Café Bellaria: So geht Kaffeehaus heute

Originelle leichte Gerichte und quirliges Lebensgefühl bietet dieses moderne „Wohnzimmer“.

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Fot. Reinhard Engel

WINA- TIPPCAFÉ BELLARIA
Bellariastraße 6, 1010 Wien
+43/(0)1/522 60 85
cafebellaria.at

Junge Burgtheater-Schauspieler relaxen mit Familienanhang an einem langen Ecktisch. Es riecht nach frischem Brot und Eiern. Von der Stimmung her weiß man nicht genau, ob sie sich hier vor oder nach einer Probe stärken oder vielleicht sogar vom Abend davor übrig geblieben sind? Daneben freuen sich vier junge Frauen über ihren sprudelnden Prosecco. Ein ungarisches Touristenpärchen tuschelt mittendrin und bearbeitet gleichzeitig hoffnungsvoll ihre Rubbellose. Willkommen im neugestalteten Café Bellaria.
Am Eck Bellariastraße/Hansenstraße gelegen, ist es das älteste noch immer betriebene Kaffeehaus Wiens. Eröffnet wurde es 1870 in einem Gründerzeithaus: Stammgäste kamen aus dem Justizpalast gegenüber, dem Parlament ebenso wie aus den nahegelegenen Museen und dem Burg- und Volkstheater. Die alten Wände bergen sicher viele Geheimnisse und pikante Anekdoten. Taufpate des Café Bellaria (nicht koscher) ist Kaiser Franz Joseph: Der Name des Cafés stammt von einer Rampe zur Hofburg, die für Kaiserin Maria Theresia um 1741 gebaut worden war. Wozu? Damit Ihre Majestät ohne Stiegensteigen mit der Kutsche vor ihre Gemächer fahren kann. Wegen der guten Luft, der „Bellaria“ eben, soll der Kaiser dort gern spazieren gegangen sein.

„Wir beleben das Wiener Kaffeehaus neu
– nicht als Museum, sondern als Lebensgefühl.“
David Figar

Seit Kurzem wird hier ein neues Kapitel geschrieben: Ob die Luft auf den beiden straßenseitigen Terrassen des Lokals noch heute so gut ist? Jedenfalls ist der hohe Innenraum äußerst einladend: Unterhalb der eindrucksvollen Stuckaturkuppel und den Rundbogenfenstern windet sich eine helle Neonschlange dahin, während die knallroten Thonet-Sessel und vor allem eine Wandverkleidung aus grauen Schieferlamellen einen augenzwinkernden Kontrast erzeugen.
Ende 2020 verabschiedete sich Betreiber Charly Kotzina nach 42 Jahren in die Pension. Große Fastfood-Ketten ritterten um diesen Standort. Zum Glück für die heutigen Gäste erhielten zwei junge einfallsreiche Gastronomen den Zuschlag: David Figar, seit 2013 Gastronom und Hausherr des Figar in der Kirchengasse, und Rubin Okotie, der 33-jährige ehemalige Fußballspieler der österreichischen Nationalmannschaft. „Gesunde Ernährung spielte immer eine Rolle. Auch deshalb wählte ich privat den veganen Weg“, erklärt Okotie, der bereits mit seinem Restaurant Plain im Servitenviertel ein trendiges Lokal betreibt. Im Café Bellaria punkten die beiden mit einem erfrischenden Konzept – und dieses wurde vom Tag eins an positiv aufgenommen.

Lachs-Teriyaki-Bowl: gegrillter Lachs, Sushi-Reis, Avocado, Ingwer, Fenchel, Rotkraut, Karotten und hausgemachte Teriyaki-Sauce.

Bei der kulinarischen Vereinigung wollen sie mit einer internationalen Fusionsküche und einem All-Day-Concept ab 7:30 Uhr nun das Beste aus der Plain- und der Figar-Welt kombinieren. Zu den morgendlichen Muntermachern zählen Eggs Florentine (English Muffin, zwei pochierte Bioeier, sautierter Babyblattspinat, hausgemachte Bio-Sauce-Hollandaise) und Eggs Royal auf Croissant (Eierspeise aus zwei Bioeiern, geräucherter Lachs, frische Kräuter) um je € 10,50. Vegan gibt es zwei Angebote: den Avocado-Toast mit sautiertem Babyblattspinat, Avocado, Tomaten-Concassée um € 9 (dazu bietet man auch Räuchertofu um € 2 extra) und den Passionsfrucht-Porridge aus Biohaferflocken, Kokosmilch, Passionsfrucht, Bananen, frischen Beeren sowie karamellisierten Nüssen.
Da Bowls nicht mehr fehlen dürfen, gibt es eine köstliches Lachs-Teriyaki-Bowl mit gegrilltem Lachs, Sushi-Reis, Avocado, Ingwer, Fenchel, Rotkraut, Karotten und hausgemachter Teriyaki-Sauce (€ 14). Die Vegan Bellaria Bowl (€ 12) besteht aus Kimchi-Tofu, Gurken, Glasnudeln, Mango, eingelegten Radieschen und Sesam-Ponzu. A ls Nachschlag empfiehlt sich der Buttermilk Pancake mit hausge-machter Nougatcreme, Vanillesauce und frischen Früchten (€ 8). Hauptspeisen werden im Café Bellaria ab 11:30 Uhr serviert: Getestet haben wir die veganen Bellaria Gnocchi, die mit gegrilltem Kürbis, Tomaten und Frühlings-zwiebeln herrlich geschmeckt haben. Vegan ist auch der Beyond Meat Burger (€ 15) mit Salatherzen und Erbsencreme. Dinner wird ab 17 Uhr serviert, zum Beispiel ein pochierter Seesaibling mit gegartem Zitronenlauch, Shiitake-Pilzen, Erdäpfel-Espuma, Lauchöl und Erdäpfel-Stroh. Ein vegetarisches Risotto mit schwarzer Trüffel, Pecorino Romana, Stundenei um € 19 ist auch im Angebot. „Wir beleben das Wiener Kaffeehaus neu – nicht als Museum, sondern als Lebensgefühl“, ist David Figar überzeugt. Das scheint gelungen zu sein.

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