Wina Editorial

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von:

Julia Kaldori
Chefredaktion

Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge“, Kornblumen in den Knopflöchern freiheitlicher Parlamentsabgeordneter, Obergrenzen und Massenabschiebungen. Der Rechtsruck in Europa ist evident. Wir erleben antidemokratische Umbauarbeiten in Polen und Ungarn, erschrecken über wütende Nationalisten auf Athens Straßen oder wundern uns (noch) über das Badeverbot für Geflüchtete in öffentlichen Bädern – wie auch immer die Aufenthaltssituation eines Menschen in Badehose festgestellt werden kann.

Die gesellschaftspolitische und die wirtschaftliche Situation auf dem alten Kontinent werden immer angespannter. Die agierende Politikerriege ist immer mehr zwischen Machtererhalt und moralischem Anspruch, die Gesellschaft zunehmend zwischen liberal und radikal zerissen, und wir alle zwischen Hilferuf und Helfenwollen. Und mittendrinnen hunderttausende Geflüchtete, die traumatisiert, ausweglos und teils neuerlich erniedrigt von Tür zu Tür laufen und um Einlass bitten.

Chaos auf Europas Straßen, Angst in Europas Städten und Perspek­tivlosigkeit in Europas Köpfen. Da kommen also Alltagsfaschisten mit ihrer nationalistischen Gewaltrhetorik, mit ihren Tabubrüchen gerade richtig. Ihre Erklärungen sind simpl, ihre Lösungen einfach und ihr Weltbild lautet: hier das Gute, dort das Böse. Doch neben jenen Massen, die mit ihnen die scharfe Rechtskurve nehmen, gibt es noch die denkende, differenzierende, lesende, erinnernde Masse der Anständigen, die von rechts verrückt und damit langsam erdrückt werden.

In der Menschenheitsgeschichte sind Unterdrückte  stets aufgestanden. Nun ist es wohl wieder an der Zeit! Natürlich müssen wir die Lage diskutieren, sie aus allen Perspektiven betrachten und unterschiedliche Lösungsvorschläge abwägen. Aber wir müssen auch den Aufstand der Anständigen üben (den auch Rainald Becker in der ARD forderte) – damit die Forderung nach Schusswaffengebrauch auf Geflüchtete in Europa nie wieder ertönt!

„Wir sind eine Gesellschaft, die vergessen hat, wie man weint. Wir haben uns an die Leiden anderer gewöhnt. Es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an. (...) Die Wohlstandskultur macht uns unempfindlich für die Schreie der anderen und führt zur Globalisierung der Gleichgültigkeit. (...)“

Papst Franziskus

 

Bild: © Santi Palacios / AP / picturedesk.com

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