Dancing Queen

Als Profitänzerin ihren Unterhalt zu verdienen, schien Alexandra Scheriau lange undenkbar. Dann zog sie nach New York ...

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Römische Grabinschriften waren mein Ding“, sagt Alexandra Scheriau. Obwohl die heute 31-Jährige immer schon gerne und viel tanzte – erst Ballett, dann Jazz und Modern –, studierte sie nach der Matura zunächst Altertumskunde in Wien. Die Eltern hätten gerne gesehen, dass sie im geisteswissenschaftlichen Bereich bleibt und eine Dissertation schreibt. „Das ist halt unser Background“, sagt sie und meint den jüdischen. „Ich habe das Tanzen nicht als Berufsmöglichkeit wahrgenommen.“ Sie schloss ihr Magisterstudium ab und folgte im Jahr 2010 ihrem Ehemann nach New York. Dort wollte sie ausprobieren, ob sie vom Tanzen leben konnte. „Wenn’s nicht funktioniert, kriegt’s keiner mit.“
Klassischer Paartanz war jetzt ihr Ding; sie gab Unterricht, nahm gemeinsam mit ihrem Tanzpartner an Turnieren teil und tanzte sogar in einigen Broadway-Musicals mit. Dass das Studio selbstverständlich an den jüdischen Feiertage geschlossen blieb („zu 98 Prozent waren dort ukrainische Juden“), war neu für sie: „Grad, dass die Leute in Wien wissen, dass es andere Feiertage gibt.“
Alexandra mag die jüdischen Traditionen, obwohl sie nicht religiös aufwuchs. In ihrer Wiener Kindheit wurden die jüdischen und christlichen Feiertage parallel begangen. Mit dreizehn Jahren, erinnert sich Alexandra, hatte sie eine „jüdische Phase“ – und weigerte sich, beim weihnachtlichen Beschenken mitzumachen. Die Familie respektierte ihren Wunsch. Es wurde ein trauriges Fest: „Ich war die einzige, die keine Geschenke bekommen hat.“ Mittlerweile begeht sie nur die jüdischen Feiertage; zur Weihnachtszeit bäckt sie Vanillekipferl.

2016 brachte sie Lifeball-Gründer Gery Keszler tanzen bei;
dieses Jahr war Fernsehmoderator Volker Piesczek ihr Partner.

Als sie 2014 aus New York nach Wien zurückkehrte, war klar, dass sie beim Tanzen bleiben würde. Sie arbeitete als Tanzlehrerin, moderierte Events – und wurde für die ORF-Fernsehshow Dancing Stars rekrutiert. In der wöchentlichen Sendung, die eine Million Zuseher hat, werden Prominente mit Profitänzern gepaart und müssen vortanzen; Publikum und Jury bestimmen, wer am Schluss gewinnt. In der zehnten Staffel im Frühjahr 2016 brachte sie Life-ball-Gründer Gery Keszler tanzen bei; dieses Jahr war Fernsehmoderator Volker Piesczek ihr Partner. Mit Keszler schied sie in der siebten Sendung, mit Piesczek in der fünften Sendung aus.
Seitdem wird sie auf der Straße immer wieder angesprochen. Manche Aspekte der Bekanntheit verunsichern sie trotzdem, sagt sie. Das Foto, das ich von ihr machen will, zum Beispiel. Sie blickt kurz in ihren Taschenspiegel, dann bittet sie um Anweisungen. Soll sie sitzen bleiben, aufstehen, sich umdrehen? Dann strahlt sie in die Kamera.
Die Eltern, erzählt sie, fragen übrigens nicht mehr nach ihrer Dissertation.

Text & Foto:
Anna Goldenberg

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