Die Hoffnung auf ein besseres Leben

Noch toben Kampfhandlungen, Zerstörung, Unmenschlichkeit in der Ukraine, da tun sich neue, unsagbare zivilisatorische Katastrophen auf.

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Drüben, beim blumengeschmückten Spirit House, am Rand des tropischen Gartens, brennen Räucherstäbchen. Eine vielköpfige Wesenheit wacht in alle Himmelsrichtungen; während sich im Nahen Osten menschengemachte Höllen auf Erden auftun. Bilder, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen, begleiten uns seit Wochen. Und selbst nur mit Worten Beschriebenes reißt klaffende Wunden in unsere Vorstellungskräfte. Terror, Krieg; Verwundete, Verstümmelte, Tote und unzählige Menschen auf der Flucht.

Noch toben Kampfhandlungen, Zerstörung, Unmenschlichkeit in der Ukraine, da tun sich neue, unsagbare Abgründe auf historisch umkämpften Gebieten auf. Gräuel folgen auf Gräuel. Es ist und bleibt unbegreiflich, übersteigt das Fassungsvermögen. Information und Desinformation, Berichterstattung und Propaganda fetzen uns um Augen und Ohren, lähmen unsere Sinne. Archaisches, überwunden geglaubtes Misshandeln und Morden erschüttert die Welt.

Was für unvorstellbare menschliche Abgründe, was für ein Wahnsinn! Das offizielle Thailand trauert indes um die in Israel getöteten Landsleute. Ihre toten Körper sind in Särgen aufgebahrt. Vom Wunsch nach einem besseren Leben, der Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft in ihren Heimatgebieten getragen, arbeiteten sie in landwirtschaftlichen Betrieben im gelobten Land.

30.000 Arbeiter:innen sind geschätzterweise in Betrieben auf israelischen Feldern tätig. Tausende von ihnen sind, so heißt es, offensichtlich offiziell nicht registriert. Zwei Dutzend befinden sich unter den in den Gazastreifen entführten Menschen.

„All tremble at violence; all
fear death. Putting oneself in
the place of another, one should
not kill nor cause another to kill.“
The Buddha

Ein Mönch leitet die religiöse Zeremonie in Bangkok, die israelische Botschafterin zollt den Toten mit einem Wai ihren Respekt.

In Südostasien finden die aktuellen Geschehen und die lebensverachteten Perversionen und Beben der Aggressionen, die sie auslösen, kaum medialen Niederschlag. In Thailand covert die Bangkok Post die Thematik vorrangig bezüglich der nationalen Betroffenheit. Vertreter der Regierung sind am Verhandeln mit den Entführern.

Mütter zeigen auf Smartphones Fotos ihrer Söhne, deren Schicksal ungewiss ist. Die Angehörigen wissen nichts über ihren Verbleib; sie kennen den historischen Konflikt meist nicht, haben keine Ahnung von politischem Kalkül, perfiden Strategien, fanatischen Überzeugungen und ideologischen Machtinteressen. Sie wissen ebenso wie wir alle nicht, was in dieser Horrorgemengelage gegenwärtiger Eruptionen entfesselter Gewalt getan werden kann, um Schritte aus dieser komplexen und ausweglosen zivilisatorischen Katastrophe zu setzen, Hoffnung, Friede und Perspektiven zu schaffen.

So viele Zukünfte, so viele Hoffnungen so vieler Menschen in Israel, der Ukraine, in anderen Weltgegenden jenseits von Nationalitäten, Glaubensvorstellungen rund um den Globus sind erschüttert, gefährdet, zerstört.

Das Gefühl der Ohnmacht ist omnipräsent, es geht einher mit jenem der Angst und der Trauer.

Ein Foto zeigt den Rohbau eines einfachen Hauses in Isan, der ganze Stolz eines jungen Thais. Das Symbol einer erhofften Zukunft für sich und seine Familie ist nun verwaist.

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