„Wer, wenn nicht wir?“

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Seit über zwanzig Jahren veranstaltet Frédéric-Gérard Kaczek das Jüdische Filmfestival Wien. Mit erinnerungswürdigen Momenten verhält es sich da wohl wie mit Woody-Allen-Filme: Es gibt unzählige. Für WINA hat der gebürtige Belgier fünf besondere Ereignisse ausgewählt.

1991 fragte mich Kurt Rosenkranz, der zwei Jahre zuvor das Jüdische Institut für Erwachsenenbildung gegründet hatte: „Kameramänner haben ja nicht viel zu tun – kannst du auch Filme vorführen?“ Quasi die Initialzündung für das Festival.

Meine Eltern mussten 1938 Wien verlassen und konnten nicht verstehen, wie ihr Sohn in diese Stadt zurückgehen und auch noch ein Jüdisches Filmfestival initiieren konnte. Ich habe ihnen gesagt: „Wenn nicht wir, wer soll es dann machen?“  Es war die richtige Entscheidung. Ich wohne seit 1972 in Wien und habe noch niemals privat oder beruflich antisemitisch motivierte Anfeindungen erfahren.

Vor einigen Jahren wurde uns von Seiten der IKG vorgeworfen, dass wir auch pro-palästinensische Filme im Programm hätten. Ich erklärte, dass die Filme ja sowieso überall laufen und es beim Festival zumindest Gelegenheit gäbe, anschließend mit den Filmemacherinnen und –machern zu diskutieren. Unter anderen riefen Doron Rabinovici und Ruth Beckermann daraufhin eine Initiative gegen Zensurierung ins Leben – die übrigens auch mit den Grundstein für das Magazin WINA legte.

Aber es gibt auch an anderer Stelle Handlungsbedarf für Filmschaffende: Beim Filmfestival in Cannes fragte ich eine Delegation aus dem Libanon, welche Filme sie machen. Sie erklärten, dass sie es mir gerne zeigen würden, aber explizit keine jüdischen Festivals beschicken dürfen.

Schwerpunktthema des diesjährigen Festivals ist „Flucht & Exil“. Uns hat damit quasi die Rea-lität überrollt. Als ich hörte, dass die IKG Spenden sammelt und die Summe verdoppeln wird, war ich sehr glücklich. Vor allem, weil das Geld der Caritas anvertraut wird, die damit Menschen aller Natio-nalitäten und Religionen, also auch vielen Menschen aus dem arabischen Raum, helfen kann.

Das vierzehntägige Jüdische Filmfestival Wien zeigt Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Animationsfilme mit jüdischer Thematik. Als gemeinsamer Nenner sollen die Filme das jüdische Leben der Protagonisten und/oder der Schöpfer thematisieren, unabhängig von den Produktionsländern, die auch Israel und Palästina heißen können. Noch bis 22. Oktober.
jfw.at

Bild: © KFLECT

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