Wie Träume in Israel wahr werden können

Ihr Hallelujah begeisterte zuerst beim Geburtstagsfest für Israel im Wiener Rathaus. Einige WIZO-Damen hatten Hagit Yaso in Israel gehört und zum Event nach Wien eingeladen. Schon tags darauf fand ihre Interpretation von Leonard Cohens Song bei der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem weltweite Resonanz. „Sie war die perfekte Wahl“, kommentierte Der Spiegel den Auftritt der zarten 28-Jährigen. Ihre fast märchenhafte Story vom Kind äthiopischer Flüchtlinge zum Star beeindruckte auch beim Treffen in Wien.

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Zielstrebig: Der Glaube, dass Kindheitsträume wahr werden können, hat auch Hagit später Mut zur Verwirklichung ihres eigenen Traumes gemacht. © Daniel Shaked; Flash 90

In seiner Hochzeitsnacht macht sich ein blutjunges Paar 1980 zu Fuß auf den Weg aus einem kleinen Dorf im Norden Äthiopiens ins Gelobte Land. Nur im Schutz der Nacht wandernd, erreichen sie mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter nach Monaten den Sudan und werden von dort in einer israelischen Militärmaschine nach Israel ausgeflogen.

„Es war der Traum meines Vaters, der mit acht Jahren Waise wurde, Jerusalem zu erreichen, im Andenken an seine Eltern, aber auch für seine Nachkommen“, erzählt Hagit Yaso, eines seiner fünf schon in Israel geborenen Kinder.

Der Glaube, dass Kindheitsträume wahr werden können, hat auch Hagit später Mut zur Verwirklichung ihres eigenen Traumes gemacht.

Vom äthiopischen Dorf der Eltern zu einer internationalen Karriere liegt eine wundervolle Erfolgsgeschichte der Integration, wie sie in Israel eben möglich ist.

Aufgewachsen ist Hagit in einer Einwanderersiedlung in Sderot – mit dem Donnern von Raketen aus dem nahen Gaza und den religiösen Gesängen ihres Vaters. Und sie besuchte dort einen WIZO-Kindergarten, den ersten, der raketensicher ausgestattet war.

»Es war der Traum meines Vaters,
der mit acht Jahren Waise wurde,
Jerusalem zu erreichen,
im Andenken an seine Eltern,
aber auch für seine Nachkommen.«
Hagit Yaso

„Die Raketen werden uns nicht töten“, beruhigt der fromme Vater das verängstigte Mädchen. Ja, sie ist religiös erzogen und „Baruch ha Schem“, wie sie lächelnd sagt, so geblieben.

Im Chor gesungen hat sie schon in den ersten Klassen der Schule, bald ist sie vor Publikum aufgetreten, und auch ihren Militärdienst hat sie singend verbracht, in der höchst angesehenen musikalischen Einheit, aus der schon viele Stars Israels hervorgegangen sind.

Beeindruckt. Israels Präsident Schimon Peres gratulierte Hagit Yaso zum Gewinn der TV-Show A star is born – hier gemeinsam mit ihrer Familie. ©Flash 90

Karrierestart. Kokhav Nolad – A Star is born heißt die kultige Castingshow des israelischen TV-Kanals 2, in der seit vielen Jahre musikalische Talente entdeckt werden. Dort aufzutreten, war bereits ihr Traum als Kind, erzählt Hagit, und nach der Armee bewarb sie sich, wurde eingeladen und gewann 2011 haushoch. Dieser Erfolg und ihre Background-Story als erste Sängerin äthiopischer Abstammung in diesem Bewerb waren so überzeugend, dass sie der damalige Staatspräsident Schimon Peres gemeinsam mit ihren Eltern privat in seine Residenz einlud.

Seit diesem Karrierestart ist sie nicht nur in Israel berühmt, sondern trat auch bereits in Amerika und Europa auf. Israelische Lieder, religiöse Gesänge der „Misrachim“, internationale Songs, auf Hebräisch, Marokkanisch und Englisch, so beschreibt sie ihr breites Repertoire, von Avinu, Avinu bis Killing me softly.

Once in a lifetime. Und, weil das Glück auf ihrer Seite zu sein scheint, hat sie im Februar der neue amerikanische Botschafter David Friedman bei einem Auftritt in Jerusalem quasi für sich entdeckt.

„Zwei Tage danach hat er mich persönlich zu sich eingeladen und mich gebeten, beim Festakt zur Eröffnung der neuen US-Botschaft in Jerusalem zu singen. Für mich ein Once-in-a-lifetime-Event, ein Millionenpublikum! Bei dem Treffen haben wir gemeinsam überlegt, welche Lieder ich dort singen soll. Wir entschieden uns für Hallelujah!

Mit dem Friedenslied Od Javo Schalom Aleinu auf Arabisch, Hebräisch und Englisch trat Hagit Yaso am 14. Mai in Jerusalem von der Bühne ab und soll, so will es Der Spiegel wissen, am nächsten Tag, als Sderot, wo sie noch immer mit ihren Eltern lebt, wiederum von der Hamas beschossen wurde, zum Beten gegangen sein. 

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