Laut, bunt, ausgelassen – die jüdische Gemeinde Wien feiert Straßenfest in der Innenstadt

Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen feierte die jüdische Gemeinde Wien am Sonntag das inzwischen schon traditionelle Straßenfest am Judenplatz. Mehr als 40 Einrichtungen und Abteilungen der Kultusgemeinde, jüdische Organisationen und Vereine, aber auch die Polizei mit einem Stand zur Initiative „Gemeinsam sicher“, die israelische Botschaft oder das Jüdische Museum Wien waren vertreten. Auf der Bühne sorgten die Brüder Meirov Band und die Noya Showband für ausgelassene (Tanz)Stimmung, das gastronomische Angebot bot jede Menge Gelegenheit, Koscheres zu kosten.

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Beim Straßenfest gibt es die niederschwellige Möglichkeit für Nichtjuden und Nichtjüdinnen, mit dem Judentum in Kontakt zu kommen. Das ist auch eine der Intentionen des Events, betonte IKG-Vizepräsidentin und Vorsitzende der IKG.Kultur Claudia Prutscher, die dieses Fest organisierte. „Dass wir dieses Fest in der Öffentlichkeit machen, dient genau diesem Zweck: Sich zu öffnen, den Menschen zu zeigen, wie schön und vielfältig die jüdische Kultur ist und dass alle eingeladen sind, uns kennenzulernen.“ Auch das sei ein Beitrag, Vorurteile auszuräumen und damit Antisemitismus entgegenzuwirken. Aber natürlich sei es auch ein Fest für die Community.

Genau das trägt wohl auch zur ausgelassenen Stimmung bei: So muss es sich anfühlen, wenn ein Dorffest begangen wird. Alle paar Meter kommen einem Bekannte entgegen – umso schöner ist es dann auch, wenn, so wie heuer, das Wetter mitspielt und sich niemand vor dem Regen in Sicherheit bringen muss.

IKG-Präsident Oskar Deutsch mit Vizepräsidentin Claudia Prutscher und Vizepräsidenten Michael Galibov (c) IKG/Schmidl

„Die allermeisten Fragen, die Menschen hier an mich richten, sind Fragen zu den Speisevorschriften“, erzählte Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister, der gemeinsam mit Oberrabbiner Jaron Engelmayer den Stand des Rabbinats besetzte. Dort wurde auch Wein angeboten, daher wohl auch die oft nahe liegende Frage, was denn nun den Wein koscher macht. Manche Personen würden aber auch fragen, ob Alkohol nicht verboten sei.

Besonders beliebt war heuer wieder der Stand der WIZO – dort wird traditionell jede Menge selbst gebackener Kuchen angeboten. Der Verkaufserlös kommt zwei Tagesstätten in Israel zu Gute, in denen vorrangig Kinder zwischen sechs Wochen und drei Jahren von äthiopischen Zuwanderern betreut werden, sagte Caroline Shklarek-Zelman. Das ermögliche den Müttern auch, berufstätig zu sein. Besonders beliebt sind beim Straßenfest Kuchenstücke mit kleinen israelischen Papierflaggen. „Die bringen wir extra aus Israel mit.“ Eine andere Flagge zierte heuer den Stand der Jugendorganisation HaShomer HaTzair: Passend zum Pride Month wurde eine Regenbogenfahne aufgehängt.

Fotos über Fotos jüdischer Sehenswürdigkeiten schmückten indessen den Auftritt des Jewish Info Point. Und wofür interessierten sich die meisten Menschen? „Für den Stadttempel“, sagte Viktor Zirelman, Leiter des Info Point. Tmicha bemühte sich auch hier im Sinn der Gemeinde um Spenden (verkauft wurden etwa poppige Tassen und Küchenschürzen), die Nachbarschaftshilfe informierte über ihre Aktivitäten.

Anziehungspunkt für Kinder waren Bastelstationen unter anderem beim Stand der Zwi Perez Chajes-Schule oder des Jüdischen Beruflichen Bildungszentrums (JBBZ). Vor der Misrachi war eine Hüpfburg aufgestellt und schrägt gegenüber lockte das Jüdische Museum mit einem Mini-Wuzzler. Der stand da nicht ohne Grund: Die nächste große Ausstellung am Standort Dorotheergasse wirft ihre Schatten voraus. Der Titel: „Superjuden. Jüdische Identität im Fußballstadium“. Und was war bei den Besuchern des Museumsstand vor allem von Interesse? „Die Leute fragen nach, was sich an unseren Standorten alles tut“, verriet Museumsdirektorin Barbara Staudinger.

Direktorin Barbara Staudinger beim Mini-Wuzzler vor dem Eingang des Jüdischen Museums.

Für IKG-Präsident Oskar Deutsch ist es vor allem wichtig, dass nicht mehr über Antisemitismus in Verbindung mit der IKG gesprochen wird, sondern das jüdische Leben im Mittelpunkt steht, wie er in seinen kurzen Eröffnungsworten erklärte.

Und genau das war auch das Straßenfest 2023: Ein kräftiges Zeichen jüdischen Lebens, das auch die Vielfalt innerhalb der Gemeinde aufzeigte – von jung bis alt, von liberal bis orthodox, von rabbinischer Literatur bis zu Schmuck und Kunsthandwerk war alles vertreten und hat gemeinsam bis in den sommerlichen Abend Wiens hinein gefeiert.

Die Kinder spielten bunt-gemischt und ausgelassen bis in den Abend hinein.

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