Lueger als Elefant

Es gibt für alles ein erstes Mal – aber auch ein letztes. In dieser Ausgabe berichtet uns der deutsche Publizist, Lyriker und Podcast-Gestalter Max Czollek über Figuren im Berliner Zoo, eine Schublade mit Frühling und ein Superspray.

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© Björn Kuhligk

Max Czollek, geboren 1987, ist Autor (aktuelles Buch: Versöhnungstheater) und lebt in Berlin. Er ist Mitherausgeber des Magazins Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart und
seit 2021 Kurator der Coalition for a Pluralistic Public Discourse (CPPD) für eine plurale Erinnerungskultur. Mit der Journalistin und Autorin Hadija Haruna-Oelker macht er sich monatlich im Podcast Trauer & Turnschuh laut und klug Gedanken darüber, was in der Vergangenheit vergessen und verdrängt wurde – und wie man gemeinsam als Gesellschaft weitergehen will. z. B. über podigee.io

 

Das letzte Mal,

dass ich gerne etwas aus meiner Vergangenheit vergessen hätte, war …
Wenn man, wie ich, politische Texte macht, dann kommt es auch zu Konflikten. Und diese Konflikte häufen sich über die Zeit an und stehen dann unerledigt in der Gegend rum, wie in einem unaufgeräumten Keller. Manchmal finde ich das schade und würde das gern vergessen. Aber dann erinnere ich mich, dass die Leute sich auch einfach besser benehmen könnten, und mache weiter.

Das letzte Mal, dass ich etwas aus der Vergangenheit erfahren und etwas Spezielles daraus gelernt habe, war …
In einem Buch über Berliner Stadtgeschichte habe ich zufällig erfahren, dass die Figuren, die im Tierpark Friedrichsfelde (dem Zoo in Ostberlin) stehen, in den 1950erJahren aus dem Metall der Stalinstatuen angefertigt wurden, die vorher auf der Karl-Marx-Allee im Friedrichshain standen, die ja damals Stalinallee hieß. Vielleicht auch eine Idee für die Frage, was aus Statuen von Leuten werden sollte, deren Politik man nicht mehr teilt. Jener des Problembürgermeisters Karl Lueger beispielsweise.

Das letzte Mal, dass ich mich auf die Zukunft gefreut habe, war …
In Berlin sieht man die Sonne ja manchmal monatelangnicht. So lange, dass man ganz vergisst, wie sich der Frühling anfühlt. Als der dann dieses Jahr sehr spät seine ersten Signale gesendet hat, habe ich mich gefreut, dass es endlich wieder wärmer wird. Als würde man eine Schublade aufziehen, und drin liegen all die warmen Erinnerungen.

Das letzte Mal, dass ich über etwas traurig war, war …
Der Beginn der Invasion in die Ukraine am 24. Februar 2022 hat mich nachhaltig traurig gemacht.

Das letzte Mal, dass ich mich fit wie ein Turnschuh fühlte, war …
Nachdem mir eine Freundin einen neuen Heuschnupfen-Spray verschrieben hat. Ich fühle
mich seitdem wie ein neuer Mensch!

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