Eine Synagoge für Ljubljana

Dank der Initiative des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, wurde in der Hauptstadt Sloweniens eine Synagoge eröffnet, um auch in Zukunft aktives jüdisches Leben zu ermöglichen.

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Rabbi Ariel Haddad, Präsident Elie Rosen sowie internationale Vertreter aus Politik, Religion und Gesellschaft kamen zur Eröffnung der neuen Synagoge des Verbandes der jüdischen Gemeinden von Graz und Laibach. © Eli Rosen

Schon im 5. Jahrhundert n.u.Z. gab es in Slowenien jüdische Siedlungen, die hauptsächlich in und um Maribor lagen. Die erste Synagoge in Ljubljana wird 1213 erwähnt, als es Juden erlaubt wurde, das linke Ufer des Flusses Ljubljanica zu besiedeln. Noch heute erinnern Straßennamen aus dieser Zeit. Der slowenische Name Ljubljana wird als „geliebte Stadt“ übersetzt, obwohl es auch die weniger romantische Erklärung gibt, wonach die Stadt nach dem lateinischen Flussnamen Aluviana benannt wurde. Im deutschsprachigen Raum blieb auch der historische deutsche Name Laibach aus dem 12. Jahrhundert erhalten.

Obwohl in Slowenien nie mehr als 1.000 Juden lebten, unterscheidet sich ihre Geschichte über die Jahrhunderte nicht von der, die Juden in ganz Europa erleben mussten. Antisemitismus, Vertreibung und Tötung zeichnen das traurige Bild auch dieser jüdischen Gemeinde. Ab 1945 gab es immer wieder Versuche, jüdisches Leben in Slowenien auszubauen, es scheiterte aber immer wieder am Geldmangel. Diese zarten Versuche einer Wiederbelebung jüdischen Lebens wurden brutal durch den Bürgerkrieg 1991 vernichtet. Jüdische Sehenswürdigkeiten, Synagogen und Gedenkstätten wurden zerstört, jüdische Menschen flüchteten nach Italien.

»In Slowenien sind Schächten und Brit
Mila untersagt, daher können wir als Möglichkeit
diese traditionellen Riten in Graz oder Triest anbieten.«
Elie Rosen

Trotz des schmerzvollen Rückschlags errichteten slowenischen Juden 1991 ein winziges jüdisches Gemeindezentrum in einem Tabakgebäude in Ljubljana. Seitdem interessieren sich immer mehr Menschen für das jüdische historische Erbe Sloweniens. Vor allem israelische Touristen besuchen Slowenien auf den Spuren jüdischen Lebens. Rabbi Ariel Haddad wurde 1993 Rabbiner in Triest und besuchte seit dem Jahr 2000 regelmäßig auch die kleine Gemeinde in Ljubljana. Einmal, als er vor Pessach zur örtlichen Gemeinde kam, wurde er eingeladen, den vielleicht ersten Seder in Slowenien seit dem Krieg zu halten. „Sowohl in Triest wie auch in Ljubljana leidet die Gemeindearbeit unter denselben Problemen: die Überalterung der Mitglieder und das Desinteresse junger Juden. Obwohl Triest seit über 500 Jahren eine jüdische Gemeinde hat, wird es immer schwerer, die Mitglieder zu jüdischem Gemeindeleben zu motivieren.“ Der große Wunsch der kleinen jüdischen Gemeinde in Slowenien, jüdische Kultur wieder aufleben zu lassen, hat bewirkt, dass der in Rom geborene Rabbi Haddad 2003 Rabbiner von Slowenien wurde. Auf den ersten Blick ist Rabbi Haddad eine seltsam widersprüchliche Ergänzung slowenisch-jüdischer Kultur. Juden von Ljubljana sind mehrheitlich säkular, ihre Verbindung zur strengen Orthodoxie ist seit Langem nicht mehr vorhanden. „In Slowenien hat die politische Geschichte viel verhindert“, erklärt der Rabbiner. Ariel Haddad ist ein Chabadnik, ein Absolvent einer New Yorker Jeschiwa mit schwarzem Hut und einem langen, struppigen Bart, den er beim Denken streichelt. Er wohnt mit seiner Frau, sieben Söhnen und einer Tochter in Triest, ist Mitglied der Lubawitscher chassidischen Schule und glaubt fest daran, dass „mit einer Thoraschule jede jüdische Gemeinde blühen kann“. Haddad ist es wichtig, jüdische Tradition und Religion für alle zugänglich zu machen. „Eine g-ttliche Fügung hat mich mit Präsident Elie Rosen zusammengebracht“, erklärt der 54-jährige Rabbiner.

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Die Zusammenarbeit der jüdischen Gemeinden Ljubljana und Graz kann auf eine fast zwei Jahrhunderte alte Vergangenheit blicken. Die historischen Wurzeln gehen bis in das Jahr 1880 zurück, und bis heute verwahrt die Grazer Gemeinde alle wichtigen Dokumente für die Gemeinden in Slowenien. Auch die Standesregister der Juden Ljubljanas werden bis heute im Archiv der Jüdischen Gemeinde Graz aufbewahrt. „Als ich vor einem Jahr feststellen musste, dass das kleine Büro der jüdischen Gemeinde in Ljubljana nicht mehr existierte, wollte ich diesen Zustand nicht auf sich beruhen lassen, und so planten wir gemeinsam mit Rabbiner Haddad den Neubau der jetzt eröffneten Synagoge.“
Im August 2021 wurde auf Initiative von Elie Rosen der Verband der jüdischen Gemeinden Graz und Ljubljana begründet. „Diese grenzüberschreitende Kooperation ist einzigartig für Europa und bietet beiden Gemeinden und ihren Mitgliedern die Möglichkeit der Erhaltung und Entfaltung jüdischer Werte sowie der Entwicklung jüdischen religiösen Lebens und der Bekämpfung des Antisemitismus“, erläutert Präsident Rosen den neuen Zusammenschluss.

Am 9. November 2021 wurde mit einem Festakt die Synagoge des Verbandes der Jüdischen Gemeinden von Graz und Laibach eröffnet. Das 220 Quadratmeter große Bethaus liegt in einem Wohnhaus im Zentrum der slowenischen Hauptstadt. Präsident Elie Rosen und die Jüdische Gemeinde Graz werden die Administration der Jüdischen Gemeinde Sloweniens weiterhin mitbetreuen. „In Slowenien sind Schächten und Brit Mila untersagt, daher können wir als Möglichkeit diese traditionellen Riten in Graz oder Triest anbieten.“

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Rabbi Ariel Haddad bewundert die Initiative von Präsident Elie Rosen, dieses Thema auch bei der slowenischen Regierung bereits zur Sprache gebracht zu haben. „Slowenien ist das einzige Land in Europa, dass diese jüdischen Traditionen verbietet“, erklärt Elie Rosen.
Erst durch die einzigartige Gründung des offiziellen Verbandes zwischen den beiden Gemeinden im Jahr 2021 war eine Durchführung des Synagogenbaus möglich. „Wir mussten nicht sehr viel renovieren und haben mit österreichischen Firmen in wenigen Monaten das Bethaus fertig gestellt.“ Anlässlich der Eröffnung hob Moshe Kantor, Präsident des European Jewish Congress, in seiner Rede die wertvolle Arbeit und den Einsatz beider Gemeinden hervor, die jüdisches Leben in Slowenien weiterbeleben werden.
Das Datum für die Eröffnung am 9. November, dem Gedenktag der Novemberpogrome, wurde bewusst gewählt. Zur feierlichen Zeremonie kamen der slowenische Staatspräsident, Borut Pahor, der Erzbischof der katholischen Kirche, Stane Zore, der Mufti von Slowenien, Nevzet Pori , und zahlreiche weitere hochrangige internationale Vertreter:innen aus Politik, Religion und Gesellschaft, darunter auch die österreichische Botschafterin Elisabeth Ellision-Kramer.

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