An einen jüdischen Schilehrer erinnern

Mönichkirchen am Wechsel, nicht weit von Wien entfernt, entwickelte sich ab etwa 1900 zu einem beliebten Ort für die Sommerfrische und den Wintersport. Das zog auch jüdische Gäste an. Für einen, der Mönichkirchen zu seiner zweiten Heimat auserkor, möchte eine private Initiative eine Gedenkstätte errichten: für den Tennis- und Schilehrer Kornel Hoffmann.

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Kornel Hoffmann vor dem Hotel Windbichler, später in Hotel Hochwechsel unbenannt – hier soll auch die Gedenkstätte errichtet werden. Foto: Josef Kager

2019 erschien das Buch Eine versunkene Welt: Jüdisches Leben in der Region Bucklige Welt – Wechselland. Der Mönichkirchner Germanist Anton Eder machte sich dafür auf die Spurensuche nach jüdischem Leben bis zur NS-Zeit – und wurde fündig. Mönichkirchen war zwar kein Ort, an dem es eine jüdische Gemeinde gab. Aber mit der Bahnverbindung von Wien nach Aspang kamen jüdische Gäste, und manche schufen sich hier ein neues Domizil. Kornel Hoffmann aber schuf sich eine neue Existenz.
Kornel Hoffmann, der 1881 in Ungarn zur Welt gekommen war, arbeitete zunächst als Bankbeamter in Wien. Als er seinen Arbeitsplatz verlor, wandte er sich dem Sport zu und zog 1922 nach Mönichkirchen. Dort jobbte er als Tennis- und Schilehrer. Eders Recherchen zu Folge dürfte er sogar der erste staatlich geprüfte Schilehrer im Ort gewesen sein. 1930 war er einer der Mitbegründer der Vereinigung der staatlichen Berufsschilehrer von Wien und Niederösterreich.
Nach Mönichkirchen dürfte Hoffmann zunächst über seinen Onkel Ludwig Blauhorn, einen Bankdirektor, gekommen sein, der dort immer wieder als Gast urlaubte. Er kaufte die „Janischhütte“, ein Gästehaus, das zuvor dem Schneidermeister Johann Janisch und seiner Frau Emilie gehört hatte. Er vermietete in der Folge Gästezimmer und gab eben Sportunterricht. Schischulen wie heute gab es damals noch nicht, aber die großen Hotels boten über Schilehrer Unterricht. Hoffmann dürfte Gästen des Hotel Binder das Schifahren beigebracht haben. Mit dessen Besitzer, Karl Binder, der auch der Bürgermeister des Ortes war, sowie Hoteldirektor Fritz Schlagintweit, verband ihn eine Freundschaft.
Ein historisches Foto zeigt Hoffmann vor einem anderen Hotel: dem damaligen Hotel Windbichler und späteren Hotel Hochwechsel. Genau hier, vor diesem Gebäude, möchte die Initiative GKH – Gedenkstätte Kornel Hoffmann auf Gemeindegrund einen Erinnerungsort für Hoffmann errichten, so Peter Halpern von der Initiative. Mit der Machtübernahme der Nazis hatte Hoffmann erneut seine Existenz verloren und war wieder nach Wien gezogen. Von dort wurde er 1942 nach Maly Trostinec deportiert und ermordet.
Im Gemeinderat des 620-Einwohner-Ortes hat man zwischenzeitlich die Verlegung eines Stolpersteins für den von den Nazis ermordeten jüdischen Schilehrer beschlossen, bestätigt Bürgermeister Andreas Graf auf Anfrage. Dafür wurde aber weder ein Ort noch der Text für die Inschrift beschlossen. Man wolle hier auf die Erfahrung des Historikers Werner Sulzgruber zurückgreifen. Er war einer der Mitherausgeber des Buches Eine versunkene Welt.

Die Gedenkstätte soll nicht nur
an Kornel Hoffmann, sondern an jüdisches Leben
in Mönichkirchen vor 1938 erinnern.

Die Initiative GKH findet einen Stolperstein allerdings nicht passend. „Stolpersteine werden gesetzt vor den letzten gewählten Wohnorten der Ermordeten beziehungsweise vor den Sammelwohnungen, von denen sie deportiert und ermordet wurden“, erläutert Halpern. Und Hoffmanns letzter Wohnort war in Wien. Er war zunächst in der Barichgasse 5a in Wien-Landstraße wohnhaft, wurde dann verhaftet und vor seiner Deportation in einer Sammelwohnung in der Leopoldgasse untergebracht, und zwar in der Schmelzgasse 9.
Die Initiative GKH fordert stattdessen eine Gedenkstätte. Diese soll nicht nur an Kornel Hoffmann, sondern insgesamt an jüdisches Leben in Mönichkirchen vor 1938 erinnern. Hier war beispielsweise Lilly Lieser, Freundin von Alma Mahler und Förderin von Arnold Schönberg und Alban Berg, immer wieder anzutreffen. Aber auch die Künstlerin Lilly Steiner zog es wiederholt auf den Wechsel.
Bürgermeister Graf sendet dazu durchaus positive Signale. Er betont gegenüber WINA allerdings, die Errichtung einer Gedenkstätte wäre von der Initiative GKH zu organisieren und umzusetzen − und auch hier würde er im Fall einer Umsetzung gerne Sulzgruber als Berater hinzuziehen.
Bewusstsein darüber, was einmal war, sei im Ort noch nicht sehr verankert, räumt der Bürgermeister ein. „Da es erst seit 2018 zum jüdischen Leben in Mönichkirchen Recherchen gibt, ist dieses Thema hier noch sehr jung. Die Bildung zur allgemeinen Bewusstseinsverankerung würde ich auch in der örtlichen Initiative GKH gut aufgehoben sehen.“

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