Editorial

„Der Staat Israel existiert nicht, weil der Holocaust stattgefunden hat, vielmehr hätte es den Holocaust nicht gegeben, wenn der Staat Israel existiert hätte und das ist unser Auftrag zum Handeln: Wir werden um unser Leben kämpfen und nicht warten, um gerettet zu werden.“ Michal Cotler-Wunsh

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© flash 90

Am 7. Oktober 2023 ermordeten Hamas-Terroristen 1.200 Israelis mit unvorstellbarer Brutalität. Mit ihnen starben jene, die am meisten an die nachbarschaftliche Koexistenz glaubten und sich am vehementesten für das Recht der Palästinenser auf einen unabhängigen Staat eingesetzt haben. Die HamasTerroristen haben jene geköpft, für die „Niemals Wieder“ tatsächlich „nie wieder“ bedeutet hat. Sie haben die Kibbuznikim mit Kugeln durchlöchert, die ihnen Arbeit gaben, jene vergewaltigt, entführt und gequält, die mit viel Hingabe Kranke aus dem Gazastreifen in israelische Krankenhäuser gebracht und an den Feiertagen Friedensfahnen in Richtung Gazastreifen geschwenkt haben. Und sie haben jene „Peaceniks“, Hippies und Bohemiens gejagt, die für eben jene Liebe und jenen Frieden gefeiert haben, die sie sich erträumten. An diesem Tag wurden nicht nur ihre Leben ausgelöscht, sondern auch ihre Träume und Hoffnungen.

Seit damals begegnet die Welt einer anderen Art von Juden: Jenen, die die Erinnerungen an Pogrome, Massenmord und Verfolgung in ihre DNA eingraviert haben. Menschen, die sich für lange Zeit keine Illusionen mehr über Frieden, Verständnis und gute Nachbarschaft machen oder an Gesten des guten Willens glauben, Risiken eingehen oder die andere Wange hinhalten werden.

Mit diesen neuen Juden hat sich auch der Staat Israel gewandelt: Die Bevölkerung ist geeint wie seit Jahrzehnten nicht mehr, die jüdische Gemeinschaft in aller Welt solidarischer und zionistischer denn je und die in Israel lebende arabische Bevölkerung fühlt sich mehrheitlich solidarisch mit diesem Staat. Israel hat sich zu einer trauernden, aber umso entschlosseneren Bastion gewandelt, die überleben und keine Beliebtheitswettbewerbe mehr gewinnen will. Zu einem Staat, für den das „Niemals Wieder“ eine neue Bedeutung erhalten hat.

Das sind die Menschen und das ist das Israel, mit dem sich die neuen Vertreter Gazas nach ihrer Befreiung von der Hamas zusammensetzen und um ihre Zukunft verhandeln werden. Das sind die starken und selbstbewussten Jüdinnen und Juden, an die sich die Welt – nach all den Jahrhunderten der Verfolgung und dem unermesslichen Schmerz der Shoah – nach dem 7. Oktober gewöhnen muss.

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