Editorial

„Es war eine intensive Woche. Umringt von Erinnerungen. Umringt von Menschlichkeit. Was zurückbleibt, ist ein beinahe unbeschreibliches Gefühl, das wir weitertragen wollen. Ein Gefühl, das uns an eine gemeinsame Zukunft glauben lässt, statt an eine Zukunft der Ausgrenzung.“ Nesterval auf Facebook

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Junge Menschen, die über die Erinnerung wachen. © Schlomo Hofmeister

Das Lehrvideo für illiberale Freunderlwirtschaft und Möchtegern-Feudalismus aus Ibiza hat, wie berichtet, nicht nur dem Absatz eines bekannten Energydrinks Flügel verliehen, sondern auch der Fantasie aller demokratisch Denkenden, Empathie Empfindenden und in die Zukunft Blickenden des Landes: Es gibt Hoffnung – und im Herbst die Möglichkeit, die Richtung aus dem braunen Schatten der sozialen Kälte in eine lichtere Zukunft zu wechseln. Wäre da nicht die EU-Wahl dazwischengekommen. Sie zeigte wiederum, wie viele unbeeindruckt von dem Geschehenen geblieben sind oder aus Hass auf die so genannte „EU-Elite“, aus Frustration über private Probleme oder aus Ärger auf den Nachbarn der „Jetzt-erst-recht-Parole“ der Ewiggestrigen folgten. Da ist auch nicht verwunderlich, dass zeitgleich eine Schoah-Gedenkinstallation am Wiener Ring beschmiert und teilweise zerstört wird. „Österreich, was ist los mit dir?“, fragte sich der Künstler Luigi Toscano, der seine großformatigen Fotos von Schoah-Überlebenden bereits in vielen Großstädten präsentiert hatte – ohne Zwischenfälle.
Wie aber in allen großen Narrativen der Menschheit: Gut und Böse, Schwarz und Weiß liegen nahe beieinander (nur getrennt durch bunte Grautöne). Auf die Zerstörung in Dunkelheit folgt gleich das Licht: Junge Menschen, KünstlerInnen, soziale Organisationen, PolitikerInnen und zahlreiche PassantInnen haben sich spontan organisiert und laut „Nie wieder!“ gerufen. PassantInnen nähten die zerschnittenen Gesichter wieder zusammen, muslimische Jugendliche bewachten in der Nacht ihres Fastenbrechens die Bilder – gemeinsam mit jüdischen HochschülerInnen, AktivistInnen von youngCaritas und der Theatergruppe Nesterval. Fazit: Das Gemeinsame ist eben jung, bunt, mutig und hat das Zeug, selbstorganisiert gegen das Ewiggestrige aufzutreten. Wie das auch die #FridaysForFuture-Bewegung wöchentlich unter Beweis stellt und damit Zukunftsfantasien beflügelt.

Und noch eine kleines, aber um so lauteres Hoch auf die Zukunft möchte ich hier unserer langjährigen und mittlerweile geografisch, nicht jedoch im Herzen fernen Autorin Iris Lanchiano wünschen, die demnächst ihrem Ehemann in Israel das Ja-Wort geben wird. Wir wünschen von hieraus herzlich Masel tov und ein liebevolles Miteinander in der Zukunft. Und das klingt wohl nach einem Patentrezept für unser aller Zukunft.

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