Zwischenstopp in Moskau mit fatalen Folgen

Auf dem Heimweg von einem Yoga-Kurs in Indien verwandelte sich Naamas Traumreise in einen Albtraum.

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Heute Naama, morgen ich! Protester bei einer Kundgebung für Naamas Freilassung in Tel Aviv. ©flash90

Vor sechs Monaten wurde die 26-jährige Rucksacktouristin Naama Issachar während eines Zwischenstopps in Moskau festgenommen. Neuneinhalb Gramm Cannabis wurden in ihrem Gepäck gefunden. Die amerikanisch-israelische Staatsbürgerin wurde wegen Drogenbesitzes und Schmuggel verhaftet. In ihrer Aussage gegenüber der russischen Exekutive behauptete Naama, sie habe vergessen, ihren Rucksack zu reinigen, bevor sie Indien verließ, weshalb eine kleine Menge Cannabis in ihrer Tasche zurückblieb.
Im vergangenen Monat wurde sie von einem russischen Gericht zu trotz Gnadenantrag des israelischen Präsidenten und Ministerpräsidenten siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
Normalerweise würde der Besitz von neuneinhalb Gramm Cannabis in Russland zu einer Haftstrafe von bis zu einem Monat, einer Geldstrafe und einer Ausweisung führen, doch in Jerusalem geht man davon aus, dass die Inhaftierung und die selbst nach russischen Maßstäben unverhältnismäßige Bestrafung die israelische Regierung dazu zwingen solle, die Auslieferung des russischen Hackers Aleksey Burkov an die Vereinigten Staaten zu verhindern. Sowohl Washington wie auch Moskau haben Interesse an Aleksey Burkov, der seit über vier Jahren in Israel inhaftiert ist.

Die selbst nach russischen Maßstäben unverhältnismäßige Bestrafung soll die Auslieferung des russischen Hackers  Aleksey Burkov an die Vereinigten Staaten erzwingen.

Indien ist ein beliebtes Reiseziel bei Israelis, vor allem nach dem Militärdienst. Eine der Gründe für die Popularität sind die riesigen Cannabisfelder, die viele Touristen anlocken. In Israel und Indien ist der Konsum von Cannabis zum reinen Vergnügen illegal, doch in Israel macht man sich erst strafbar, wenn man mit mehr als fünfzehn Gramm erwischt wird.
Die therapeutische Anwendung der Cannabispflanze wird hingegen seit mehreren Jahren gefördert. In Israel wird Medical Cannabis zur Milderung der Symptome bei Krebserkrankungen, bei Epilepsie, bei Parkinson und auch autistischen Kindern verschrieben, sowohl die Forschungen dazu wie auch der aufgeschlossene Umgang mit dem Thema gelten international als fortschrittlich. Sogar die Armee hat ein Versuchsprogramm aufgestellt, um die Wirkung von Cannabis bei posttraumatischen Belastungsstörungen ihrer Soldaten zu testen.
Gegenwärtig ist unklar, wie sich Naama Issachars Angelegenheiten entwickeln werden, aber Familie und Freunde sind wütend darüber, wie der Fall gehandhabt wird. Justizminister Amir Ohana hat im Oktober den Auslieferungsbefehl des russischen Hackers Aleksey Burkov an die USA unterzeichnet, nachdem das Bezirksgericht und der Oberste Gerichtshof die Auslieferung an die Vereinigten Staaten bestätigt hatten, wo er wegen Verdachts auf Cyber-Verbrechen gesucht wurde.
Liad, Naamas Schwester, ist davon überzeugt, dass ihre Schwester als politische Geisel festgehalten wird. „Sie wird in einem Gefängnis etwa 80 Kilometer außerhalb von Moskau festgehalten und darf nicht telefonieren. Die Entfernung hat sie von der jüdischen Gemeinde in Moskau isoliert. Ihre jüngsten Gerichtsverhandlungen fanden an den hohen jüdischen Feiertagen Rosch ha-Schana und Jom Kippur statt. So konnten weder der Rabbiner noch Mitglieder der Gemeinde an den Verhandlungen teilnehmen.“
Der Fall Naama lässt auch israelische Prominente nicht kalt. Schauspielerinnen wie Maya Dagan, Ania Bukstein und Hanna Laslo riefen in den sozialen Medien zur Solidarität mit Naama auf.


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