Koscher, cool und asiatisch

Das „Mea Shearim“ öffnet seine Tore für Feinschmecker

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© Reinhard Engel

Der Name ist vielleicht für Israel-Kenner etwas irreführend: Mea Shearim heißt ein ultraorthodoxer Wohnbezirk in Jerusalem. Aber dort geht es sicher nicht so cool zu wie in diesem schicken Restaurant im zweiten Bezirk, in dem moderne asiatische koschere Fusionsküche angeboten wird. „Der Begriff ‚mea shearim‘ kommt in Bereschit vor, im ersten Buch Moses, und das Zitat beinhaltet auch meinen Vornamen Izhak”, lacht der Pächter, der das Lokal erst vor einem Monat aufgesperrt hat. „Und Jitzhak säte in dem Lande und erntete desselben Jahres hundertfach; denn der Herr segnete ihn”, lautet der komplette Satz. Diesen biblischen Segen empfanden Janet und Izhak Faiziev als gutes Omen für ihr neues Abenteuer.

»Wir kaufen nur frische Fische
und bearbeiten sie selbst.
Es gibt nichts Gefrorenes.«

Das hebräische „hundertfach” wird auch oft mit hundert Tore übersetzt, eben diese möchte das junge Unternehmerpaar auch für ein breites Publikum öffnen, in dem es die Auswahl an Speisen und Getränken ziemlich groß hält. Das ist bei koscheren Sushi und modernen asiatischen Kreationen gar nicht so einfach. „Unser chinesischer Koch möchte aus zwanzig Sojasaucen wählen, das geht aber bei uns nicht”, erzählt Janet Faiziev, Mutter von drei Söhnen, die sich immer schon so ein Restaurant gewünscht hat. Daher klagt sie auch nicht über die oft mühsame Suche nach hochwertigen koscheren Produkten. Die Absolventin der ZPC-Schule hat vier Semester Wirtschaftsrecht studiert, legte aber dann zugunsten des Familiennachwuchses eine Pause ein. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht: Wir stellen schon vieles selbst her, und den Rest bestellen wir in Israel oder London.”

Die Vorbilder für das geschmackvolle, farblich dezent abgestimmte Interieur holten sich die Faizievs unter anderem aus London. „Dort gibt es nicht nur schönes Design, sondern auch erstklassige koschere Gerichte, die wir jetzt hier anbieten können”, berichtet Izhak, der schon seit vielen Jahren diverse Imbissstuben in anderen Bezirken Wiens betreibt. Fünfzig bis sechzig Plätze gibt es in den zwei Innenräumen, im sommerlichen Schanigarten rund dreißig. Doch wichtig ist den Faizievs, was auf den Tisch kommt, und das muss frisch sein: „Wir kaufen nur frische Fische und bearbeiten sie selbst. Es gibt nichts Gefrorenes”, erklärt Izhak. „Auch wenn das koschere Fleisch oder importierte Produkte alles bis zu 40 Prozent verteuern, bemühen wir uns, bei den Preisen moderat und erschwinglich zu bleiben.” Daher kosten z. B. acht Stück der Sinai Roll, bestehend aus Avocado, Gurke und Schnittlauch, bedeckt mit pikantem Lachs­tatar, Jungzwiebeln, Sesam, Chiliflocken und spicy Mayonnaise, 13 €. Außer den klassischen Sushi und Maki gibt es noch Sashimi, die traditionelle Misosuppe (4,90 €) oder den Satay-Hühnerspieß (6,90 €) als Vorspeise und als eine der zahlreichen Hauptspeisen die Acht Schätze – Rind- und Hühnerfleisch mit Gemüse, Pekingsauce und Reis (16,90 €) – sowie Bulgogi-Rindfleisch nach koreanischer Art (15,90 €).
„Die Sushis sind bei unseren jungen Gästen sehr beliebt”, freut sich Janet Faiziev, „ebenso wie die Modegetränke Aperol Spritz und Hugo Spritz, die man nur bei uns koscher bekommt”. 
Paprikasch

WINA- TIPP
Mea Shearim – modern kosher cuisine
Schmelzgasse 3, 1020 Wien
Mo.–Do., 12–23 Uhr, Küche bis 22 Uhr
So., 11.30–23.30 Uhr, Küche bis 22.30 Uhr
+43/(0)1/39 99 595
mea-shearim.at


WEIN
Understatement auf dem Etikett: „wiener gemischter satz DAC – weingut walter wien” – dazu eine zarte Handzeichnung des Bisamberges. Das macht neugierig, denn es will so gar nicht auffallen oder ins Auge stechen, dafür vielmehr auf dem Gaumen überraschen. Norbert Walter: „ein tiroler aus dem paznauntal erobert den Bisamberg, sein wein den gaumen der wiener. was weit westlich begann, findet seine Vollendung in diesem edlen wiener tropfen”, heißt es auf der Rückseite der Flasche und verspricht auch nicht zu viel. Der Mann aus Galtür hat auch in Wien den Bezug zur Landwirtschaft bewahrt und lebt ihn in seinen Rieden in Sievering, am Nussberg und in Oberlaa aus. Auf dem Bisamberg kamen dann noch ein Weinberg und eine Buschenschank dazu. Unterstützt wird Norbert Walter von seinem Freund und Winzerprofi Fritz Wieninger, der die Aufgabe des Kellermeisters übernommen hat und aus Chardonnay, Gelbem Muskateller, Grünem Veltliner, Riesling, Sauvignon Blanc und Welschriesling einen herrlich fruchtigen Gemischten Satz hergestellt hat.
Zartes Gelbgrün im Glas, frisches Steinobst und grasiger Duft in der Nase, knackige, aber doch leichte Säure und fruchtige Aromen am Gaumen und ein schöner, prägnanter Abgang sorgen für echtes Trinkvergnügen. Ein feiner Wein, der sich mit 12,5 % vol. gut zu deftigeren Speisen und intensiv Gewürztem trinken lässt.

weingut-walter-wien.at

 

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