Das „Kaan“ kann viel Vegetarisches auf hohem Niveau

Der Blick in den orientalischen Keramikhimmel ist wieder möglich – wenn es im Schanigarten kühl und dunkel wird.

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© Reinhard Engel

WINA-TIPP
KAAN. CAFÉ-RESTAURANT
MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien
Mo.–So., 10–23 Uhr; warme Küche 11–22:30 Uhr
+43/(0)1/212 32 06
azw.at

 

Traurig war der Anblick des dunklen Lokals, wenn man im letzten Jahr nach einem kulturellen Erlebnis am ehemaligen „Corbaci“ vorbeischlenderte. Nostalgisch dachte man an den lebhaften Austausch mit Freunden, mit denen man hier bei Speis und Trank – unter dem hohen Gewölbe mit Fliesenmosaik – nach Besuchen im nahen Volkstheater, der Festwochen-Hallen oder der beiden Museen im MuseumsQuartier angeregt diskutierte. Ganz zu schweigen von den mittäglichen Debatten im ruhigen, hellen Schanigarten nach den 1.-Mai-Festivitäten beim Wiener Rathaus.

Diese Art von Rendezvous war vom Architektenduo Anne Lacaton und Jean Philippe Vassal vor etwas mehr als 20 Jahren durchaus mitgedacht worden: „Wir hatten die Vorstellung eines türkischen Cafés, in welchem man bequem sitzen und lange reden kann. Hier hatten wir ein hohes Ziegelgewölbe, und die Projektidee war einfach, in diesen Raum einen ‚Himmel‘ zu hängen. Diesen Himmel führten wir in orientalischer Keramik aus.“

Dieser „Himmel“ erstrahlt jetzt wieder in Blau-Weiß und kräftigem Grün, denn seit Juli 2023 ist die Durststrecke vorbei: Das Ehepaar Birgit und Gökhan Yolacan, das ein Café in der Leopoldstadt betrieben hat, erweckte diese orientalische Prinzessin mit der prächtigen Gewölbedecke aus ihrem Tiefschlaf – und das mit einem äußert passenden kulinarischen Angebot. Hier kann man von nun an auch am Sonntag (nicht koscher) die levantinisch-wienerisch-türkische Küche – mit reichlich Auswahl an vegetarischen Gerichten – genießen.  Ein heißer Tipp sind drei vegetarische Hauptspeisen, die getestet und für wohlschmeckend und gut gewürzt befunden wurden: Der große geschälte Melanzani Klassiker Imam Bayildi dient als Bauch, großzügig mit knackigen Zucchini, Paprika, Fisolen und Karfiol gefüllt (14 Euro); um den gleichen Preis gibt es auch Fellah Köfte, das sind Bulgur-Bällchen in pikanter Tomatensauce mit Buttermandeln und jungem Spinat. Sättigend ist auch Kaan’s Balik Ekmek, ein Makrelen-Filet-Sandwich (zwischen knusprigem Toast) mit hausgemachter Mayonnaise, Salatherzen, Tomaten und roten Sumaka-Zwiebeln um 20 €. Die Suppen – Rote Linsen mit Zitronenchili, Karotten-Ingwer-Suppe mit Croutons oder die pikante Thai-Kürbissuppe mit Kokosmilch – werden in zwei Größen angeboten, und das auch zum Mitnehmen.

Lange war der Himmel dunkel, nun leuchtet
er wieder im neu eröffneten Café-Restaurant im MQ.

 

Die ganze Woche gibt es Quiche mit Spinat-Feta oder Kürbis-Burrata, dazu Blattsalat, um wohlfeile 9 € oder eine Erdäpfel-Kürbis-Creme mit Schmorgemüse, garniert mit Rucola und Feta, um 12 €. Auch das tägliche Menü unter dem Frische versprechenden Motto „Solange der Vorrat reicht“ bietet Vegetarisches: Gemüse aus dem Wok mit gegrilltem Tofu, Cashew-Kernen, dazu Basmati-Reis (10 €) oder Fisch-Burger mit gegrilltem Paddy, hausgemachter Mayonnaise, Salat, Tomaten, Zwiebel- und Erdäpfelspalten (14 €). Weniger aufregend waren der gebeizte Lachs (12 €) bei den Vorspeisen und das Piyaz, eine Art blasser Bohnensalat mit Sesamdressing, dafür umso würziger und pikanter der Ezme-Salat.

Zu trinken wird reichlich Alkoholisches, aber auch ein Apfel-Ingwer-Bio-Getränk von Pona um saftige 5,90€ angeboten. Hauptsache, man kann im Kaan wieder das ganze Jahr in den Himmel schauen

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