Zielstrebig

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Raffael Singer weiß, was er will: Der 17-Jährige ist auf dem besten Weg, eine wissenschaftliche Karriere zu machen. Bereits seit einem Jahr studiert er Mathematik und Philosophie in Oxford. Einblick in ein untypisches Teenagerleben. Von Alexia Weiss

Wenn es sich Raffael Singer auf einer Bank auf der Donauinsel gemütlich macht, wirkt er wie ein fröhlicher, lockerer Teenager. Wenn Raffael Singer dann aber darüber zu sprechen beginnt, wie er sich die nächsten Jahre vorstellt, würde so manch anderer Jugendlicher in seinem Alter wohl achselzuckend reagieren. Studieren in dem Alter? Ein so schwieriges Fach? Und dann auch noch so weit weg von zu Hause?

In der Volksschule war ihm recht langweilig, erinnert er sich. „Da wollte ich gar nicht gerne in die Schule gehen, einfach, weil ich da nicht viel zu tun hatte.“ Als er in der zweiten Klasse ist, setzt er sich einmal probeweise für ein paar Wochen in die dritte Klasse. Und bleibt dort. Lernmäßig war es interessanter. Dafür war es schwierig, neue Freunde zu finden. „Die kennen sich dann schon zweieinhalb Jahre, da hat man es nicht so leicht.“

Schule für hochbegabte Teenager

Als Singer einige Jahre später erneut ein Jahr überspringt, war es leichter. Denn dann wechselte er nach der dritten Klasse am Wiedner Gymnasium an die Oberstufe der Sir-Karl-Popper-Schule. „Da hat mir sehr geholfen, dass an die Popper-Schule ja Schüler aus den verschiedensten Schulen kommen.“ Die Popper-Schule ist auf hochbegabte Teenager spezialisiert. Wer dorthin geht, interessiert sich meist für einen ganz bestimmten Bereich. Und hier fühlte sich Singer von Anfang an wohl, wobei er erzählt, dass es bei sehr begabten Jugendlichen ebenfalls Einbrüche bei der Leistung, bei den Noten gäbe. Die Pubertät geht eben auch an ihnen nicht spurlos vorbei.

Jeder junge Mensch habe Talente und versuche diese gerade als Teenager zu entwickeln. „Bei vielen liegen diese Talente aber nicht in einem Bereich, der in der Schule gefördert wird, wie Musik oder Sport. Österreich ist hier etwas unterentwickelt – an amerikanischen Schulen ist das ganz anders. Ich habe allerdings das Glück, dass meine Stärken dort liegen, was auch in der Schule unterrichtet wird.“

Der Zahlen-Fan

Es sind die Zahlen, die es Singer schon seit sehr jungen Jahren angetan haben. Er blüht auf, als er bei der Teilnahme an der Mathematik-Olympiade sieht, wie man anders mit Zahlen umgehen kann. „Im normalen Unterricht geht es darum, Dinge auszurechnen. Bei der Mathematik-Olympiade ging es darum, Dinge zu beweisen. Beim Beweisen versteht man nachher, was man gemacht hat. Beim Ausrechnen bekommt man eine Formel, aber man weiß nachher nicht, was man gemacht hat.“

Uni-Luft schnupperte Singer zum ersten Mal im Rahmen des Programms „SchülerInnen an die Unis“ an der Technischen Universität (TU) Wien. Ihn interessierte aber ein ganz besonderes Studium, das so in Wien nicht angeboten wird: „Mathematik und Philosophie“. Er bestand den schwierigen Aufnahmetest in Oxford – als einer von 14, der schließlich für dieses Studium aufgenommen wurde. Von diesem vierjährigen Bachelor-Studium hat er nun das erste Jahr bereits absolviert. Wie der Weg nach diesem Abschluss für ihn weitergeht, hat Singer schon klar vor Augen: zunächst ein Masterstudium, danach ein PhD-Studium. Die wissenschaftliche Karriere ruft.

Zur Person

Raffael Singer, geb. 1995 in Wien, Volksschulzeit an der ZPC-Schule, Unterstufe am Wiedner Gymnasium, Oberstufe an der Sir-Karl-Popper-Schule. In der Volksschule und Unterstufe überspringt er jeweils ein Schuljahr. Matura mit 16, danach Aufnahme in Oxford. Dort studiert der heute 17-Jährige seit einem Jahr Mathematik und Philosophie.

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