So international, so israelisch

Moran Rosenblatt und Maayan Oz: israelische Künstlerinnen der dritten Generation auf Erfolgskurs auch in Österreich.

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Maayan Oz (li) und Moran Rosenblatt genießen Wien auch abseits der Dreharbeiten. © Reinhard Engel

Sie posieren miteinander für das Foto am Wiener Naschmarkt, als sei das ihre natürlichste Umgebung, als wären sie in den Shuks von Jerusalem und Tel Aviv. Moran Rosenblatt, die Schauspielerin, und Maayan Oz, die Drehbuchautorin, zählen zu den typischen Vertreterinnen der heutigen dritten Generation von jungen Israelis: Sie sind angstfrei, offen für das Unbekannte, zielstrebig, gut ausgebildet und bereit, sich den Freuden und Anforderungen einer Karriere und des Lebens zu stellen. Vor allem sehen sie sich weder als Außenseiter, geschweige denn als Opfer, wie viele ihrer jüdischen Vorfahren.

„Meine Hautfarbe lässt nicht auf rein aschkenasische Ahnen aus der Rosenblatt-Dynastie schließen“, lacht Moran, die 1985 in Tel Aviv geboren wurde. Die Großeltern väterlicherseits kamen zwar aus Russland und Polen, aber die Familie der Mutter stammt aus dem Iran. Diese kulturellen Kontraste sind weder für Moran noch für die 27-jährige Maayan, die in Jerusalem in eine Familie mit polnischen und kurdischen Wurzeln hineingeboren wurde, etwas Besonderes. In einem Land, das von idealistischen Pionieren und ehemaligen Flüchtlingen aus aller Welt bevölkert wird, ist das ganz normal.

Der Weg nach Wien. Wichtige Mosaiksteine auf ihrem künstlerischen Weg führten die beiden Frauen nach Wien – und ein und derselbe Mann ist schuld daran: Regisseur und Drehbuchautor Harald Sicheritz engagierte Moran Rosenblatt für eine der Hauptrollen im Kinofilm Baumschlager, der ersten österreich-israelischen Koproduktion. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Maayan Oz, die frisch von der Sam Spiegel Film & Television School in Jerusalem kam. Ihr Lehrer, Micha Shagrir, ein Urgestein der israelischen Filmindustrie, hatte die Idee für die witzige Satire, in deren Mittelpunkt ein österreichischer UNO-Soldat am Golan steht, der in die Bredouille gerät, weil er außer einer Ehefrau in der Heimat noch zwei Geliebte vor Ort hat. „Micha hat mein Skript an Harald geschickt, der war begeistert und wollte den ‚Herrn Oz‘ kennenlernen“, erzählt die Mutter zweier Kleinkinder.

Wichtige Mosaiksteine – gelegt von Regisseur Harald Sicheritz – führten die beiden israelischen Filmfrauen auf ihrem künstlerischen Weg nach Wien.

Sicheritz war überzeugt, dass es sich beim Autor um einen erfahrenen Mann handeln müsse. Die Überraschung war groß, als sein israelischer Freund mit der jungen Frau auftauchte. „Wir haben uns auf Anhieb wunderbar verstanden. Ich habe von Harald sehr viel gelernt, vor allem weil er mir das Gefühl gegeben hat, dass auch meine Meinung zählt. Manchmal habe ich mich sogar durchgesetzt“, zwinkert Maayan. Sie kam etwa sechs Mal nach Wien: „Die Arbeitssprache war Englisch. Das ist für mich kein Problem, denn wir haben drei Jahre in Los Angeles gelebt, mein Mann ist Musikproduzent.“ Geschichten zu erfinden und zu erzählen war schon in der Schule eine ihrer Leidenschaften, und so studierte sie zwei Jahre Film und Dialogführung an der Tel Aviv University. Ernst danach ging sie nach Jerusalem, um eine zweijährige Ausbildung als Drehbuchautorin zu absolvieren.

Künstlerische Selbstständigkeit. Moran Rosenblatt hatte ihren internationalen Durchbruch schon geschafft, als sie der Österreicher für Baumschlager entdeckte. 2011 hatte sie ihren ersten durchschlagenden Erfolg mit dem israelischen Film Lipstikka (Obsession), in dem sie eine israelische Araberin spielt. Die Rolle brachte ihre den Ophir-Preis ein und wurde bei der Berlinale gezeigt. „Da sprach ich auch Arabisch. Diesen Film hat Harald gesehen, und daher wollte er, dass ich die Tochter eines libanesischen Generals spiele.“ Aber nicht nur in Österreich, sondern vor allem beim Toronto International Film Festival und beim London Film Festival erregte Moran Aufmerksamkeit mit ihrer einfühlsamen Darstellung der Hagit in Wedding Doll im Jahr 2015. In diesem feinsinnigem Drama findet ein Mädchen mit leichter geistiger Behinderung die Liebe, die ihr aber das gesellschaftliche Umfeld weder vergönnt noch gestattet. Ihre großartige schauspielerische Wandlungsfähigkeit bewies Moran schon im Film Apples from the Desert. „Ich spielte eine ultraorthodoxe 19-Jährige, die sich in einen säkularen Kibbuznik verliebt und bei ihm einzieht. Wir drehten im heißen August, und ich musste mit langen Ärmeln herumlaufen“, erinnert sich Moran, die nach dem Militärdienst außer einem Schauspiel- auch ein Drehbuchstudium abschloss. „Ich möchte gerne mein eigener Boss sein und selbst Filmkonzepte verwirklichen. Einen Kurzfilm habe ich schon gemacht“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Als Schauspielerin ist sie auch in einem TV-Format aktiv, das in Israel beliebt ist: Dramady (eine Kombination aus Drama und Comedy).

Das internationale Publikum wird Moran Rosenblatt in Kürze in der zweiten Staffel der Netflix-Serie Fauda sehen können. Die israelische Erfolgsserie, die der US-Gigant angekauft hat, handelt von der Geschichte des israelischen Agenten Doron und dem palästinensischen Militanten Taofik, die einander jagen.

Während Moran Rosenblatt noch an einer autobiografisch gefärbten TV-Serie schreibt, haben Maayan Oz und Harald Sicheritz bereits ihre zweite gemeinsame Arbeit auf Schiene gebracht: „Zu viel darf ich noch nicht verraten, aber unser nächstes Projekt ist wieder eine Komödie, Arbeitstitel Perfidie. Schauplätze sind New York und Österreich. Dabei geht es um die Jagd nach einem Lottoschein und die ewig gültige Frage nach Vertrauen oder Misstrauen zwischen den Menschen.“ 

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