Editorial

„Wunder, im Sinne von Phänomenen, die wir nicht erklären können, umgeben uns überall: Das Leben selbst ist das Wunder aller Wunder.“ George Bernard Shaw

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© via Canva

Die Jahresrückblicke häufen sich sichtlich in den letzten Tagen – wohl ein Zeichen für das sich nahende Ende des bürgerlichen Jahres. Menschen, Zitate, Bilder des Jahdes umrahmen medial das vergangene Jahr und trennen es vom kommenden.

Und wir modernen Menschen des 21. Jahrhunderts entwickeln rund um diese Zeit einen widersinnig-magischen Zustand, in dem wir fieberhaft versuchen, alles abzuschließen, das noch um uns offen scheint. Ein hektisches Tun, das uns wohl davor bewahren soll, in einen Abgrund zu fallen, der sich in der Nacht zwischen dem 31. Dezember und dem 1. Jänner auftut und uns zu verschlucken droht, so wie einst, als die Menschen noch glaubten, mit ihren Schiffen in die Dunkelheit zu fallen, wenn sie einmal die Scheibengrenze der Erde erreicht hätten.

Und parallel zu dieser Hektik des Abschließens und der peinigenden Bedrohung des Geschenkesuchens versuchen wir innezuhalten, besinnlich zu resümieren und jene verbindlichen Vorsätze zu fassen, die spätestens Mitte Jänner wieder verschoben oder vergessen sind.

Doch noch bevor sich die Menschen mit tausenden guten Wünschen und Vorsätzen um den Hals fallen und in kürzester Zeit Milliarden in die Luft verpulvern, um kurze Lichtwunder in die Dunkelheit zu zaubern, feiern wir Chanukka – ein Fest des Wunders. Wir zünden in Erinnerung an den weltlichen Sieg der Makkabäer über die hellenistische Herrschaft und an das g-ttliche Lichterwunder acht Kerzen an acht aneinander folgenden Tagen an. Dass die kleine Gruppe der Makkabäer die griechische Übermacht besiegen konnte und das einzige geweihte Öl, das noch im zerstörten Tempel gefunden wurde, acht Mal länger brannte, als möglich sein sollte, zeigt uns, dass Wunder möglich sind.

Wunder sind Ausnahmeerscheinungen. Von ihrer Existenz konnten wir uns auch dieses Jahr wieder überzeugen – davon, welch unglaubliche Kraft Menschen entwickeln können, wenn eine übermächtige Bedrohung von außen versucht, ihre Machtposition zu demonstrieren. Hätten wir uns gedacht, als wir zum letzten Jahreswechsel unsere Wünsche zum Himmel schickten, dass uns im Jahr 2022 der grausame Geruch von Krieg, Leid und Zerstörung so nahe kommt?  Und hätten wir uns vorstellen können, dass ein so unvorstellbarer Angriff neben all dem Leid auch so viel Stärke und Zusammenhalt hervorrufen kann? Europa ist bis auf eine Zusammenhalt hervorrufen kann? Europa ist bis auf eine kleine und auf unbegreifliche Weise widerständische Ausnahme zusammengerückt. Die europäische Gemeinschaft konnte sich auf politischer Ebene auf eine lobenswert unterstützende Art einigen. Und die europäische Gesellschaft zeigt sich trotz sehr schwieriger Zeiten immer noch solidarisch. Die Kraft dieser Solidarität, die wir alle aus diesen Entwicklungen gewinnen können, ist das wirkliche Wunder – das Wunder, das uns allen innewohnt: die Kraft, nicht nur auf das Bessere zu hoffen, sondern auch dafür einzutreten und dafür aufzustehen, wenn es sein muss, damit uns auch in den kommenden Jahren fröhliche, lachende und hoffnungsvolle junge Augen entgegenblicken, die keine Angst vor der  Zukunft haben müssen.

Mit diesem Wunsch möchte ich mich bei Ihnen und bei jenen, die WINA schreiben, produzieren und ermöglichen, für das vergangene Jahr bedanken. Haben Sie ein hell erleuchtetes Lichterfest, wunderbare Wintertage und viel Freude beim Lesen!

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