Orientalisch im Siebenten

& Flora heißt ein neues Hotelrestaurant mit kreativer – fast vegetarischer – Küche.

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© Reinhard Engel

WINA-TIPP
& FLORA
Breite Gasse 9, 1070 Wien
Tel.: +43/(0)1/523 13 45 100
Mi.– Fr., 7:30–24 Uhr (Frühstück & Lunch bis 14 Uhr; Dinner 17:30–22 Uhr; Drinks & Snacks 14–17:30 Uhr); Sa., 8:30–24 Uhr (Frühstück & Lunch bis 14 Uhr; Dinner 17:30–22 Uhr; Drinks & Snacks 14–17:30 Uhr); So. & Feiertag, 8:30–17 Uhr (Brunch à la carte bis 16 Uhr); Mo. u. Di., 7:30–17 Uhr (Achtung: nur Drinks & Snacks)
undflora.at

Bei Hotelrestaurants gab es früher vor allem zwei Typen: teuren Luxus mit Familienöffnung für die Sonntagsbruncher. Oder – wie Florian Holzer im Kurier richtig bemerkte – die international bekannten, lähmenden Standards: Burger, Club Sandwich, dazu eventuell noch die Wiener Variante mit Schnitzel.

Das hat sich in den letzten Jahren in ganz Europa geändert. Ein neuer Typus von Innenstadthotels ist entstanden, bunt, schräg, voller Kunst und Pflanzen, gegenüber den traditionellen Häusern modernisiert und abgespeckt. Manchmal checkt man selbst mit dem Handy ein. Die Lobby dient gleichzeitig als Working Space für Laptop-Besitzer. Und statt sich etwas aus der nicht existierenden Minibar zu holen, muss man auch in der Nacht hinunter an die Rezeption marschieren.

Doch manche dieser Häuser haben nicht alles eingespart, sondern im Gegenteil in interessante Gastronomie investiert. Das Wiener Gilbert, an der Schnittstelle von MuseumsQuartier und Spittelberg gelegen, ist ein Beispiel dafür. Von den Tischen im begrünten Innenhof schaut man auf der einen Seite auf den Hoteleingang, auf der anderen Seite kann man durch große Glasscheiben die Küchenbrigade bei der Arbeit beobachten. Und was diese produziert, kann sich sehen – und schmecken lassen.

Zwei Bücher hat die Küchenchefin Marvin Razavi schon geschrieben, eines behandelt die Gerichte der Hauptstadt ihrer ehemaligen Heimat, Teheran, das andere vegetarische Speisen des Orients. Und so sieht auch die Karte aus: kreativ, bunt und gemüselastig, freilich nicht ganz ohne Fleisch. Gelegentlich mischt sich etwas Rind, Kalb oder Fisch am Rand in das – nicht koschere – Speiseangebot.

 

© Reinhard Engel

 

Und so sieht auch die Karte aus: kreativ, bunt und gemüselastig, freilich nicht ganz ohne Fleisch.

 

 

 

Die – kleinere – Lunchkarte beginnt etwa mit einer Madame Crousto Bruschetta mit Humus und dreierlei Karotte (eine davon tief violett) um € 12,50. Das Brot dafür kommt übrigens von Öfferl. Beim Tatar kann man zwischen der klassischen Rindervariante (€ 19) und der vegetarischen mit Fenchel entscheiden (€ 17). Und wem dabei der Schweizer Blauschimmelkäse Mürgu noch immer zu tierisch schmeckt, der kann es auch beim Chili-Orangenöl als vegetarischem Geschmacksträger belassen.

Unter den warmen Gerichten finden sich etwa ein Zitronen-Emmer Risotto (€ 19), gegrillte Melanzani mit Minze und Tahina (€ 16) oder die gegrillten Salatherzen mit Labneh, einer Berberitzen-Kapern-Salsa, darüber Haselnüsse und Granatapfelkerne (€ 14). Für diese Komposition müsste sich ein Yotam Ottolenghi nicht genieren, sie würde auch gut in sein Programm passen.

© Reinhard Engel

Am Abend wird die Karte erweitert, dann gibt es etwa noch ein Tatar von der Lachsforelle (€ 19), eine Suppe aus Miso, Fischflocken und Algen namens Dashi mit Ei (€ 14) oder Dan Dan Noodles mit Spinatgemüse und Erdnussöl, die weichgekocht werden und Italophile, die al dente gewohnt sind, eventuell verstören könnten (€ 18). Bei den Tacos werden wieder zwei Varianten angeboten, eine fleischige, diesmal mit Pulled Lamb, sowie eine vegetarische mit Melanzani und Miso-Sellerie (€ 19).

Eine kleine – nicht ganz günstige – Weinkarte mit österreichischen bekannten Namen und Bioproduzenten rundet das Angebot ab. Wer will, kann überdies auf der Speisekarte die regionalen Lieferanten nachlesen. Und wer sich beim Kellner über unbekannte Speisen informieren möchte, wird freundlich und kompetent aufgeklärt, mit studentischem „Du“, auch wenn der Uni-Besuch der Gäste schon Jahrzehnte zurückliegt.

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