Der Kampf gegen das Plastikgeschirr

Viele Israelis haben Pessach genutzt, um einige der schönsten Sehenswürdigkeiten des Landes zu besuchen – und dort ihre Spuren hinterlassen.

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© Ernst Weingartner / picturedesk

Alarmierende Bilder von den verschmutzten Meeren dieser Welt findet man dieser Tage in allen Zeitungen. Der Plastikmüll, der unsere Gewässer verseucht, ist nicht nur für die Tierwelt lebensbedrohlich, sondern landet früher oder später auch auf unseren Tellern.
Während die EU bereits Maßnahmen trifft, um Einweggeschirr, Strohhalme und Wattestäbchen in den nächsten Jahren ganz zu verbieten, ist es in Israel ruhig um dieses Thema.
Nach den USA ist Israel der zweitgrößte Konsument von Einweggeschirr pro Kopf. Neben dem hohen Verbrauch an Plastikgeschirr in den religiösen Gemeinden als Alternative zu koscherem Geschirr ist auch die fehlende Aufklärung ein Problem. Um die Denkweise der meisten Israelis hierzu zu ändern, ist noch viel Arbeit zu leisten.
Als ich zuletzt im Supermarkt mein Gemüse auf das Förderband legte, ohne es davor in Plastiksackerl zu verpacken, rollte der Angestellte seine Augen. Er fragte mich, ob ich wirklich glaube, dass ich damit die Welt retten kann. Nachdem ich versuchte, ihn davon zu überzeugen, dass man lokal handeln und global denken sollte, wandte er sich bereits den nächsten Kunden zu, und die Sackerl rollten weiter auf dem Förderband. Wer sich beim Gemüsehändler nicht zu Wort meldet, bekommt seine Gurken, Tomaten, Äpfel, Bananen usw. getrennt in Plastik abgepackt und dann gesammelt in einen großen Plastiksack zum Transport. So kommt man beim Einkauf am Marktstand um die Ecke mit zwanzig Plastiksackerln nach Hause.

»In Urlaubswochen wie zu Pessach,
einer Zeit, in der viele Familien unterwegs sind, werden unfassbare Mengen an Plastikmüll zurückgelassen.«

Bei meinen israelischen Arbeitskollegen war ich etwas erfolgreicher. Die täglichen Plastikbecher vom Wasserspender durch ein Glas zu ersetzen, war ein Projekt, das ich mir fest vorgenommen hatte. Nachdem ich die Plastikbecher gesammelt habe, die in einem fünfköpfigen Büro in einer Woche weggeworfen wurden, war ihre Gleichgültigkeit gebrochen, und die Wegwerfbecher wurden durch Wassergläser ersetzt.
Die 22-jährige Leah hat sich der freiwilligen Meeresschutzaktion Coastal Cleanup angeschlossen, bei der mehrere Kilos Müll an Stränden und Seen gesammelt werden, eher diese im Wasser landen. „Obwohl es den Menschen immer bewusster wird, was sie der Umwelt antun, siegt oft die Faulheit. Der Dreck wird mit dem Gedanken zurückgelassen, dass ihn jemand anderer schon wegräumen wird. In Urlaubswochen wie zu Pessach, einer Zeit, in der viele Familien unterwegs sind, werden unfassbare Mengen an Plastikmüll zurückgelassen.“
Von Kinneret über die landesweiten Nationalparks bis zur Safari in Ramat Gan nutzen Einheimische und Touristen das Urlaubswetter für Picknicks und zum Grillen. „Müll erzeugt Müll“, erläutert Leah und verweist auf ein bekanntes Phänomen. „Ein kleiner Müllhaufen signalisiert den Besuchern, dass sie ihre Umgebung weiter verschmutzen können. Niemand will der Erste sein, der den Abfall liegen lässt, aber sobald er das erste Anzeichen von Müll sieht, ist es für ihn bequemer, den Müll einfach liegenzulassen.“ Die Umweltschutzorganisation Zalul schätzt, dass vierzig Prozent aller Einwegartikel für die Feiertage gekauft werden. Denn ob zu Pessach, Schawuot oder Rosch ha-Schana: Der Feind in den israelischen Großfamilien heißt Geschirr spülen.

1 KOMMENTAR

  1. Das einzige, was hilft, ist aus dem Abspülen und Abtrocknen von Geschirr ein Familienevent zu machen…wenn nur die Frauen spülen müssen, nehmen sie im Zweifel Wegwerfgeschirr, damit sie auch etwas von den Feiertagen haben. Also gemeinsam spülen für mehr Feiertagsfreude und weniger Umweltbelastung…

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