Mit starker Stimme

Zur Bat Mitzwa bekam Noa Ben-Gur ihre erste Gitarre. Heute singt die Amadeus-Preisträgerin mit ihrer Band Playing Savage selbstbewusste Lieder.

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Text & Foto: Anna Goldenberg

Zu wissen, was man will, ist schwieriger, als es zu erreichen.“ „Simplicity is very hard.“ Wenn Noa Ben-Gur sinniert, wie sie zu ihrem Erfolg als Sängerin und Songwriterin kam, sagt sie Sätze, die man anderen ins Poesiealbum schreiben würde. Vor zwei Jahren gewann die heute Dreißigjährige den Amadeus für „Songwriter des Jahres“ gemeinsam mit Thorsteinn Einarsson, Lukas Hillebrand und Alex Pohn für das Lied Leya. Mit ihrer eigenen Band Playing Savage veröffentlichte sie im Vorjahr ihr Debütalbum bei Seayou Records. Die neue Single Get Off Of My Back (GOOMP) wird Ende Oktober präsentiert.
„Ich folge mystischen Signalen, wenn ich nicht weiß, was ich will“, sagt Noa und meint damit, dass ihre Ankunft in Wien vor sechs Jahren so eine Situation war. Die Mutter Amerikanerin, der Vater Israeli mit irakischen Wurzeln, wuchs Noa zwischen New York und Tel Aviv auf. Die Sommer verbrachte sie bei Verwandten in England. Seit sie zur Bat Mitzwa eine Gitarre geschenkt bekam, schreibt sie ihre eigenen Lieder. An der Tel Aviv University studierte sie klassischen Gesang und Soziologie, war aber nahe dran, das Singen aufzugeben. „Ich habe eine tiefe Frauenstimme“, sagt sie. Die Lehrer hätten das nicht erkannt, sie gezwungen, zu hoch zu singen, und ihr erklärt, das werde nichts.

„Ich folge mystischen Signalen, wenn
ich nicht weiß, was ich will.“

Nach Wien kam sie der Liebe wegen, aber auch, weil sie ein neues Umfeld erleben wollte. Sich an das österreichische „Schaumamal“, die Gemütlichkeit, die Indirektheit zu gewöhnen, war nicht einfach, sagt sie, die es gewohnt ist, Menschen ohne Umschweife mitzuteilen, was sie denkt und will: „Ich hab eine Machermentalität.“ Also schritt sie zur Tat. Noa lernte Deutsch, arbeitete als Au-pair und begann an der Hauptuni ein Masterstudium in Science, Technology and Society. Die Kurse absolvierte sie schneller als die meisten anderen; um die Masterarbeit zu beenden, erinnert sie sich, brauchte sie ein zusätzliches Jahr. „Da habe ich erkannt, dass es so lange gedauert hat, weil ich das nicht als Beruf machen will.“ Einen Monat nach Studienabschluss hatte sie ihren ersten Job in der Popbranche, als Songwriterin für den österreichisch-isländischen Sänger Thorsteinn Einarsson.
Als Kunstfigur „Savage“ singt sie die Lieder, die sie schreibt, selbst. Produzent des Debütalbums Wild ihrer Band Playing Savage ist Paul Gallister, der auch mit der österreichischen Erfolgsband Wanda arbeitete. Die Musik von Playing Savage lässt sich als Mischung aus Funk, Pop und Soul beschreiben, tanzbar und nachdenklich zugleich. In den Musikvideos wirkt Noa als „Savage“ selbstbewusst, herausfordernd und doch verletzlich. Es ist ein Frauenbild, das sie selbst leben und weitergeben will: „Frauen ist es noch immer viel zu wichtig, gemocht zu werden.“
Was ist ihr Ziel für die nächsten Jahre? Sie denkt nach. Gerne hätte sie einmal eine Rolle wie der Fußballer David Alaba in der schwarzen Community – als Vorbild für starke, säkular jüdische Frauen.

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