4,2 Mrd. Dollar. So viel investiert der deutsche Container-Reeder Hapag-Lloyd in die Übernahme des israelischen Konkurrenten ZIM International Shipping. Das ist ein Aufschlag von immerhin 58 Prozent gegenüber dem letzten Börsenkurs an der New Yorker Stock Exchange, wo das Unternehmen seit 2021 notiert. Die Belegschaft des israelischen Unternehmens war von der Meldung nicht gerade begeistert und rief zum Streik auf.
Hapag-Lloyd ist ein internationaler Riese mit einem Konzernumsatz von 21 Mrd. Dollar 2025, momentan die Nummer fünf am globalen Container-Transportmarkt, hinter der chinesischen Cosco. ZIM, mit einem Umsatz von knapp sieben Mrd. Dollar im Jahr 2025, war mit seinen rund 70 Schiffen, davon die überwiegende Zahl moderne Neukonstruktionen, zuletzt die Nummer zehn der Branche. Das verschmolzene Unternehmen wird dann rund um den Globus etwa 400 große Container-Transportschiffe betreiben.
Wer sind die Eigentümer? Hapag- Lloyd hat als Großinvestoren die deutsche Kühne-Familie sowie die chilenische Reederei CSAV mit je 30 Prozent, darauf folgen Katar, Saudi-Arabien und die Stadt Hamburg mit jeweils zwischen zehn und 15 Prozent.
Das verschmolzene Unternehmen wird dann
rund um den Globus etwa 400 große
Container-Transportschiffe betreiben.
ZIM gehört – abgesehen von der Notierung in New York – zum Reich der Ofer-Brüder. Deren Israel Corporation umfasst etwa noch Schlüsselanteile an Israel Chemicals ICL sowie an ORL, einem Raffinerie- und Petrochemiekonzern. Darüber hinaus verfügen sie über Flugzeug-Leasing-Unternehmen, zahlreiche Immobilien sowie Firmen in der Medienbranche (TV-Sender) und Beteiligungen an einer großen Anzahl an Hightech- und Start-up-Firmen.
Gegründet wurde ZIM 1945 von der Jewish Agency und der Gewerkschaft Histadrut. Anfangs lag der Schwerpunkt neben der Fracht noch auf dem Personentransport. Sukzessive baute man die Flotte aus, 1969 wurde die Hälfte der Anteile an die Israel Corporation verkauft. 1970 betrieb ZIM immerhin 77 eigene und 70 gecharterte Schiffe (freilich damals viel kleiner als die heutigen Container- Riesen). 1999 kaufte die Ofer Brothers Group mit dem Erwerb der Israel Corporation zunächst einmal die Hälfte der ZIM-Anteile, fünf Jahre später erfolgte die Gesamtübernahme mit den bis dahin vom Staat gehaltenen Anteilen.
Damit verpflichtete sich der neue Eigentümer allerdings auch zu einer gewissen Loyalität gegenüber dem Staat, es gab eine Art goldener Aktie, die den strategischen Einfluss der Regierung, vor allem in Krisenzeiten, weiterhin sichern sollte. Das sollte etwa auch im jüngsten Krieg mit dem Iran eine Rolle spielen, als israelische Ärzte wegen des geschlossenen Luftraums mit ZIM-Schiffen nach Israel zurückfuhren.
Der Plan für die Integration dieser Verpflichtung mit dem globalen Container- Riesen Hapag-Lloyd sieht so aus: Die goldene Aktie geht auf die neu gegründete Firma „New ZIM“ über, die weiterhin 16 Schiffe betreiben wird, vor allem für die Verbindung Israels mit internationalen Häfen. Dieses neue Unternehmen darf zwar auf die umfassenden Services des weltweiten Hapag-Lloyd-Netzwerks zugreifen, der Einfluss des israelischen Staats bleibt jedoch auf New ZIM beschränkt.


























