Von Moses bis heute früh

An vier Abenden geht Bela Koreny mit zahlreichen Publikumslieblingen auf eine musikalische Reise quer durch die jüdische Kultur.

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© Starpix/picturedesk.com

Der Tanz des Golem – Von Moses bis heute früh nennt der vielseitige Künstler Béla Koreny sein neues musikalisches Projekt, das er mit zahlreichen Publikumslieblingen an vier Abenden im Theater Akzent realisieren wird. Aber wie kommt der gebürtige Ungar auf das Sinnbild des Prager Golem? „Der Golem steht auch für das Überleben. Die Juden haben es trotz aller Katastrophen immer wieder geschafft, sich mit weisem Humor über Wasser zu halten. Dieser positive Zugang erlaubte es ihnen, trotz allem zu lachen und zu genießen, weil sie leben wollen“, erklärt der Pianist und Komponist.

Keine Frage, die Legende des Golem und seine Erschaffung durch Rabbi Judah Löw im 16. Jahrhundert in Prag gehört zu den beliebtesten literarischen Stoffen der Moderne. Zur Popularisierung des Mythos im 20. Jahrhundert trug vor allem Gustav Meyrinks Roman Der Golem (1915) bei. Fünfzig Jahre später, im Prager Schicksalsjahr 1968, erschien Friedrich Torbergs Erzählung Golems Wiederkehr als Titelgeschichte eines Sammelbandes mit insgesamt vier Erzählungen. Torberg kannte das 1909 in hebräischer und jiddischer Sprache erschienene Volksbuch von Jehuda Rosenberg (1859–1935), in dem der Golem geschaffen wurde, um in Zeiten der Verfolgung die Juden zu retten. Auch Torberg entschied sich für die Version des Golems als Schutzhelfer der Prager Juden – und stellte den Bezug zur nationalsozialistischen Okkupation der Stadt im März 1939 her.

»Die Juden haben es trotz aller
Katastrophen immer wieder geschafft,
sich mit weisem Humor
über Wasser zu halten.«

Bela Koreny

„Ich bezeichne Gerhard Bronner als meinen Ziehvater“, erzählt Koreny, „weil ich so viel von ihm gelernt habe. Er war der Repräsentant jenes mitteleuropäischen intellektuellen Judentums, das auch meine geistige Heimat ist.“ Nicht zufällig war Bronner, der Wiener Kabarettist, Komponist und Schriftsteller, sowohl der ehemalige Wohnungsnachbar Friedrich Torbergs wie auch ein enger Freund. Koreny möchte mit seinem vierteiligen Zyklus von der jüdischen Bibel bis zur Neuzeit die Vielfältigkeit des jüdischen kreativen Schaffens Revue passieren lassen.

Daher trägt der erste Abend am 13. März den Titel Am Anfang war der Gans* – Das alte Testament. „Die Menschen glauben, schon alles zu wissen, doch dieses und jenes wissen sie nicht. Was hat Gott Moses wirklich gesagt? Wohin sind die Juden damals gezogen? Was wäre heute, wenn Kurt Weill, Walter Jurmann, Friedrich Holländer oder Hermann Leopoldi nicht vertrieben worden wären? Was wäre heute, wenn Billy Wilder, Fred Zimmermann oder Eric Kandel nach 1945 zurückgekehrt wären?“

All diesen Fragen und noch vielen mehr widmen sich Béla Koreny und die Wiener Sopranistin Ethel Merhaut, die erst durch die intensive Zusammenarbeit mit Koreny ihre Liebe für für das Repertoire der 20er-, 30er- und 40er-Jahre entdeckt hat. Sie befasst sich nun vor allem mit Werken und Komponisten dieser Zeit wie Paul Abraham, Georg Kreisler, Oscar Strauß, Kurt Weill, Friedrich Holländer, Walter Jurmann, Hermann Leopoldi.

Auf eine kulturelle und musikalische Reise durch das Judentum begeben sich die Doyenne des Wiener Burgtheaters Elisabeth Orth, ihr wandlungsfähiger junger Kollege Michael Maertens sowie die Geigenvirtuosen Roby Lakatos, Yury Revich und Ondrej Janoska. Erzählungen und jüdische Märchen werden von Mercedes Echerer und Heinz Marecek vorgetragen; Lieder im harmonischen Duett wird man von Daniel Serafin und Ethel Merhaut hören.

Als Conférencier führt Béla Koreny mit kurzen Geschichten und Anekdoten durch alle vier Abende. „Ich möchte niemanden belehren, es geht mir darum aufzuzeigen, welchen Reichtum uns jüdische kreative Köpfe und Interpreten hinterlassen haben und wie stark der Verlust noch heute zu spüren ist.“ Doch Koreny verharrt nicht sentimental in der Vergangenheit, sondern bringt auch den Humor Woody Allens und Ephraim Kishons auf die Bühne.

* Zitat aus Peter Hammerschlags Gedicht Ungarische Schöpfungsgeschichte

INFOS:
belakoreny.at, akzent.at

 

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