Was tun mit Hitlers Geburtshaus?

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Der Politkwissenschafter Andreas Maislinger, Gründer des Vereins Österreichischer Auslandsdienst, der Wehrdienstpflichtigen die Möglichkeit bietet, Gedenkdienst im Ausland zu leisten, engagiert sich seit geraumer Zeit dafür, das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau/OÖ geschichtsbezogen und zukunftsorientiert zu nutzen. Seine Facebook-Initiative facebook.com/houseofresponsibilitybraunau, welche das Projekt „Haus der Verantwortung“ begleitet, gefiel zu Redaktionsschluss bereits an die 1.900 Menschen. WINA hat Eva Blimlinger, die Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien, SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak und den Schriftsteller Michael Stavaric gefragt, wie sie das umstrittene Gebäude gerne genutzt sehen würden. (wea)

Ein schmaler Baukörper vor dem denkmalgeschützten Bestand, so das Konzept des Wiener Architekten Gerhard Vana.
Ein schmaler Baukörper vor dem denkmalgeschützten Bestand, so das Konzept des Wiener Architekten Gerhard Vana.
Eva Blimlinger:

Ein Geburtshaus erlangt erst durch die Handlungen der Person, die hier geboren wurden retrospektiv Bedeutung – negative oder positive, je nachdem. Das Haus in der Getreidegasse 9 in Salzburg, in dem Wolfgang Amadeus Mozart geboren wurde, zählt zu den meistbesuchten Museen der Welt und trägt zum wirtschaftlichen Erfolg der Stadt bei. „Nirgendwo sonst werden der Mensch Wolfgang Amadeus Mozart und seine Musik so lebendig spürbar wie in seinem Geburtshaus“, ist auf der Website zu lesen. Wollen wir, dass im Geburtshaus von Adolf Hitler dieser „lebendig spürbar“ wird? Sicher nicht. Doch wie dieser Bedeutungskonstruktion des Geburtshauses begegnen? Erstens: Die Republik muss das Haus von Gerlinde Pommer erwerben. Zweitens muss parallel dazu ein Nutzungskonzept entwickelt werden, in dem jedenfalls Nationalsozialismus und darüber hinausgehende Fragestellungen wie Krieg, Genozide, Rassismus thematisiert werden. Und drittens sollte das möglichst sofort passieren.

Alexander Pollak:

Ich finde die Initiative von Andreas Maislinger interessant, das Haus in ein „Haus der Verantwortung“ zu verwandeln, eines, das sich mit den Ursachen von kollektivem Hass und Gewalt befasst.

Michael Stavaric:

Mir persönlich würde es gefallen, wenn man dort eine Dauerkinovorstellung (nonstop) einrichten würde, einen kleinen, feinen Kinosaal, in dem rund um die Uhr Der große Diktator von Charlie Chaplin läuft. Hitler hat (das geht aus Filmarchiven in Berlin hervor) den Film übrigens zweimal selbst bestellt. Man weiß nur nicht, ob er ihn je gesehen hat. Ich würde aber davon ausgehen. Also würde ich auch eine Hitler-Puppe als eine Art Dauerinstallation in die erste Reihe setzen. Und in einem anderen Stockwerk würde ich die Reden Hitlers laufen lassen – und diesen die Reden von Karl Kraus gegenüberstellen. Da sich beide einer ähnlichen Rhetorik bedienen, dürfte es als Installation (eventuell als Überblendung) durchaus sehenswert sein.

© facebook.com/houseofresponsibilitybraunau

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