Wina Editorial

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Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“ – mit diesem Zitat von Franz Kafka haben wir vor fünf Jahren die erste WINA-Ausgabe auf den Weg geschickt und die Route aufgenommen, die uns bis ins Heute geführt hat. Wir haben damals einen raschen Start hingelegt und innerhalb einiger Wochen ein Konzept verwirklicht, das sehr ambitioniert war: ein Magazin zu schaffen, das die gegenseitige Befruchtung der jüdischen und mitteleuropäischen Kultur aufzeigt und dabei nicht altbacken daherkommt, sondern vor allem Spaß macht.

Wir trafen auf diesem Weg junge Künstler und Intellektuelle, fragten Politiker nach aktuellen Themen, besuchten Ausstellungen, lasen Bücher und lernten viel über Mut im Kampf gegen das Vergessen. Wir aßen in guten und manchmal auch in weniger guten Restaurants und verkosteten viele Flaschen Wein – alles nur für unsere Leser!

„Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur.“ - Jean Paul

Der Weg führte uns aber auch an vielen ernsten Themen vorbei: an Krieg, Flüchtlingsdramen, rechtslastige politische Entwicklungen – Europa ist nicht mehr das, was es noch vor fünf Jahren war, nicht einmal annä- hernd: Ein gemeinsames Europa, das unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ gegründet wurde, zerbricht derzeit an nationalstaatlichen Krisen, an der Uneinigkeit und an der jahrzehntelangen Nicht-Integrationspolitik. Es wird immer mehr von Stacheldraht und Massengräbern umgeben – Flüchtlingskatastrophen außerhalb dieser Grenzen sind zum Alltag geworden, genauso wie rechtpopulistische, antidemokratische Tendenzen innerhalb. Brexit ist nun Realität, die Folgen derzeit noch nicht absehbar. Und auch der Terror ist in Europa angekommen – ist kein nah- (und damit fern-)östliches Phänomen mehr.

Fünf Jahre gehen wir nun diesen steinigen Weg, der uns so viel Freude macht, wenn Sie, werte Leserin, werter Leser, monatlich auf uns warten – wie wir es im direkten Kontakt bei Veranstaltungen oder dank Ihrer Mails an die Redaktion erfahren. Fünf Jahre, für die ich mich bei Ihnen, aber auch beim gesamten Team und bei allen Autorinnen und Autoren bedanken möchte. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die alle Höhen und Tiefen stets mit einem Lächeln bewältigt – obwohl es ihnen nicht immer leicht gemacht wird (auch nicht von mir). Autoren, die Geschichten finden und aufschreiben, die immer wieder Spaß und Sinn machen – und ohne die dieses Magazin nicht existieren würde. Und Leserinnen und Leser, die Monat für Monat unser Magazin mit großer Aufmerksamkeit wahrnehmen und für die wir diesen Weg überhaupt gehen. Ihnen allen einen großen Dank!

Der Klang des Schofars läutet in wenigen Tagen das Jahr 5777 ein: neues Jahr, neue Wege – mal sehen, wohin es führt, wohin Europa sich entwickelt und welche Rolle dabei die jüdisch-europäische Gemeinschaft einnimmt. Sicher ist aber, dass wir diesen Weg genau beobachten und davon berichten und dass wir unseren Werten und Haltungen treu bleiben werden – solange Sie den Weg mit uns gehen.

Ihnen allen wünsche ich ein süßes und glückliches neues Jahr mit hoffnungsvollen Wahlergebnissen allerorts und uns allen noch einen langen und spannenden gemeinsamen WINA-Weg

Julia Kaldori

Bild: © Rick. / photocase.de

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