LEBENSLANGES LERNEN

Für alles gibt es ein erstes Mal, aber auch ein letztes! In diesem Monat erzählt uns der Rapper, Autor und Aktivist Ben Salomo über Battles mit einer Fünfjährigen und Doubletime in der Synagoge.

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© Thomas Koehler/photothek.net

Ben Salomo, 1977 in Rechovot als Jonathan Kalmanovich geboren, lebt seit über vierzig Jahren in Berlin und bezeichnet sich selbst als „Israeli mit Integrationshintergrund“. Als Rapper und Veranstalter wurde er bekannt, 2018 kehrte er, nach einem antisemitischen Zwischenfall bei der Echo-Verleihung, der Hip-Hop-Szene den Rücken.
2019 veröffentlichte der 45-Jährige seine Autobiografie Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens*, in der er sich unter anderem mit dem Antisemitismus im Deutsch-Rap auseinandersetzt. Eine überarbeitete Neuauflage erscheint heuer im November. Dem gesamtgesellschaftlichen Problem Rassismus stellt er sich auch aktiv entgegen, hält Vorträge und Workshops an Schulen.
bensalomo.de

Das letzte Mal,

dass ich ein Battle gegen meine Tochter verloren habe, war …
gestern. Es ging darum, ein zum Wetter passendes Kleidungsstück zu tragen … Meine
Tochter ist knapp sechs Jahre – und ich muss gestehen, dass ich gegen sie eigentlich fast alle Battles verliere.

Das letzte Mal, dass ich auf einen Reim von mir richtig stolz war, war …
Es gibt bei jedem Song einen Rhyme oder eine Line, die man so richtig abfeiert.

Das letzte Mal, dass mir ein Song etwas über das Leben beigebracht hat, war …
Es gibt ein Lied von Hanan BenAri, bei dem es darum geht, dass er seinen Kindern wünscht, immer fröhlich zu sein und dass sie keine seiner Narben erben mögen. Das hat mich sehr berührt.

Das letzte Mal als „Sohn des Friedens“ gefühlt habe ich mich …,
wenn ich bei Schulveranstaltungen oder Vorträgen auf Menschen mit verschiedenen Hintergründen treffe und es dort schaffe, Verständigung, Dialog und Empathie aufzubauen und man plötzlich merkt, dass bei aller Unterschiedlichkeit doch so viel Gemeinsamkeit existiert.

Das letzte Mal, dass ich dachte, Rap und Judentum passen klasse zusammen, war …
Das passiert immer, wenn ich in die Synagoge gehe! So schnell, wie die Vorbeter es schaffen, die Verse aus den Gebetsbüchern vorzutragen – das erinnert mich schon stark an Doubletime-Rap!

Das letzte Mal, dass ich etwas von den Kids aus meinen Workshops gelernt habe, war …
Ich lerne eigentlich immer etwas, vor allem beeindruckt mich, wie manche Jugendliche mit ihrer Fluchtgeschichte umgehen. Aber grundsätzlich würde ich sagen: Ich lerne jeden Tag
und von jedem Menschen etwas.

* Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens erscheint im November in einer überarbeiteten Neuauflage in der Reihe Europa Pocket im Europa Verlag.

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