Berühmte Männer, eindrucks volle Monumente

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In den letzten Jahren legte die Israelitische Kultusgemeinde Wien großes Augenmerk auf neue rechtliche Rahmenbedingungen. Im neuen Israelitengesetz 2013 wurden sie schließlich niedergelegt. Das Fundament dazu hatten jene Männer gelegt, die 1829 die Wiener Gemeinde offiziell begründeten, unter ihnen Hönigsberg, Neuwall und Liebenberg. Eine Serie von Tina Walzer

Die Wiener Gemeinde erfuhr nach dem Fall des Eisernen Vorhanges eine bedeutende Zuwanderung: Sehr unterschiedliche Familien kamen nach Wien, ihr Alltag von großen Unterschieden zu jenem der alteingesessenen Wiener Familien bestimmt, die schon zu Kriegsende und ab den 1950er-Jahren nach Wien gekommen waren. Die ersten Jahre waren von der Angst vor einer Spaltung der Gemeinde geprägt. Vielfältige Bemühungen richteten sich auf die sprachliche und berufliche Integration der neuen Familien, um ihnen in ihrer neuen Heimat eine solide Basis bereitstellen zu können. Ziel war und ist es, die Ins­titution der Einheitsgemeinde aufrechtzuerhalten, um die Zukunft des Judentums in Wien zu sichern, aber auch, um nach außen hin geschlossen aufzutreten und Zersplitterung zu verhindern. Gerade die Zuwanderung von Fachkräften wurde gefördert, um dem Staat und der umgebenden Gesellschaft entgegenzukommen, um zu kooperieren und die neuen Wiener Juden ihren Platz in der Gesellschaft finden zu lassen. Wien wurde im selben Zeitraum zunehmend multikulturell geprägt. Auch Juden haben heute ihren Platz in dieser Stadt inne, tragen ein neues jüdisches Selbstverständnis, jenseits der Traumata der Schoa, und das jüdische Leben ist in den Alltag der Stadt integriert.

Max Edler von Hönigsberg wurde 1754 in Kuttenplan (heute Chodová Planá, Tschechische Republik) geboren. Er war der dritte Sohn des ersten geadelten österreichischen Juden und ersten jüdischen Staatsbeamten in Österreich, Israel Hönig Edler von Hönigsberg. Die Errungenschaften seines Vaters vermochte er unter den geänderten politischen Bedingungen des Vormärz nicht zu halten, das Recht, Grund zu besitzen, wurde Max vom Staat abgesprochen und er wurde gezwungen, das vom Vater ererbte Gut zu verkaufen. Am 23. Januar 1832 verstarb er in Wien und wurde, so wie die übrigen hier genannten Persönlichkeiten, auf dem jüdischen Friedhof Währing bestattet.

 Vor ähnlichen Fragen wie heute standen seinerzeit auch die Gründungsväter der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Das Toleranzpatent Josephs II. von 1781 hatte eine jüdische Zuwanderung in breiterem Rahmen als bis dahin möglich gemacht, viele Familien zogen aus den Provinzen der Habsburgermonarchie in die Reichshaupt- und Residenzstadt. Die Unterschiede zwischen den alten und den neuen Wiener Familien führten zur Angst vor einer Spaltung der Gemeinde in Reformorientierte und Orthodoxie. Die alteingesessenen Familien der Hofjuden hatten um 1800 wenig Bindung an Religion – ein Gemeindeleben war ihnen nicht bekannt, da das verboten war. Auch ein G-tteshaus durften sie nicht errichten und waren es gewohnt, in engen, dunklen, wenig repräsentativen Kämmerchen zu beten. Im Gegensatz dazu stammten die Zuwanderer aus den Habsburgerprovinzen oft aus sehr religiösen Gemeinden mit einer starken religiösen Tradition und hatten daher auch ganz andere Alltagsvorstellungen.

Marcus Ritter von Neuwall kam 1754 in Pressburg (heute Bratislava, Slowakei) auf die Welt und verbrachte seine Jugend im Haus seines Onkels Sabel, nachdem sein Vater Mendel Leidesdorf gestorben war, als er selbst erst 16 Jahre alt war. In seiner Heimatstadt machte er sich um die Organisation des militärischen Spitalsdienstes verdient. Um 1812 hielt er sich bereits in Wien auf, als er von der Regierung zum Repräsentanten der hiesigen Judenschaft ernannt wurde. Bis zu seinem Tod am 26. Januar 1838 gehörte er ohne Unterbrechung dem Vertreterkollegium der IKG Wien an.

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wuchs die Wiener jüdische Gemeinde beständig an, und immer neue und komplexere administrative Aufgaben waren zu bewältigen, die Armenversorgung musste neu geregelt, ein Spital- und ein Schulwesen eingerichtet werden. Gerade die junge Generation der alteingesessenen Familien war da wenig hilfreich, da die meisten der jungen Leute, der Mode der Zeit entsprechend, zum Religionswechsel neigten und für jüdische Angelegenheiten wenig Verständnis zeigten. Zur Angst vor einer Spaltung der jüdischen Gemeinschaft kam die Sorge um ihre Zukunft und ihr Fortbestehen. Hier setzten gerade die Zuwanderer mit einer Erneuerungsbewegung einen bahnbrechenden Impuls. Die Errichtung eines eigenen G-tteshauses machte den Anfang. Michael Lazar Biedermann und Isak Löw Hofmann brachten bereits 1811 gemeinsam jene Summe auf, die nötig war, ein Grundstück für die Errichtung einer Synagoge zu erwerben. Dreizehn Jahre dauerte es, bis der Grundstein zum berühmten Bau von Josef Kornhäusel in der heutigen Seitenstettengasse gelegt werden konnte. Die feierliche Einweihung des Stadttempels fand am 9. April 1826 statt. Gleichzeitig arbeiteten die Repräsentanten der Wiener Judenschaft an der Schaffung rechtlicher Grundlagen für eine offizielle, staatlich anerkannte Standesvertretung. Am 18. März 1829, drei Jahre nach der Eröffnung des G-tteshauses, konnten sie die neuen, ersten Statuten der IKG Wien schließlich unterzeichnen. Auf jenem Blatt,  auf dem sie unterzeichnet wurden, finden sich gleich ganz oben drei berühmte Namen: Max Edler von Hönigsberg, Marcus Ritter von Neuwall und Ignatz Hirschl, Edler von Liebenberg.

Ignatz Hirschl, Edler von Liebenberg (1772 Temesvár – 1844 Wien) war der Sohn von Philipp Hirschl und heiratete mit 21 Jahren eine Nichte von Marcus Ritter von Neuwall, Babette Leidesdorf. Durch die Eheschließung erwarb er das Aufenthaltsrecht in Wien, 1808 wurde er zum k. k. privilegierten Großhändler ernannt. Er begründete eine Schafwollzucht und wurde für seine Verdienste um die Schafzucht 1817 in den Adelsstand erhoben.

 Berühmte Männer

Die Grabstätten der drei berühmten Männer wurden in der NS-Zeit zerstört und existieren auf dem jüdischen Friedhof Währing heute nicht mehr. Max Hönigsbergs Gebeine wurde vom Naturhistorischen Museum Wien für „rassekundliche“ Untersuchungen exhumiert. Neuwall und Liebenberg wurden durch die jüdische Gemeinde des NS-Staates enterdigt und zu Tor 4 überführt, um ihre Gebeine vor den Experimenten des Museums zu bewahren. Die sterblichen Überreste aller drei Personen befinden sich heute, soweit bekannt, in einer Notgräbergruppe des neuen jüdischen Friedhofes am Zentralfriedhof. Überreste ihrer Grabmonumente liegen am Währinger Areal verstreut herum und warten auf die Wiederherstellung ihrer Würde.

Veranstaltungen am jüdischen Friedhof Währing:
Freiwilligentage jeweils 11 bis 16 Uhr: 11.5., 6.7., 14.9., 2.11.
Führungen: 30.3., 18.5., 25.5.
Anmeldung: Karin Binder, Grüner Klub im Rathaus. Die Areale in der Seegasse, am Döblinger Friedhof und am Zentralfriedhof sind frei zugänglich.

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