihr bzw. ihm angetanen Gewalt gegeben wird, was aber dann doch schwierig zu argumentieren ist, legt man einen Mantel des Schweigens über das ganze Thema.

Zum Schweigen kommt die aktive Leugnung hinzu. Man versucht, an den Fakten zu drehen, bis es irgendwie in das eigene Weltbild passt. Etwa Aussagen wie, man könne nichts beweisen – trotz der Beweise. Oder es hätten keine ermordeten Opfer ausgesagt. Das Brutale ist: Die Terroristen wussten, dass sie, egal, was sie machen, in Schutz genommen werden. Sie können Gewalt ausüben und filmen, die Aufnahmen online stellen und verbreiten – und trotzdem wird ihnen geglaubt.

Es ist ein Grundelement des Antisemitismus, in Juden und Jüdinnen das Böse zu sehen. Sie haben immer Schuld daran, wenn ihnen etwas angetan wird – in jeglichem Kontext. Gleichzeitig kann man seit der Shoah nicht mehr offen zugeben, dass diese antisemitische Grundannahme Teil des eigenen Weltbilds ist. Daher braucht es Mechanismen, um sich den eigenen Antisemitismus nicht einzugestehen beziehungsweise ihn zu leugnen.

Auch bei der Aufarbeitung der Shoah wurde immer wieder nach Gründen gesucht, warum diese stattgefunden hat: Juden und Jüdinnen müssen quasi irgendeine Schuld getragen haben. In feministischen Kontexte, vor allem im deutschsprachigen Kontext, wurde behauptet, Frauen könnten nicht antisemitisch sein, da sie als Frauen selbst Opfer des Nationalsozialismus waren, weil in diesem das Patriarchat herrschte. So konnte man sich nicht nur von der eigenen Verantwortung loslösen, sondern musste sich gar nicht mit sich selbst, also Frauen und Feministinnen beschäftigen.

 

„Jüdische Feministinnen, haben berichtet, dass sie sich in ihren bisherigen Zusammenhängen nicht mehr sicher fühlen, weil es keinerlei Empathie und Solidarität ihnen gegenüber gibt.“

 

Es gab im Nationalsozialismus aber auch Täterinnen. Und es gab viele Frauen, die den Nationalsozialismus begrüßt und bejubelt haben.

In den 1960er-, 1970er-Jahren gab es vor allem in Deutschland feministische Auslegungen, die Frauen im Nationalsozialismus die Rolle des unschuldigen Opfers zugewiesen haben: Sie propagierten, Frauen seien in der NS-Zeit genauso unterdrückt worden wie Juden. Gleichzeitig wurde die Schuld am Patriarchat „den Juden“ zugeschrieben. Und wenn „die Juden“ für das Patriarchat verantwortlich sind, sind sie dieser Schlussfolgerung nach auch für alles verantwortlich, was aus dem Patriarchat entstanden ist – und damit auch für den Nationalsozialismus. Das Spannende ist, dass es davor, im 19. und 20. Jahrhundert, eine Verfemung von Juden gab, bei der sie gerade nicht als männlich gesehen wurden. Nun musste wieder alles verkehrt werden; nun war das Patriarchat schlecht – und daher mussten „die Juden“ erneut männlich werden, denn sie konnten ja nicht unschuldig sein wie Frauen. All diese Zuschreibungen und Umdrehungen haben unbewusst auch feministische Theorien und Bewegungen beeinflusst.

 

Sie sprechen angesichts der vielen Vergewaltigungen am 7. Oktober nicht von sexueller, sondern von sexualisierter Gewalt. Warum?

Es gibt verschiedene Ansichten dazu, ob man von sexueller oder sexualisierter Gewalt spricht. Wir haben uns für dieses Buch dazu entschieden, den Begriff sexualisierte Gewalt zu wählen, weil dieser unterstreicht, dass es eine bewusste Sexualisierung von Gewalt ist. Da findet nicht zufällig etwas Sexuelles und etwas Gewaltvolles zusammen, sondern diese Form von Gewalt wird systematisch entworfen und eingesetzt.

 

Man könnte auch sagen: Da wurde bewusst eine Waffe kreiert.

Genau.

 

Dennoch kam es auch hier rasch zu einem Reframing und wurden die Verbrechen vom 7. Oktober zu Handlungen eines berechtigten Widerstandes erklärt.

Da sind wir wieder beim alten Muster: Der erste Schritt ist die Leugnung. Funktioniert das Leugnen nicht mehr, weil Beweise vorliegen, muss es einen guten Grund für diese Verbrechen gegeben haben. Und dieser Grund kann nur sein, dass der Täter unterdrückt ist und damit als Opfer agiert: Ein Unschuldiger handelt aus Not heraus.

Es gibt nur das absolut Gute und das absolut Böse. Und wenn es „die Bösen“ sind, denen etwas angetan wird, dann müssen sie die Schuld daran tragen. Letztlich werden sie es in diesem Denken schon irgendwie verdient haben. Das bedeutet im Fall der Terroristen: Egal, welche Gewalt sie anwenden, sie sind keine Täter beziehungsweise Aggressoren, weil sie sich „im Widerstand“ und damit auf der Seite der „unterdrückten Opfer“ und „der Guten“ befinden. Sexualisierte Gewalt ist dann Teil davon.

Foto: Daniel Shaked

Nach Erscheinen des Buches sind auch die letzten Geiseln aus Gaza freigekommen. In den Interviews danach haben sie, aber auch früher Freigekommene, offener über die ihnen angetane sexualisierte Gewalt gesprochen. Vorher wollte man offenbar die noch festgehaltenen Geiseln durch umfassende Schilderungen nicht in Gefahr bringen und auch deren Angehörige schützen. Nun wissen wir: Sexualisierte Gewalt wurde hier zwischen 2023 und 2025 bewusst als Folter eingesetzt. Betroffen waren sowohl Männer als auch Frauen. Doch auch da war das Medienecho außerhalb Israels verhalten – dabei ist Missbrauch etwas, das medial grundsätzlich groß gecovert wird.

Kurz nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober gab es viel mediale Aufmerksamkeit, die dann immer geringer geworden ist. Bis die letzten Geiseln endlich freigelassen wurden und sich die Zeugenaussagen dieser über die sexualisierte Gewalt verdichteten, gab es kaum mehr journalistische Bereitschaft, über diese zu berichten.

Das zeigt, wie problematisch die Diskursverschiebung und Polarisierung geworden sind. Es muss möglich sein, über die sexualisierte Gewalt, die die Geiseln erfahren haben, auch außerhalb Israels zu berichten. Leider wird das jedoch als Parteinahme für die israelische Regierung und Kriegsführung ausgelegt, anstatt journalistische Integrität zu wahren. Hierüber zu berichten, bedeutet aber eben nicht, das Leid der Zivilisten und Zivilistinnen in Gaza zu minimieren.

 

„Man versucht, an den Fakten zu drehen, bis es irgendwie ins eigene Weltbild passt. Das Brutale ist: Die Terroristen wussten, dass sie, egal, was sie machen, in Schutz genommen werden.“

 

Dabei wurde allerdings teils unhinterfragt die Propaganda der Hamas übernommen. Hier wurden die double standards hinsichtlich Glaubwürdigkeit spürbar – Informationen aus israelischen Quellen wurden als parteiisch abgetan, Informationen aus Gaza dagegen breit gecovert.

Es gibt diese Notwendigkeit, das eine zu leugnen, um insgesamt ein einfaches Bild zu bewahren. In diesem Konflikt haben viele, auch Journalisten und Journalistinnen, das Bedürfnis, „die Guten“ und „die Bösen“ zu benennen. Gerade dem Journalismus käme allerdings die Rolle zu, ein differenzierteres Bild zu erstellen und solch wichtige Informationen nicht bewusst auszulassen.

 

Sie haben das Versagen vieler Frauenorganisationen nach dem 7. Oktober bereits angesprochen. Wie hätten diese gehandelt, wären diese sexualisierten Verbrechen an einer anderen Gruppe begangen worden?

Das hängt von der betroffenen Gruppe ab – Gewalt gegen Jesidinnen und Kurdinnen etwa wird auch nur bedingt angeprangert. Prinzipiell tendieren Frauenorganisationen jedoch dazu, sich zu solidarisieren, in Schreiben und Aufrufen, durch Kundgebungen, generell durch das Ansprechen und Aufzeigen der Gewalt und das klare Benennen der Täter. Was auffallend war nach dem 7. Oktober: Die Taten waren zwar schlimm und zu verurteilen, aber von wem sie ausgingen, blieb vage. Das Benennen der Täter wäre als vermeintliches Parteiergreifen für Israel interpretiert worden. Gleichzeitig haben sich Frauenorganisationen nicht gescheut, gegen Israel Partei zu ergreifen. Im März 2024 wurden bei Veranstaltungen zum feministischen Frauenkampftag feministische Belange mit der palästinensischen Befreiung verknüpft. Und es gab kaum eine feministische Demonstration, bei der keine Palästina-Flagge zu sehen war.

 

Stichwort palästinensische Fahnen: Unter der dschihadistischen Führung der Hamas gibt es in Gaza keine Frauenrechte. Dennoch wird von Frauenorganisationen nicht breit auf die Situation der dort lebenden Frauen aufmerksam gemacht. Warum?

Einige internationale Frauenorganisationen haben Feminismus kulturrelativistisch zu einem Nebenwiderspruch erklärt und die Befreiung Palästinas sowie die Befreiung „vom Westen“ an erste Stelle gesetzt. Auch auf feministischen Demonstrationen in Österreich ist zu beobachten, dass der Nahostkonflikt eine zentralere Rolle einnimmt, und das trotz regelmäßiger Femizide, Gewalt gegen Frauen, fehlender Gleichberechtigung und extremem Sexismus. Das ist auffällig. So kommt es auch zu Ausschlüssen: Jüdische Feministinnen haben berichtet, dass sie sich in ihren bisherigen Zusammenhängen nicht mehr sicher fühlen, weil es keine Empathie und Solidarität ihnen gegenüber gibt. Auch kein Verständnis für die kollektive Retraumatisierung, die es vor allem unter jüdischen Frauen durch diese sexualisierte Gewalt vom 7. Oktober gab. Wie sollen jüdische Feministinnen Teil von Organisationen sein, von denen sie zu Täterinnen gemacht werden, wo ihnen die Schuld für die Gewalt zugeschrieben wird? Viele jüdische Feministinnen haben sich daher aus diesen Kontexten zurückgezogen.

 

Wie ist dieses Versagen feministischer Organisationen zu erklären?

Unter anderem mit der fehlenden Aufarbeitung des eigenen Antisemitismus und dem Abkommen von einem am situierten Universalismus orientierten Feminismus. Die berechtigte Kritik am Rassismus mancher internationaler feministischer Kontexte hat dazu geführt, der Herausbildung von Gruppenidentität einen politischen Vorzug zu geben, anstatt die Befreiung von Sexismus und patriarchaler Herrschaft als spezifische, in partikularen Gesellschaften situierte und zugleich für alle gleichermaßen an die erste Stelle zu setzen. Diese Entwicklung ist nicht von der feministischen Theoriebildung zu entkoppeln, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass ihr Selbstverständnis teils damit einhergeht, antiwestlich und antiisraelisch zu sein. Diese Entwicklung hat sich besonders in den Geistes- und Kulturwissenschaften durchgesetzt.

 

Was ist da in manchen universitären Disziplinen schiefgelaufen?

Es ist generell anzumerken, dass akademische Kontexte leider nicht zwangsläufig emanzipatorisch und ethisch sind. Dennoch werden sie als grundsätzlich neutral, kritisch und moralisch wahrgenommen. So konnten auch Theorien etabliert werden, in denen weder Empirie noch Analyse im Mittelpunkt stehen. Gerade in akademischen Kreisen ist die Leugnung der Aggression beim Angriff der Hamas das Produkt einer jahrzehntelangen Verbreitung von Scheinwissen über Israel.

Die geschichtsrevisionistische Verzerrung der Gründungsgeschichte Israels leugnet die komplexe jüdische Emanzipationsbewegung sowie die antisemitische Gewalt in der Diaspora. Es findet ein subtiles Geflecht an Verdrehungen, der dialektischen Übertragung antikolonialer Diskurse gegen den einzigen Staat für Jüdinnen und Juden statt. In der akademischen Beschäftigung mit verschiedensten Themen wird Israel zum projektiven Stellvertreterschauplatz diverser anderweitiger Problematiken anderenorts auserkoren, an denen man sich nicht abzuarbeiten vermag, während der Antisemitismus, Rassismus und Antifeminismus in der eigenen Gesellschaft verschleiert wird.

 


 

Über das Fehlen feministischer Stimmen
Im Band Denialism versammeln Livia Erdösi, Nora Sternberg und Ana Hoffner ex-Prvulovic* Analysen, die ausgehend von der am 7. Oktober 2023 im Rahmen des Angriffs der Hamas auf Israel verübten sexualisierten Gewalt der Frage nachgehen, warum feministische Stimmen schwiegen.

Livia Erdösi, Ana Hoffner ex-Prvulovic*, Nora
Sternfeld (Hg.): Denialism. Antisemitismus
und sexualisierte Gewalt aus feministischer
Perspektive. Verbrecher Verlag 2025, 160 S., 17 €

Ausgangspunkt für den Band Denialism mit teils verstörenden Befunden war die gleichnamige Podiumsveranstaltung im Rahmen eines Symposiums im Mai 2024 an der Akademie der bildenden Künste Wien. Die Beiträge, die die drei Wissenschafterinnen Erdösi, Sternberg und Hoffner ex-Prvulovic* darin veröffentlichen, zeigen vor allem eine massive Diskursverschiebung auf. Sie zeichnen nach, wie Antisemitismus – man könnte sagen wieder – zu einer Weltanschauung wurde – und dabei zudem zu einer Weltanschauung, die sich global zeigt.

Was nach dem 7. Oktober 2023 auffiel: Über die Gräueltaten der Hamas wurde zwar berichtet, und es wurden Zahlen über Tote, Verletzte, Entführte veröffentlicht, die sexualisierte Gewalt blieb aber in vielen Berichten außen vor. Und ebenfalls aus blieb eine kollektive Empörung darüber, dass die dschihadistischen Terroristen hier Vergewaltigungen und generell sexualisierte Gewalt ganz bewusst und an den verschiedenen Orten ihrer Verbrechen einsetzten – in den Kibbuzim ebenso wie auf dem Gelände des Nova-Musikfestivals. Stattdessen wurde verleugnet oder verharmlost.

Die Beiträge in Denialism machen bewusst, wie vor allem an den Universitäten über viele Jahre ein Umfeld geschaffen wurde, das diese Verleugnung antisemitischer und sexualisierter Gewalt möglich machte. Eines der Resultate: In vielen feministischen Kontexten werde es fälschlicherweise als feministisch betrachtet, zuerst die Befreiung Palästinas, die Befreiung vom Westen, von einem proklamierten, scheinbar ausschließlich westlichen Kolonialismus zu fordern, „anstatt die Befreiung von Sexismus und patriarchaler Herrschaft als spezifische, in partikularen Gesellschaften situierte und zugleich für alle gleichermaßen an die erste Stelle zu setzen“, so die Herausgeberinnen.

Fazit der Wissenschafterinnen: Das Verschweigen sexualisierter Gewalt habe noch nie zu einer kollektiven Emanzipation geführt, „sondern immer nur Täter:innen beschützt und Strukturen der Verharmlosung gefördert“. Was es nun brauche, sei daher „die Neuformierung eines an einem situierten Universalismus orientierten Feminismus“.


Livia Erdösi,
geb. 1991 in Wien, studierte Kultur- und Sozialanthropologie, internationale Konfliktforschung und Museologie. Vormals Tätigkeiten an der Akademie der bildenden Künste Wien, bei den Arolsen Archives und der European Holocaust Research Infrastructure. Heute arbeitet sie im Jüdischen Museum Wien und ist Mitinitiatorin der Initiativgruppe Antisemitismuskritik im Museumsbund Österreich. Sie forscht und arbeitet an der Schnittstelle von gesellschaftspolitischen und museologischen Fragestellungen, unter anderem mit Bezug auf Feminismus und Antisemitismuskritik.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here