USC Shoah Foundation
sfi.usc.edu/news/2025/10/37486-commemorating-october-7-two-years-laterEdut 710
edut710en.orgOctober 7 HerStory – Eden Association
youtube.com/@Eden_AssociationCivil Commission
civilc.orgIsraelische Nationalbibliothek
nli.org.il
USC Shoah
Foundation Für die Zeitzeugendokumentation nach dem 7. Oktober spielt die USC Shoah Foundation eine zentrale Rolle. Während die Interviews mit Zeitzeugen der NS-Verfolgung erst Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen haben, war bereits eine Woche nach dem HamasÜberfall ein Team vor Ort und konnte sofort Gespräche mit den betroffenen Menschen führen.
Die Shoah Foundation wurde 1994 von Steven Spielberg gegründet und trägt bis heute maßgeblich in der weltweiten Erinnerungs-, Bildungs- und Menschenrechtsarbeit dazu bei, gegen Geschichtsverfälschung vorzugehen. Historie wird immer von Menschen gestaltet, und persönliche Geschichten von Überlebenden tragen dazu bei, den barbarischen Ereignissen ein Gesicht zu geben. Für die Überlebenden bietet das Teilen des Erlebten eine Möglichkeit, die erlittenen Traumata zu verarbeiten, ihre Geschichte an zukünftige Generationen weiterzugeben und die Erinnerung an diejenigen zu bewahren, die nicht überlebt haben. Die Vermittlung von historischem und ethischem Wissen erfolgt durch emotionale und authentische Zeugenaussagen – nicht nur über die Vergangenheit, sondern auch als Warnung und Lehre für die Gegenwart.
Acht Tage, nachdem Hamas-Terroristen aus dem Gazastreifen den Süden Israels überfallen und nahezu 1.200 Menschen umgebracht hatten, waren Wissenschaftler der Shoah Foundation am Ort des Verbrechens, um Augenzeugenberichte festzuhalten und diese der Israelischen Nationalbibliothek bereitzustellen. Unter der Anleitung der Shoah Foundation wurde ein Archiv erstellt, das für alle interessierten Personen zugänglich ist. Mit modernster Technologie – darunter KI-gestützte Suchsysteme, 3D-Interviews mit Zeugen und Virtual-Reality-Anwendungen – sorgt die Stiftung für die Möglichkeit einer interaktiven Nutzung. Natalie Mann, eine frühere Offizierin im Geheimdienst des israelischen Militärs, wurde von der Shoah Foundation zur Leiterin der Dokumentation für die Interviewer ernannt. Sie reiste in die Gegend des Toten Meeres, wo zahlreiche vertriebene Menschen der attackierten Kibbuzim Zuflucht suchten, und fing an, die Berichte von Überlebenden und deren Angehörigen vor der Kamera aufzuzeichnen. Sie führte die Gespräche an einem ruhigen Ort im Freien und gab den Interviewpartnern genügend Zeit, ihre Erfahrungen zu schildern und eine vertrauliche Beziehung aufzubauen. Natalie Mann hat die Erzählungen von über vierhundert Personen gehört und außerdem mit Geiseln gesprochen, die aus ihrer Gefangenschaft in Gaza vom israelischen Militär befreit oder gegen palästinensische Häftlinge ausgetauscht wurden. Rund 370 Zeugenaussagen sind bereits online verfügbar. Die sogenannten „Bearing Witness“-Interviews wurden mit der gleichen Pädagogik durchgeführt, die die Stiftung seit 1994 für Holocaust-Überlebende anwendet.
Edut 710
Die gemeinnützige Organisation Edut 710 wurde am 9. Oktober 2023 von vierhundert Freiwilligen gegründet, darunter Filmemacher, Historiker, Archivare und Psychologen. Ihr Ziel ist es, eine Sammlung von Videobeiträgen zu erstellen, um sicherzustellen, dass die persönlichen Erzählungen und Erfahrungen der Überlebenden für zukünftige Generationen zugänglich und verfügbar bleiben. Dabei wird auf höchste ethische, juristische und technische Standards geachtet. Mitarbeiter von Microsoft entwickelten dafür ein KI-Tool, das den Überlebenden helfen soll, ihre Erinnerungen an den Anschlag vom 7. Oktober festzuhalten. Das Microsoft-Tool ermöglicht die Suche in Hunderten von Zeugenaussagen mithilfe fortschrittlicher Sprachmodelle (LLMs). Außerdem bietet es den Opfern des Massakers, sich persönlich auszudrücken und ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Gleichzeitig kann damit die israelische Bevölkerung und jüdische Gemeinden weltweit Gedenkfeiern oder Zusammenkünfte gestalten und die Geschichten dieses tragischen Tages aus unterschiedlichen Perspektiven hören.
Die zukünftige Anzahl der Interviews des digitalen Archivs wird von Edut 710 mit 70.000 beziffert. Neben den unmittelbaren Betroffenen werden auch Angehörige, Freunde und Helfer sowie Rettungs- und Einsatzkräfte dazugerechnet. Bisher wurden über 1.700 Zeugenaussagen gesammelt, um ein umfassendes nationales Archiv zur Erinnerung an die grauenhaften Ereignisse aufzubauen. Die Geschichte jedes Einzelnen ist Teil eines größeren Ganzen – von Männern, die Soldaten und Ersthelfer waren, bis zu Frauen, die sich mit ihren Kindern in Schutzräumen versteckten. Das Projekt namens NarraCiv (eine Kombination der englischen Wörter „narrative“ und „civil“) schichtet die dokumentierten Materialien über eine Zeitleiste und eine 3D-Karte.
Die Gründer von Edut 710 legen Wert darauf, die Zeitzeugen bei den Interviews mit möglichst wenigen Fragen und Unterbrechungen sprechen zu lassen, um ihnen Authentizität und mehr Raum zu geben, als es in journalistischen Formaten möglich ist. Einige Videos dauern 20, andere 30 und 40 Minuten. Es sind Videos auf Englisch und auf Hebräisch verfügbar, dazu gibt es Transkriptionen und eine Kurzfassung. Viele der Berichte wurden ins Englische, Arabische, Russische, Französische, Deutsche und Spanische übersetzt. Außerdem wurden in einigen der zerstörten Kibbuzim Aufnahmen mit 360-Grad-Kameras gemacht, die ebenfalls über die Website zugänglich sind.
OCTOBER 7 HERSTORY
Das Projekt October 7 HerStory, das von der Eden Association initiiert wurde, hat das Ziel, die Erlebnisse israelischer Frauen festzuhalten, die von dem Massaker am 7. Oktober betroffen waren. Der Fokus liegt auf ihren Traumata, gemeinsamen Ängsten und unterschiedlichen Sichtweisen.
Die Eden Association ist auf die Behandlung posttraumatischer Erkrankungen bei Mädchen und Frauen spezialisiert und seit 1997 in der Region Otef Aza (Grenzregion Israels zu Gaza) und im Negev tätig. Die Organisation entwickelt und implementiert Programme, Rahmenbedingungen und Projekte basierend auf dem Eden-Modell – einem speziellen Ansatz zur Traumabehandlung. October 7 HerStory ist eine Sammlung von Interviews mit vom Krieg betroffenen Frauen, die auf dem YouTube- Kanal der Eden Association öffentlich zugänglich sind.
Über 60 Frauen beschreiben ihre persönlichen Erfahrungen von diesem Tag, die sowohl die individuelle wie auch die gemeinsame anhaltende Angst vor Vergewaltigung offenlegen. Die Frauen erzählen ihre Überlebensgeschichten, von den Gräueltaten, die sie miterlebt haben, und ihren Gedanken. Bei den Videos wird der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Ängsten deutlich. Am 7. Oktober wurden die Körper von Frauen zu einem Schlachtfeld mit verheerenden Konsequenzen. Die Angst vor sexueller Gewalt, die tief im kollektiven Unterbewusstsein aller Frauen verankert ist, wurde für viele Frauen, die das Massaker erlebt hatten, mit neuer Intensität spürbar. Andere fühlten sich machtlos und waren nicht in der Lage, sich vor der Katastrophe zu schützen. Diese Frauen waren lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt, beteiligten sich an Kampfhandlungen oder spielten eine bedeutende Rolle in nationalen sowie zivilen Initiativen. Ihre Erlebnisse von Tapferkeit und Überleben sind ein zentraler Bestandteil der Geschichte Israels und müssen in Erinnerung zu bleiben. Das Teilen ihrer Erlebnisse ist ein Schritt zur Verarbeitung von Traumata und bietet sowohl Selbstermächtigung wie auch Anerkennung.
THE CIVIL COMMISSION
Die Verbrechen des 7. Oktober 2023 – Mord, Folter, Vergewaltigung, geschlechtsspezifische Gewalt und Entführungen – führten zur sofortigen Gründung der unabhängigen gemeinnützigen Civil Commission. Ziel der Organisation ist es, die Kriegsverbrechen und die geschlechtsspezifische Gewalt der Hamas und ihrer Kollaborateure gegen Frauen, Kinder und Familien zu dokumentieren, zu untersuchen und das internationale Bewusstsein dafür zu schärfen. Das wachsende Archiv umfasst eine umfangreiche Sammlung digitaler Materialien, Augenzeugenberichte und andere wichtige Dokumente, die alle gemäß den höchsten ethischen Standards aufbewahrt werden.
Die Menschenrechts- und Völkerrechtsexpertin Cochav Elkayam-Levy leitet die Civil Commission und wurde für ihren unermüdlichen Einsatz 2024 mit dem Israel-Preis, Israels höchster zivilen Auszeichnung, ausgezeichnet. Die Mission der Civil Commission besteht darin, die Verbrechen der Hamas sichtbar zu machen und deren Leugnung anzufechten. Das Archiv dient sowohl als Mahnmal für die Opfer wie auch als bedeutendes historisches Dokument und bildet die Basis für zukünftige Strafverfolgungen und wissenschaftliche Studien zu den am 7. Oktober 2023 und danach begangenen Verbrechen.
Im Dezember 2024 veröffentlichte die Civil Commission den bahnbrechenden Bericht Kinocide: The Weaponization of Families. Heute umfasst die Kommission über 40 Mitarbeiter und Freiwillige, darunter Anwälte, Forensiker, Forscher, Experten für geschlechtsspezifische Gewalt, Technologieexperten (Cybersicherheit usw.), Interviewer und Traumaexperten.
Die traurige Realität des 7. Oktober ist, dass antisemitische Gewalt sogar in dem Land stattgefunden hat, in dem sie nie hätte stattfinden dürfen. Nach dem Massaker wurden israelweit fast 100 Initiativen begründet, die die Geschehnisse vom 7. Oktober und danach dokumentieren.
Die Rolle der Zeitzeugen, sowohl im Zusammenhang mit Verbrechen des Nationalsozialismus wie auch nach dem 7. Oktober 2023 ist für ein tiefergehendes Verständnis historischer Geschehnisse von großer Wichtigkeit. Sie helfen dabei, die Geschichte greifbarer zu machen, und ermöglichen durch ihre Berichte, wertvolle historische Erkenntnisse zu gewinnen.
Zeitzeugen sind die moralische Instanz einer oft uninformierten Öffentlichkeit gegenüber. Sie haben die Leiden, verursacht von einem ethisch Bösen, persönlich erlebt und sind bemüht, mit ihren persönlichen Zeugnissen das Böse in der Welt zu überwinden.
Die Verpflichtung zum Zeugnis hat vor allem in der jüdischen Tradition eine lange Geschichte, denn es sind die Stimmen jener, die durch Zufall, Mut oder Glück am Leben blieben, die zu einem umfassenderen Verständnis vergangener Verbrechen beitragen.






















