Ist Yoga koscher?

Yoga-Minjanim, jüdisch inspirierte Yoga-Kurse und zahlreiche Publikationen zum Thema Yoga und Judentum deuten auf das wachsende Interesse hin.

274
Avraham und Rachel Kolberg: Sie betreiben ihr Yoga Studio in Beit Shemesh vor allem für orthodoxe Besucher

Die Frage, die ihm in den letzten 20 Jahren am häufigsten gestellt wurde, besteht aus drei Worten: „Ist Yoga koscher?“ Die Antwort von Marcus J Freed war seit jeher immer ein begeistertes Ja. Er ist Mitbegründer des Jewish Yoga Network (jewishyoganetwork. org) und Autor von The Kosher Sutras: A Yogi’s Guide to the Torah.
Laut Freed deuten viele jüdische Quellen darauf hin, dass die Ausübung von Yoga zulässig ist, obwohl man wie bei allen talmudischen Überlegungen auch in die andere Richtung argumentieren kann. Trotz des stetig wachsenden Interesses an Yoga aus jüdischer Sicht, auch in Israel, sind viele observante Juden immer noch besorgt darüber, ob Yoga legitimerweise in die authentische jüdische Praxis integriert werden kann.
Juden ringen mit der Spiritualität – das liegt in ihrer Natur, meint Freed. „Der Name Israel bedeutet ,der mit Gott gerungen und überwunden hat‘ (1. Mose 32,28), und wir können Juden dabei beobachten, wie sie in vielen verschiedenen Bereichen mit ihrer Beziehung zu G-tt experimentieren. Wenn wir in unserer eigenen Tradition keine spirituellen Antworten finden, suchen manche woanders.“ Es gibt mehrere Ashrams (hinduistisch oder asiatisch geprägte spirituelle Einkehrzentren), die jüdische Schüler wie auch jüdische Lehrer haben. Die Psychotherapeutin und Achtsamkeitslehrerin Sylvia Boorstein hat ein Buch mit dem Titel That’s Funny, You Don’t Look Buddhist: On Being a Faithful Jew and a Passionate Buddhist herausgebracht.

„Wir sind kein Yoga-Disney-Land.
Beide Pfade beschreiten wir mit Respekt
und getreu den Jahrtausende alten Traditionen.“

Avraham Kolberg, Yoga-Lehrer
in Beit Shemesh

 

Bevor sie Chabad-Rabbetzin wurde, war Olivia Schwartz Studentin der spirituellen Führerin Mira Alfassa in Indien, die ihren Anhängern als Die Mutter bekannt war. Alfassa war eine sephardische Jüdin, die in Paris als Tochter einer ägyptisch-jüdischen Mutter und eines türkisch-jüdischen Vaters geboren wurde. In den siebzig Jahren, die sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1973 in Indien verbrachte, erwarb sie sich großes Ansehen als yogische Führerin.
Olivia Schwartz verließ Indien schließlich in Richtung Israel, wurde strenggläubig und war über 40 Jahre lang Co-Direktorin des berühmten Chai Center in Los Angeles. Sie hat hunderttausende von Menschen in Tora-Kursen unterrichtet und praktiziert immer noch jeden Tag Yoga.
Eine große Herausforderung für viele jüdische Praktizierende ist es, wenn sie ein Yoga-Studio betreten und Statuen hinduistischer Gottheiten vorfinden. Freed rät dazu, sich zu vergewissern, dass die Yoga-Matte nicht vor einer der Statuen liegt oder diese Studios zu meiden und einen Onlinekurs zuhause zu besuchen. WINA – Autorin Lisa Prutscher (yogashelanu.at), aber auch die beiden Youtuberinnen Adriene Mishler (yogawithadriene.com) und Allie Van Fossen (thejourneyjunkie.com) sind hier empfehlenswerte Alternativen mit jüdischem Background.
Immer mehr Menschen fühlen sich zu Yoga und Meditation hingezogen, und so plädiert Marcus J Freed dafür, Yoga in immer mehr Synagogengemeinschaften anzubieten, um so die Integrität des religiösen Rahmens zu bewahren und gleichzeitig immer mehr Menschen von Yoga und Meditation profitieren zu lassen. Gerade in Zeiten großer Umbrüche, wie wir sie aktuell erleben.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here