Der Wiener Michael Teichner lebt seit 16 Jahren in Israel und Österreich. Er ist selbstständig, seine Firma verwaltet Wohnungen für Kurz- und Langzeitmieten. Durch die Covid-19-Pandemie stehen fast alle Wohnungen leer. Eine Realität, welcher viele ins Auge sehen mussten, die im Bereich Tourismus und Gastgewerbe arbeiten.

„Nachdem die ersten Einschränkungen von der israelischen Regierung angekündigt wurden und jeden Abend in den Nachrichten von der Ausbreitung des Virus weltweit berichtet wurde, war mir klar, dass wir, obwohl es ein globales Event ist, nicht alle im selben Boot sitzen. Die Erfahrungen, die jeder einzelne während dieser Zeit macht, sind extrem unterschiedlich.“

Über Social Media ist Michael auf eine Gruppe engagierter junger Leute in Tel Aviv gestoßen, die sich organisiert haben, um Bedürftigen zu helfen. Leah, Alma und Danielle haben die Culture of Solidarity ins Leben gerufen und durften sich über eine Welle an Hilfsbereitschaft freuen. Viele Restaurants und Büros, die ohne Vorwarnung schließen mussten, haben Nahrungsmittel gespendet. Jede Woche konnte damit tausenden Bedürftigen geholfen werden, und das Ziel ist, die Menschen auch nach der Corona-Krise weiterhin zu versorgen.
„Social Distancing ist ein Luxus, den sich auch nicht jeder leisten kann. Manche müssen weiter mit den öffentliche Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, sonst haben sie am Abend nichts zu essen für ihre Familien. Das hat mich dazu bewogen, nicht nur an mich zu denken, sondern eben an andere, die sich nicht selber helfen konnten, wie Schoah-Überlebende, alleinerziehende Mütter, Flüchtlinge und andere Randgruppen in der Gesellschaft, die oft auf engem Raum leben“, erzählt Michael. Er hat Essenspakete ausgeliefert und vielen Menschen damit eine Freude gemacht.

Statt in der Isolation alleine zu Hause zu sitzen, gab es mir Freude und Erfüllung, mich nützlich zu machen, und hat mir so einiges über mich selbst beigebracht, über Ängste, Anstand, Mitgefühl und Moral.

Ein Teil der Freiwilligen kümmerte sich darum, regelmäßig mit Senioren zu telefonieren, um ihnen in ihrer Einsamkeit die Sorgen und Ängste zu nehmen.

Neben den Fahrtendiensten haben sich die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer regelmäßig in leerstehenden Schulen oder Veranstaltungsorten getroffen, um die gespendeten Nahrungsmittel zu verpacken. Andere haben zu Hause für Bedürftige gekocht. Ein Teil der Freiwilligen kümmerte sich darum, regelmäßig mit Senioren zu telefonieren, um ihnen in ihrer Einsamkeit die Sorgen und Ängste zu nehmen.

„Es war wie ein Schneeballeffekt. Am Anfang waren wir dreißig Leute, aber diese Zahl stieg rapide an, und rund um Pessach hatten wir bereits zweihundert Freiwillige, ein Teil davon hat die Nacht vor dem Sederabend durchgearbeitet, damit jeder sein Essenspaket pünktlich bekommt. Social Media war ein tolles Werkzeug, um Kräfte zu mobilisieren.“
Ein weiterer positiver Nebeneffekt war für Michael, dass er viele neue Orte und Gesellschaftsschichten kennen lernen durfte, mit denen er zuvor nicht in Kontakt war. „Persönlich habe ich gelernt, dass jeder immer auf irgendeine Art und Weise seinen Beitrag leisten kann und dass es nicht immer große Organisationen braucht, um einen Effekt zu erzielen. Jeder Funken kann ein Feuer und damit Licht erzeugen.“

Glückliche Gesichter in der philippinischen Gemeinde in Jerusalem.

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