„Es brennt quasi an allen Ecken“

Vor wenigen Wochen hatte Maria Lazars Der Nebel von Dybern als Eröffnungsinszenierung der neuen Saison 2023–2024 am Theater Nestroyhof Hamakom seine österreichische Erstaufführung, 90 Jahre nach dessen Uraufführung in Deutschland und 75 Jahre nach dem Selbstmord Lazars im schwedischen Exil. Im Interview mit Ingrid Lang, seit drei Jahren Direktorin des Theaters Nestroyhof Hamakom, und Regisseurin Bérénice Hebenstreit fragt WINA nach den Hintergründen zu Stückauswahl und Inszenierung und deren brennender Aktualität.

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Kriminologisch genaue Annäherung: Die aktuelle Inszenierung am Theater Nestroyhof Hamakom versucht sich dem 1933 uraufgeführten Stück in klaren szenischen Bildern auf unterschiedliche Weise anzunähern. © Marcel Köhler

WINA: Am 28. September habt ihr am Theater Nestroyhof Hamakom mit Maria Lazars Der Nebel von Dybern eure aktuelle Spielzeit eröffnet. Ihr beschäftigt euch jedoch schon mehrere Jahre lang mit der 1895 in Wien geborenen und lange Zeit „vergessenen“ jüdischen Autorin, und das in den für euer Haus typischen sehr unterschiedlichen Formaten.
Ingrid Lang: Das stimmt. Wir beschäftigen uns hier am Theater Nestroyhof Hamakom seit Langem mit dem Werk von Maria Lazar. Die erste Lesung von Leben verboten konnte 2020 realisiert werden; dann sollte eine Lesung von Die Eingeborenen von Maria Blut folgen, die jedoch covidbedingt abgesagt werden musste; und zuletzt haben wir im Frühjahr 2023 Viermal ich vorgestellt. Alle drei Veranstaltungen fanden in Kooperation mit dem Verlag Das vergessene Buch (DVB) statt, in dem die Romane seit 2014 neu aufgelegt wurden. Und natürlich haben wir abseits der Romane auch die Stücke Lazars gelesen und uns gefreut, dass ihre Werke in den letzten Jahren auch an so großen Häusern wie dem Wiener Burgtheater und dem Schauspielhaus Graz wahrgenommen werden.

Wie kam es zur Entscheidung, das 1933, kurz nach Hitlers Machtübernahme in Deutschland, noch in Stettin uraufgeführte, wenige Tage darauf aber bereits wieder abgesetzte Stück für den diesjährigen Saisonauftakt auszuwählen, zugleich auch eure erste Zusammenarbeit?
Lang: Ich habe Bérénice vor einiger Zeit vonseiten des Theaters angefragt, ob sie einmal bei uns etwas machen will. Wir haben über verschiedene Ideen und Stücke gesprochen, und es war ein schöner Zufall, dass sowohl wir, im konkreten Fall Patrick Rothkegel, der das Haus immer wieder dramaturgisch begleitet, wie auch Bérénice zeitgleich an dem Stoff für dieses Stück gearbeitet und es gegenseitig vorgeschlagen haben.
Bérénice Hebenstreit: Ich freue mich sehr, dass ich hier am Haus auch unbekanntere Autorinnen einbringen kann. Das ist an anderen Häusern oft schwierig. Als Patrick Der Nebel von Dybern in die Gespräche einbrachte, war ich zugleich überrascht und glücklich, denn ich hätte, schon allein aufgrund der Größe des Stücks, nicht daran gedacht, es selbst vorzuschlagen, obwohl ich es bereits kannte.

Das Stück ist tatsächlich sehr groß, sowohl was dessen Umfang wie auch die Besetzung betrifft. Wie sieht eure Bearbeitung für das Theater Nestroyhof Hamakom aus?
Hebenstreit: Ja, das Stück hat eine doch beachtliche Größe mit einer opulenten Personage von weit mehr als 20 Figuren und mit sieben Akten auch eine beachtliche Länge, also ein großer Abend, der auch eine große Bühne verdient. Für die konkrete Fassung haben wir aber sehr stark reduziert, und das sowohl in Hinblick auf die Personenanzahl wie auch die Länge der Inszenierung.

Maria Lazar: Der Nebel von Dybern (1932) Österr. Erstaufführung, Eigenproduktion
Regie: Bérénice Hebenstreit. Mit: Sebastian Klein, Aline-Sarah Kunisch, Johanna Wolff
noch bis 21. Oktober 2023, 20 Uhr hamakom.at

Kannst du die Handlung skizzieren und auch, wo du in deiner Interpretation Prioritäten setzt?
Hebenstreit: Das Stück handelt von einer Kleinstadt, in der plötzlich ein Nebel auftaucht, jedoch vorerst ungeklärt bleibt, warum. Es gibt zwei Hauptschauplätze: zum einen das Wirtshaus am Stadtrand, in dem auch die Protagonistin des Stücks, Barbara, lebt, und zum anderen eine nahe gelegene Chemiefabrik. Mit der Zeit wächst der Verdacht, dass der Nebel mit dieser Fabrik etwas zu tun haben muss, ja, das sich dort eine geheime Giftgasproduktionsstätte befindet, in der etwas passiert sein muss – dieser Verdacht löst sich nie restlos auf, doch es bestätigt sich mit der Zeit, dass der tödliche Nebel, der zu schweren inneren Verbrennungen führt, etwas mit einem Unfall in der Fabrik zu tun hat. In Reaktion darauf geht es in dem Stück darum, wie die betroffenen Menschen mit dieser industriellen Katastrophe umgehen und wie sie in dem Moment, in dem sie erkennen, dass es keine Naturkatastrophe ist, sondern eine menschengemachte Katastrophe, reagieren.

© Christine Miess

„Ein Stoff braucht mehrere Interpretationen, um sich halten zu können.“
Bérénice Hebenstreit

Das Stück wird meist als dramatisierte Aufarbeitung der Situation Europas nach dem Ersten Weltkrieg, aber eben auch im Vorfeld des herannahenden neuerlichen Krieges interpretiert. Liest man es heute, ist eindrücklich, wie aktuell es in Hinblick auf die eben von dir beschriebene Situation einer menschengemachten, Leben zerstörenden Umweltkatastrophe ist. Inwieweit gehst du in deiner hoch konzentrierten Inszenierung auf alle diese Themenfelder ein?
Hebenstreit: Mir wurden die komplexen Dimensionen des Stücks tatsächlich erst im Laufe der Arbeit immer bewusster. Die Anspielungen auf den Ersten Weltkrieg liegen schon beim ersten Lesen deutlich auf der Hand, aber die Hinweise auf das damalige geheime Aufrüsten Deutschlands und die enge Verbindung zwischen diesem – damals eigentlich für Deutschland verbotenen – Aufrüsten und der Industrie wie auch die Verarbeitung historisch belegbarer industrieller Unfälle der damaligen Zeit, die sich in Hamburg, aber eben auch in Belgien zutrugen, das alles wurde mir erst im Laufe der Vorarbeiten in dieser umfassenden Dimension bewusst. Natürlich denken wir hier auch aus heutiger Sicht an die menschengemachte Klimakatastrophe – und das Stück verhandelt sehr anschaulich, wie Menschen im Angesicht so einer Katastrophe reagieren und sich schrittweise radikalisieren. Das hat eine unglaubliche Unmittelbarkeit zu unserem heutigen Erleben.

Ihr habt das Stück stark gekürzt und auf drei Darsteller:innen reduziert sowie ein musikalisches Konzept entwickelt. Kannst du dazu etwas erzählen?
Hebenstreit: Ich arbeite in diesem Falle mit zwei Dramaturgen zusammen: dem bereits erwähnten Patrick Rothkegel sowie Michael Isenberg, der für die Musikdramaturgie verantwortlich zeichnet. Dahinter steht das Konzept, den jeweils spezifischen Atmosphären, die sich in allen sieben Akten des Stückes herausarbeiten lassen, Raum zu geben, die Texte also auszudünnen, was der kargen, scharfen Sprache Lazars in meinen Augen auch entspricht und gut passt, und dafür, unter anderem durch Farben, aber eben auch Klang, jedem Akt dessen eigene Atmosphäre sichtwie hörbar zuzuordnen. Dazu kommt, dass Lazar, neben aller Ernsthaftigkeit der Themen, auch über jede Menge Humor verfügt, und auch diesem versuchen wir in der Inszenierung Raum zu geben. Schließlich will ich noch den kriminologischen Moment hervorgeben, der sich durch ihr Werk und so auch durch dieses Stück zieht. Allen diesen Elementen versuchen wir in dieser Inszenierung nachzugehen – und in den Akten nach den jeweiligen zugrunde liegenden Genres zu suchen. Ich habe mich dabei ganz bewusst für nur drei Darsteller:innen entschieden, die in unterschiedlichsten Besetzungen das Stück selbst untersuchen; auch hier kann man von einem fast kriminologischen Vorgang sprechen, denn letztlich geht es ja um einen „Fall“, den es zu untersuchen gilt, der sich um diesen Nebel und Barbara und deren finalen Entschluss, ihr Kind zu ermorden, dreht. Die Entwicklung dieser Frau hat eine Unausweichlichkeit, die sich im Stück erzählt und die wir an diesem Abend mit theatralen Mitteln untersuchen.

© Marcel Köhler

„[…] umso wichtiger ist es, dass man hier gemeinsam von unterschiedlichen Seiten daran arbeitet, diese Autorinnen wieder in
der öffentlichen Wahrnehmung
zu etablieren.“
Ingrid Lang

Dieser Komplexität des Stücks und der in ihm verhandelten Themen geht ihr auch in einer Reihe von Rahmenprogrammen nach. Welche Begleitangebote habt ihr konkret für Der Nebel von Dybern entwickelt?
Lang: Bei jeder Stückauswahl stellt sich die Frage, warum wir einen bestimmten Text hier im Hamakom zum aktuellen Zeitpunkt machen sollten, und bei Maria Lazar treffen so viele gute Gründe zusammen, dass wir versucht haben, dieser Vielzahl an Bezügen auch im Rahmenprogramm zu begegnen. Ein Aspekt ist sicher, dass mir als künstlerischer Leiterin dieses Hauses auch ein feministischer Anspruch wichtig ist; ein anderer ist die Wiedersichtbarmachung vertriebener – auch ermordeter –, vergessener jüdischer Autorinnen; ein weiterer wichtiger Grund, Der Nebel von Dybern jetzt im Hamakom zu zeigen, sind die eben schon erwähnten zahlreichen hochaktuellen Themen, die in diesem Stück verhandelt werden. Es brennt quasi an allen Ecken.

Neben zwei Literaturmatineen zum feuilletonistischen Werk Lazars (am 1.10.) und mit Texten literarischer österreichisch-jüdischer Zeitgenossinnen Maria Lazars (am 15.10.) gab es auch ein Abendpodium (8.10.), bei dem über die paradoxal enge Verbindung von „Zukunftsangst und Geschichtsvergessenheit“ diskutiert wurde. Und es gibt eine neue Reihe hier am Haus, die kurz vor der Premiere begonnen hat und die ihr über die gesamte Spielzeit hinweg fortsetzen wollt. Welche Themen stellt ihr hier ins Zentrum?
Lang: Die neue Reihe haben wir reden über … genannt. Wir wollen damit eine Plattform bieten, um über Themen, die uns gerade bewegen, die eben auch „brennen“, gemeinsam mit unserem Publikum beim Sonntagsbrunch zu diskutieren. Die ersten drei Teile heißen aus gegebenem Anlass reden über … Israel und beschäftigen sich mit der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation dieses Landes, wobei wir zu allen Themenbereichen ausschließlich Gäste direkt aus Israel – zugeschaltet über Video – sowie hier in Wien lebende Jüd:innen als Gesprächspartner:innen auf das Podium einladen. Ein Brunch sorgt für das leibliche Wohl, und unsere Zuschauer:innen sind eingeladen, sich nach dem Podiumsgespräch noch eine Weile im Foyer unseres Theaters auszutauschen. Ein Anliegen dabei ist es mir, dass wir über dieses gemeinsame Austauschen und miteinander Sprechen auch einen Beitrag leisten, um dem erneut stark heranwachsenden Antisemitismus ein Stück weit mit unseren Mitteln und Möglichkeiten entgegenzutreten. Der zweite Vormittag der Reihe, der am 22. Oktober bei uns am Programm steht, wird sich unter dem Titel Kippt die Justizreform Rechte von Frauen? mit der aktuellen Situation in Israel in Hinblick auf die Frauenrechte beschäftigen.
Hebenstreit: Auch in Lazars Der Nebel von Dybern geht es ja zentral um die Frage, wie sich Menschen in einer konkreten gesellschaftlichen Situation entwickeln und zu welchen Schritten sie sich entscheiden. Es geht um Menschen und deren Handlungsmöglichkeiten – oder eben nicht mehr Handlungsmöglichkeiten – innerhalb gesellschaftlicher Strukturen. Lang: Wir haben lange diskutiert, welche Themen, mit denen wir uns, ob in Israel oder hier in Wien, zurzeit beschäftigen, in die Vorbereitungen zu deiner Inszenierung einfließen sollen, und eines davon waren zum Beispiel auch die Klimastreiks und die sich verschärfende Diskussion darüber.
Hebenstreit: Es gibt zum Beispiel diesen Moment im Stück, in dem es darum geht, welche Handlungen strafrechtlich verfolgt werden – und welche nicht. Und gerade diese Frage bringt uns direkt zu der brennend aktuellen Diskussion über die Kriminalisierung der Handlungen von Klimaaktivist:innen. Auf der anderen Seite werden Konzerne, die Leben auf diesem Planeten langfristig verunmöglichen, derzeit eben kaum juristisch verfolgt. Die Frage, die auch im Stück gestellt wird, ist: Wer muss sich verantworten für seine Handlungen und wer nicht?

Stücke wie Der Nebel von Dybern, Diskussionsveranstaltungen, Lesungen – all diese Angebote sind so ungemein wichtig; die Frage stellt sich dir, Ingrid, dennoch vermutlich täglich, wie man als zeitgenössischer Theaterbetrieb nachhaltig gesellschaftspolitisch wirksam werden kann.
Lang: Das ist eine zentrale Thematik, bei der es immer auch darum geht, sich zu fragen, warum man ein Stück aufführt: damit ich recht viel Anerkennung dafür bekomme, sei es, weil die Autorin gerade in aller Munde ist, oder auch das Thema; oder gibt es noch andere Gründe dafür? So ist nicht jede Wahl, die wir treffen, auch kommerziell erfolgreich, und hier fangen dann die Schwierigkeiten an, wenn man versucht, einen eigenen künstlerisch stringenten Weg zu gehen – im Falle unseres Hauses zudem mit dessen nicht von ihm zu trennenden jüdischen Geschichte. Natürlich gibt es auch Stücke wie Schnee von Claudia Tondl, das ich zuletzt inszeniert habe und in dem es um keinen jüdischen Stoff im engeren Sinne geht, sehr wohl aber um Alterseinsamkeit – ein Thema, das uns alle in irgendeiner Weise betrifft, auch wenn sich das viele nicht eingestehen wollen. Doch so sehr ich auch in diese Materien hineingreife, die uns alle – bewusst oder nicht – betreffen: Die Geschichte dieses Ortes, Hamakom, bleibt ein roter Faden, der sich durch die Programmarbeit hier am Haus zieht.

Ein Problem, das ich auch und gerade in Hinblick auf „vergessene“, verdrängte, nie im Kanon „angekommene“ Autorinnen – und viele davon sind jüdische Autorinnen – sehe, ist, dass man sie immer wieder für eine kurze Zeitspanne quasi aus den Laden und Kisten hervorholt, „wiederentdeckt“ – auch wieder spielt –, um sie dann erneut für lange Zeit verschwinden zu lassen. Kann man dem überhaupt nachhaltig entgegenwirken?
Lang: Das ist eine ganz wichtige Frage. Ich habe hier zum Beispiel keine riesige Bühne, kein großes Ensemble und vor allem ein sehr beschränktes Budget; nichtsdestotrotz kann man, wie man an der aktuellen Inszenierung sieht, diesen Text absolut toll und heutig machen und mit einer anderen Phantasie an ihn herangehen, die lohnend ist. Dass dasselbe Stück auch einem anderen Haus, größeren oder kleineren, gespielt wird, ist dann doch wunderbar. Man muss das nicht immer in Konkurrenz betrachten, sondern: Je öfter ein Stück gespielt wird, umso nachhaltiger ist es. Ganz einfach.
Hebenstreit: Hier geht es ganz zentral auch um die Frage der Rekanonisierung, also darum, wie es gelingen kann, den Kanon nachhaltig zu verändern. Es geht darum, dass man Stücke wie jene von Lazar nicht einmal wiederentdeckt, sondern sie immer wieder spielt, sie immer wieder bestätigt. Nur indem sie über dieses „Einmalige“ hinausgehen, von unterschiedlichen Regisseur:innen und Teams interpretiert werden, haben sie überhaupt die Möglichkeit, in den „Kanon“ zu finden. Ein Stoff braucht mehrere Interpretationen, um sich halten zu können.
Lang: Das ist auch ein Plädoyer an Journalist:innen: dass ein Stück, wenn es mehr als einmal inszeniert und interpretiert wird, nicht an Relevanz und Bedeutung verliert, sondern diese gerade dadurch gewinnt.
Hebenstreit: Insbesondere wenn man Stücke auswählt, die nicht oft gespielt werden, hört man dann die Kritik, dass der Stoff stark „in seiner Zeit“ eingebettet ist. Nur: Es gibt keinen Stoff, der nicht in seiner Zeit einbettet ist, es gibt keinen „ahistorischen“ Stoff. Auch jeder „Klassiker“ wäre „veraltet“, hätte er nicht die Chance gehabt, über einen oft jahrhundertelangen Zeitraum immer wieder neu gelesen und interpretiert zu werden. Jede Fassung macht deutlich, wie viel Interpretationsraum jeder Stoff in sich birgt – nur so bleibt er aber auch spannend und „heutig“. Was es braucht, ist also, nicht aufzuhören, darüber zu reden. Im Falle von Maria Lazar ist es ja schon toll, wie lange sie sich „hält“ – es braucht aber noch mehr, um ihr diesen Platz im Kanon zu sichern.
Lang: Nur gibt es da noch eine lange Reihe vieler weiterer Autorinnen, die sich diesen Platz auch verdienen würden und die Anerkennung, die Lazar zurzeit erfährt. Ich war zum Beispiel vor Kurzem in einer großen Buchhandlung in Wien, und auf dem zentralen Büchertisch in der Mitte des für Schüler:innen aufbereiteten Verkaufsraums fand sich keine, und ich betone: keine einzige Frau!
Hebenstreit: Auch in der heutigen Autor:innenschaft gibt es eben noch diese große Ungleichheit – und die zieht sich durch die Genres und die Zeiten. Noch einmal ist daher festzuhalten, dass es wichtig ist, sowohl aktuelle Texte wie eben auch nie oder selten gespielte historische Stücke und Stoffe von Frauen kontinuierlich aufzugreifen und zu zeigen. Ich glaube, dieses Herstellen einer eigenen Geschichte ist absolut wichtig für alle emanzipatorischen Bewegungen. Umso wertvoller ist es, Maria Lazar, wie auch andere Autorinnen, auf die Spielpläne zu bringen.
Lang: Es ist wichtig – und es ist nicht einfach. Es braucht genau diese Wahrnehmung von unterschiedlichster Seite, um „vergessene“ Künstlerinnen wie Maria Lazar nachhaltig wieder bekannter zu machen. Es braucht einfach eine gewisse Zeit, bis lange vergessene Texte wieder präsent sind; umso wichtiger ist es, dass man hier gemeinsam von unterschiedlichen Seiten daran arbeitet, diese Autorinnen wieder in der öffentlichen Wahrnehmung zu etablieren.

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