Bagel, Babka und Budapest-Bäckerei

Am Margaretenplatz gibt es den „Karl“. Und dort das beste Sauerteigbrot.

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© Reinhard Engel

WINA-TIPP
KARL
Margaretenplatz 6, 1050 Wien
Mo.–Fr., 8–16 Uhr; Sa., 8–15 Uhr
Tel.: +43/(0)660/383 77 88

Dieser lauschige, grüne Teil des Platzes könnte in Budapest, Bergamo oder Barcelona sein, aber auch in jeder beliebigen südosteuropäischen Stadt. Doch dieser besondere Karl befindet sich auf dem Margaretenplatz im 5. Bezirk, wo man vom Duft der frischen Bagels, dem warmen Schokogeruch der Babkas förmlich in den kleinen Laden hineingezogen wird.

© Reinhard Engel

Hinter der Theke lächelt das Unternehmerpaar Lena Guggenbichler und Máté Ugaros, das vor zwei Monaten das Lokal als zweites Standbein eröffnet hat. „Üppig gefüllte Budapest Bagels bieten wir seit 2020 in der Lilienbrunngasse 3 im 2. Bezirk an“, erzählt die Wienerin. „Durch Zufall hat ein Bekannter dieses ehemalige Eisgeschäft entdeckt und uns motiviert, hier ein Franchise der in Budapest ansässigen Bäckerei mit erweitertem Angebot zu starten.“ Der Bezug zu Budapest kommt nicht überraschend, denn man hört sehr wohl, dass der private und Geschäftspartner Máté Ugaros ein Ungar ist.

Mit der Bäckerei in Budapest war man schon seit einem Jahr immer wieder wegen des Sauerteigs im Gespräch. „Zuerst wollten wir dieses wunderbare Brot auch im Bagel-Shop in der Lilienbrunngasse einführen, aber das hätte unsere Stammkunden nur verwirrt. Doch dieser Standort ist dafür perfekt“, begeistert sich die Absolventin einer Tourismusschule, die zuvor sieben Jahre in der Personalberatung gearbeitet hat. Sieht sich Lena als Aussteigerin? „Nein, denn mein Stiefvater betreibt das Karl & Otto Café auf dem Karlsplatz, das Otto Wagner im Jahr 1897 als Zwillingshaltestelle erbaut hat. Und 2023 sind wir beide in den Familienbetrieb eingestiegen.“ Und sie erwähnt noch, dass die Partys des legendären Wiener „Kibbutz Klub“ im Otto-Wagner-Bau gefeiert wurden.

„Durch Zufall hat ein Bekannter dieses ehemalige Eisgeschäft entdeckt und uns motiviert, hier
ein Franchise der in Budapest ansässigen Bäckerei mit erweitertem Angebot zu starten..“

Während das „Budapest Bägel“ im 2. Bezirk ausschließlich üppig gefüllte Bagels anbietet, ist das Angebot auf dem Margaretenplatz breiter. Auch hier enthalten die meisten Backwaren Milch – und sind deshalb auch nicht koscher. „Alle Produkte erhalten wir zu Dreiviertel fertiggebacken und tiefgefroren; wir bereiten sie hier auf, die Lieferungen kommen einmal in der Woche“, so die umtriebige Geschäftsfrau. „Wir haben viel Einfluss auf die Entstehung neuer Produkte.“ Zu diesen gehören mittelgroße, mit dunkler Schokolade gefüllte Rugelach (€ 2,90/ Stk.), der Brioche-Zopf (6,90 €, € 2,30/Stk.), Bägel Plain (€ 2,90) oder rund geflochtene Tomato Bullar (3,90 €/Stk.). Köstlich ist das riesige vegane Sandwich aus dem Sauerteigbrot Green Goddess (€ 7,10), und dieses reicht für zwei Hungrige. Der Ziegel Sauerteigbrot kostet stolze € 7,40, das halbe € 3,70.

Für die beliebte Babka (ungarisch Kakaosch) im Ganzen muss man 11,90 € berappen, für ein Stück 3,90 €. Das Rezept der Babka brachten jüdische Einwanderer aus Osteuropa nach 1945 in die jüdischen Viertel von New York. Typisch bei der Babka ist das zopfartige Verflechten der aufgeschnittenen Hefeteigstränge, die dem Gebäck eine besonders hübsche Form geben. Der Kaffee, der von der Kundschaft in der Umgebung geschätzt wird, wird mit den Kaffeebohnen aus der Röstwerkstatt Koun im 22. Bezirk zubereitet. Mit derzeit drei Arbeitsplätzen ist das Bagel-&-Babka-Team gut ausgelastet, dennoch „träumen wir weiter“, verrät Lena: „Vielleicht wird es, analog zum Karlsplatz, noch ein Otto zum Karl dazugeben?“

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